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Ecuador : Der Schatz von Santa Clara

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Die meisten Schatzsucher haben ihre erste selbstgefundene Münze an einer Kette um den Hals baumeln. Manchmal finden sie tagelang nichts - aber dann, auf einmal, spülen sie eine Holzkiste mit Hufeisen oder eine Signalkanone aus Bronze frei. Oder, eines Tages, den Schatz, der in Geld nicht aufzuwiegen ist.

Auf dem Trockenen halten sie es nicht aus

Wenn sie nicht arbeiten, jagen die Taucher mit einem Patronenspeer Fische fürs Abendessen. Mit Nagellack präparieren sie die Pistolenmunition gegen Wassereintritt. Das Meer bestimmt das Leben der Menschen an Bord. Sie sind nur noch selten an Land. Sie halten es dort auf dem Trockenen nicht aus. Sie brauchen die Nähe zur Tiefe, in der das liegt, was sie nicht losläßt. Es ist eine kleine, verschworene Gemeinschaft, die hier wochenlang an Deck lebt: Haig Jacobs, ein sehr robuster Engländer mit deutschen Vorfahren, ist Berufstaucher mit Historiker-Ambitionen. Neben seiner Arbeit unter Wasser dokumentiert er die ganze Operation.

Javier Veliz ist Archäologe und Museumsdirektor aus Salinas, im Süden von Ecuador. Er ist als Wissenschaftler für die Funde verantwortlich, viele Stücke werden später in seinem Museum zu sehen sein. Eine Mitarbeiterin des Patrimonio Cultural sorgt dafür, daß die schönsten Stücke im Museum landen und die Beute gerecht geteilt wird.

Piraten in den Gewässern um Santa Clara

Dazu kommen ein Dutzend Seeleute aus Ecuador und ein kolumbianischer Koch. Sie halten das Schiff am Laufen. Und damit das, was dem spanischen Kapitän de Lerma zum Verhängnis wurde, nicht auch ihnen passiert, sind zum Schutz vor Überfällen ein paar Soldaten der Marine an Bord - denn Piraten gibt es auch heute noch in den Gewässern um Santa Clara.

Aguirres Partner Saavedra, der Projektleiter, ist überzeugt, daß sich die Operation trotz der Risiken und der horrenden Kosten lohnt - besonders abends, wenn er auf Deck in einem Regiestuhl im Schatten neben Javier sitzt und zufrieden auf die Tagesbeute schaut; wenn vor ihnen auf dem Tisch GPS und Funkgeräte und Hunderte alter Silbermünzen liegen, grün patiniert, aber mit erkennbaren Prägungen. Auf einigen der Münzen ist ein „P“ erkennbar, das für die Stadt Potosi in Bolivien steht, wo sie zwischen 1650 und 1680 geprägt wurden. Tausende haben die Taucher bereits geborgen.

Sensationelle Funde werden erwartet

Der Wert der versunkenen Ladung wird auf ungefähr sieben bis vierzehn Millionen Dollar geschätzt. Dafür könnte man ein Museum bauen, denn es gibt nicht viele hier, sagt Saavedra. Er hofft, daß die Funde, die später in den Museen zu sehen sind, Touristen anziehen und Arbeit in die armen Dörfer an der Küste bringen.

Ein Teil des Gewinns wird sicher auch die nächste Schatzsuche finanzieren, denn entlang der Küste Ecuadors werden noch viele Wracks vermutet. Ein paar sind schon geortet. Es werden sensationelle Funde erwartet, sagen die Spezialisten an Bord. Mehr wollen sie aber nicht verraten. Wegen der Piraten, die sie fast so sehr fürchten wie die Haie, die die versunkenen Schiffe bewachen. Und weil sie es selbst nicht so genau wissen, was sie dort unten erwarten wird. Denn alles ist möglich, wenn man einmal die spiegelglatte Oberfläche des Golfs von Guayaquil durchstoßen hat.

Anreise Mit Iberia fliegt man über Madrid nach Quito oder weiter nach Guayaquil. Information und Buchung unter Telefon 01805/442900 oder im Internet unter www.iberia.de. Rundreisen und Touren in Ecuador veranstaltet zum Beispiel Surtrek. Informationen im Internet unter www.surtrek.de, per E-Mail über info@surtrek.de. Die Insel Santa Clara ist ein Vogelschutzgebiet und schwer zu erreichen. In die Nähe des Schiffswracks kommt man nur mit Genehmigung. Informationen über die Schatzsuche erfährt man direkt bei der Bergungsfirma "Robcar S.A.", im Internet unter www.galeonesymacuquinas.com, die E-Mail-Adresse lautet: info@galeonesymacuquinas.com. Einige Funde aus den Wracks gibt es in Museen zu sehen: In Guayaquil im "Museo de Historia Maritima" (geöffnet dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr) und in Salinas im "Museo Naval y Arqueologico" (dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr). Weitere Informationen erteilt die Ecuadorianische Zentrale für Tourismus, über BZ.COMM!, Robert-Bosch-Straße 28, 63225 Langen, Telefon 00800/59300593, Fax 06103/ 8335670, per E-Mail über ecuador@bz-comm.de, im Internet unter www.viveecuador.com.

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