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Dubai : Sieben Sterne über dem Morgenland

Platon am Persischen Golf: das Atlantis-Resort auf der künstlichen Palme von Dubai. Bild: REUTERS

Alle haben Angst vor dem Untergang, nur Dubai nicht. Dort hat man aus Untergegangenem jetzt sogar ein Hotel der Superlative errichtet: das Atlantis. Eine Besichtigung in vier Gängen mit viel Fisch und Champagner.

          8 Min.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Erster Gang

          Vor uns liegen Ravioli, gefüllt mit Pilzen, bestreut mit Schnittlauch, hinter uns die haushohe Glasfront eines Riesenaquariums, gefüllt mit elf Millionen Litern Wasser, auf dem Boden beiläufig verstreut die Trümmer des mythischen Atlantis. Wir schauen mit pochendem Herzen und feuchten Lippen auf das duftende Teigtäschchen, und zwanzigtausend Fische in unserem Rücken scheinen genau dasselbe zu tun. Warum? Seit wann fressen Fische Pasta mit Pilzen? Dann beißen wir in die Ravioli - Heiligemariamuttergottesimhimmel, das gibt es doch gar nicht, das ist phantastisch, das ist gar kein Ravioli, sondern eine Gamba, zart wie der Morgentau! Was für ein wunderbares Kuckucksei hat uns der katalanische Drei-Sterne-Küchengott Santi Santamaría in seinem frisch eröffneten Dubaier Restaurant da ins Nest gelegt: ein Illusionskunststück, ein Sinnestäuschungsmeisterwerk und ganz nebenbei auch noch eine Haute-Cuisine-Metapher für die sphinxhafte Wüstenwunderstadt Dubai aus dem Fata-Morgana-Morgenland.

          Nur gucken, nicht anfassen: ein Haifischbecken im Atlantis.
          Nur gucken, nicht anfassen: ein Haifischbecken im Atlantis. : Bild: REUTERS

          "Es ist ganz einfach", sagt der Mann mit dem Muttergottesnamen und der barocken Statur, der wie ein fleischgewordenes Góngora-Gedicht in seinem Restaurant thront. "Man schält die Gambaschwänze, schneidet sie hauchdünn zu einem Carpaccio, mariniert sie kurz, drapiert dann die Wildpilze auf dem Teller, legt eine confierte Pilzfarce und die Gambascheibchen darüber und gart das Ganze ein paar Sekunden lang unter dem Salamander." Mehr, mehr, wir wollen mehr. Doch nicht davon, sagt Santamaría, denn dieses Gericht sei gar nicht typisch für ihn. Das Credo seiner Küche sei die Einfachheit, die Klarhheit, die Natürlichkeit, der Respekt vor dem Produkt, das immer zu erkennen sein müsse, nicht so wie bei diesem Dekonstruktionsquatsch mit seinen Taschenspielertricks. "Das Leben ist schon kompliziert genug, da will ich meinen Gästen nicht auch noch auf dem Teller Schwierigkeiten bereiten." Santamaría lächelt weise, während ein Teufelsrochen über seinen Kopf gleitet, als wolle er ihn streicheln. Wie ein gargantuesker Kapitän Nemo wirkt der Meisterkoch jetzt in seinem Reich, das zwanzigtausend Meilen unter dem Meer zu liegen scheint mit seiner Fischwand, seinen Lampenskulpturen aus Korallenblättchen, seinen Glassteinwänden in den schönsten Unterwasserfarben. Plötzlich aber beugt er sich nach vorne und sagt verschwörerisch: "Wir haben eine Mission: Wir wollen zum besten Restaurant Dubais werden." Dann lächelt er wieder, dieses Mal aber so, als wüsste er sich längst am Ziel.

          Es gibt keinen geeigneteren Ort für diesen Maximalanspruch als das neue Dubaier Superlativresort Atlantis, das vergangene Woche eröffnet wurde. Der Fünfzehnhundert-Zimmer-Trumm steht stolz wie eine Pharaonenpyramide auf dem Wipfel jener gigantischen Palme, die Scheich Maktoum im Meer aufschütten ließ, um aller Welt zu zeigen, dass er sich die Welt so macht, wie sie ihm gefällt. Atlantis ist ein autonomes Erlebnisuniversum mit angeschlossenem Wasserpark, Delphinkuschelbecken, Aquariumslabyrinth und vor allem einem Viergestirn, wie es selbst Dubai noch nicht gesehen hat. Unter einem Dach geben sich gleich vier Säulenheilige der Spitzengastronomie die Ehre: neben Santamaría die mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Küchenlegende Michel Rostang aus Paris, der in London kochende, aber Italien glühend im Herzen tragende Ein-Sterne-Koch Giorgio Locatelli und der ebenso hoch dekorierte japanische Großmeister Nobu.

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