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Ecuador : Der Schatz von Santa Clara

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Roberto Aguirres „Calepa VII.“ war früher ein Fischtrawler. Von weitem sieht das Bergungsschiff nach einem Fall für den Schiffsfriedhof aus, rostig, abgeschrammt und aufgerieben vom schweren Gerät, das laut scheppernd über Deck gezogen wird. Kompressoren, groß wie ein Kleintransporter, liefern Druckluft, ein Rohr, das sich hinter die Schiffsschraube schwenken läßt und durch das dieser Transporter bequem fahren könnte, dient dazu, unter Wasser den Meeresgrund aufzuwühlen - in der Hoffnung, daß so ein paar Goldbarren zum Vorschein kommen.

Werkzeuge und seltsame Elektrogeräte liegen an Deck herum, Taucheranzüge hängen schlapp zum Trocknen in der Sonne und sehen wie Vogelscheuchen aus. In wassergefüllten Plastikwannen werden Fundstücke aufbewahrt, die in der Luft zerbröseln würden. Überall winden sich verschieden dicke Schläuche übers Deck, manche vibrieren, weil Druck sie aufbläht, andere kleben schlaff und platt wie erschöpfte Seeschlangen auf dem heißen Stahldeck. Metalldetektoren und Sonargeräte werden durchs Meer gezogen.

Überall tummeln sich Haie

Die Schatzsucher sind die letzten Nachfahren jener Abenteurer, die vor vier Jahrhunderten dem Goldrausch verfielen. Sie verbringen Jahre auf unbequemen Schiffen in der Karibik oder auf dem Pazifik vor Südamerika, arbeiten bis zu sechs Stunden täglich unter Wasser - oft unter haarsträubenden Bedingungen. Ein alter rostiger Kompressor drückt gefilterte Luft durch lange Schläuche in die Mundstücke der Taucher, denn ohne sperrige Preßluftflaschen auf dem Rücken können sie sich viel freier bewegen.

Als wir Aguirres Schiff an diesem Morgen erreichten, betrug die Sicht unter Wasser nur einen Meter, das Wasser war grün, die Strömung sehr stark, und sie zerrte am Luftschlauch. Wo ist oben, wo ist unten, wo ist das Gold? In zehn Meter Tiefe knirscht plötzlich der Sand unter den Flossen. Die Schatzsucher sind nicht allein hier, überall tummeln sich Haie - so gesehen ist es gut, daß die Sicht so schlecht ist, man fühlt sich in trübe Sicherheit gehüllt, trifft nur einen giftigen Steinfisch, der tumb im Sand sitzt und sich nicht bewegt, weil er denkt, er sei gut getarnt.

Das Gift kann Menschen töten

Der Steinfisch sieht, gemessen an dem eventuell dort unten auch anzutreffenden Hai, eigentlich ganz sympathisch aus, allerdings erzählte Haig Jacobs, einer der Taucher, später, als wir wieder an die Oberfläche kamen, daß das Gift aus den Rückenflossen dieses Tieres auch Menschen töten kann.

Am Grund des Meeres sind Stangen und Rohre verankert, um das Suchgebiet einzuteilen. Auch zum Festhalten ist dieses Gestänge gut, die Unterwasserströmung spült die Taucher leicht in ein anderes Planquadrat. Bekommt man das Gestänge nicht zu fassen, greift man hilflos taumelnd in den Sand, um sich festzuhalten - und dann, plötzlich, ist dort etwas. Ein flaches, hartes Stück Metall. Eine grün patinierte Silbermünze. Uralt. Teil eines Schatzes. Hier muß Gold sein, ganz sicher.

Es macht süchtig

Das Gefühl, ein vierhundert Jahre altes Silberstück zu finden, ist einzigartig. Man spürt, was die Schatzsucher antreibt: Es macht süchtig. Es ist wie beim Glücksspiel. Man weiß, es gibt unendliche Schätze zu entdecken. Sie liegen so dicht unter dem Sand, daß man sie hören könnte, wenn sie Geräusche machen würden. Nur ein paar Zentimeter unter der Oberfläche. Zum Greifen nahe. Wenn man weiß, wohin man greifen muß.

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