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Dubai : Die Karawane rast weiter

  • -Aktualisiert am

Wer über Dünen rast... Bild: F.A.Z. - Ivo Goetz

In der Sandwüste Dubais türmen sich die Dünen wie Atlantikwellen. Mit einem Geländewagen fährt Khalid die Dünen hinauf - und bringt die Touristen zum Kreischen. Unterwegs durch die Wüste nach Dubai.

          4 Min.

          Der Geländewagen steht auf der Kippe. 240 PS. Die Reifen sehen aus wie Eierkuchen. Khalid hat gut ein Drittel der Luft rausgelassen. Das Auto gleitet über den Scheitel der Welle und stürzt ins Tal. Seitlich, kurz vor dem Überschlag. Frauen zum Kreischen bringen, das ist das höchste für Khalid. Mit Männern fährt er weniger gern. Der Sand schäumt über die Kühlerhaube.

          Wir sind in der Sandwüste. Rote Dünen, haushoch wie Atlantikwellen. Khalid rast den nächsten Hügel hinauf. Keine Ahnung, was dahinter ist, sagt er, er mache das zum ersten Mal. Jeder weiß, daß das ein Gag ist, aber alle schlucken und holen tief Luft, und dahinter beginnt die Achterbahn. Kein Problem, sagt Khalid, als die Frauen ihn bei einer Pause diskret antippen. Geht hinter die Düne und steckt den Finger in den Hals.

          Die Wüstendünen liegen kurz vor dem Ort Hatta an der Grenze zu Oman, im Scheichtum Sharja, einem der sieben Emirate, die sich nach dem Abzug der Engländer 1968 zu den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengeschlossen haben. Wo die Touristen nicht hinkommen, werden die Wüstendünen von riesigen Bulldozern für die Landwirtschaft eingeebnet. Wasser ist kein Problem in der Wüste. Unter der Erde liegen Reservate. Man muß nur tief genug bohren, und wenn kein Öl kommt, kommt Wasser.

          ...läßt am besten Druck von den Reifen ab
          ...läßt am besten Druck von den Reifen ab : Bild: F.A.Z. - Ivo Goetz

          Wasser unter Palmen

          Nach fünf Minuten merkt man, daß man im Kreis gegangen ist. Der Schweiß läuft in Strömen, und man traut sich nicht, nach dem Weg zu fragen. So enden alle Wüstenfilme. Gott sei Dank taucht eine Bar auf, und man kann Eistee ordern. Das „Bab Al Shams Resort“ liegt mitten in der Sandwüste, vierzig Kilometer von Dubai entfernt. Es ist einer Wüstenfestung nachempfunden. Überall sprudelt Wasser unter Palmen. Ein künstliches Paradies.

          Das Resort liegt in der Nähe einer Wasserpumpstation. Ohne die wäre hier kein Leben möglich. Die Anlage besteht aus Dachterrassen und engen Gängen, die Schatten spenden und kühlenden Zugwind entfachen. Nur heute rührt sich kein Lüftchen.

          Arabische Städte sind so geplant, daß der Feind, der die Mauern überwunden hat, im Inneren scheitern muß. Nach zwei Tagen Übung wagt man allerdings schon Abkürzungen. Von den Diwanen der Dachterrassen schaut man in den Sand. Draußen liegen, beleuchtet wie Schiffe, Pump- und Elektrostationen. Man sieht die Sterne heraufsteigen und erzählt und hört Geschichten.

          Kollision zwischen Autos und Kamelen

          Die Autobahn ist beleuchtet. Tausende von Lichtmasten. Und sie ist eingezäunt. Wie eine Grenze. Es geht aber um die Kamele (Dromedare), die probieren wollen, wie es sich auf Betonpisten läuft. Meistens enden Kollisionen zwischen Autos und Kamelen mit dem Tod des Tieres und zuweilen auch des Fahrers. Wer ein Kamel totfährt, wird hart bestraft.

          Die Vereinigten Arabischen Emirate sind dabei, ein Verkehrsüberwachungssystem zu testen, das in Deutschland entwickelt wird. Jedes Auto bekommt einen Chip in die Frontscheibe, durch den von einer Zentrale ständig das Fahrverhalten und der Standort des Fahrers überprüft werden kann. Die eigene Kamera gibt nach zwei Wüstentagen ihren Geist auf. Ob das komplizierte System aus Württemberg die Sandstürme übersteht, bleibt abzuwarten.

          Hier sei alles Gold, was glänzt, sagt Kurt R., der seit einigen Jahren in Dubai eine eigene Firma betreibt und lieber nicht mit vollem Namen genannt werden möchte. Könnte sein, daß er was Kritisches sagt, und das ist in den Emiraten, wenn es in der Presse steht, auf alle Fälle geschäftsschädigend.

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