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Dominikanische Republik : Mit Hüftschwung im Friseursalon

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Die schmerzensreiche Musik der Landflüchtlinge

Herzensthemen und Melancholie gehören zu diesem Genre, das die meisten Radiosender dreißig Jahre lang ignorierten. Was heute zum Mainstream gehört, begann wie der Merengue fernab der vornehmen Gegenden. Bachata war zunächst die Gitarrenmusik, die die einfachen Leute der sechziger Jahre, die Landbewohner und Landflüchtigen, in ihren Höfen und Gärten spielten.

Vielleicht sah es bei ihnen ein bisschen so aus wie bei Frank, der hundertsechzig Kilometer von der Hauptstadt entfernt in La Cruz del Isleño wohnt, eigentlich nur eine Straßenkreuzung mit einer Handvoll Häusern. Sein Garten beginnt mit einem windschiefen Drahtzaun, dann ein Baum, der Limoncillos trägt. Frank schraubt dort an seinem Motorrad herum, und eine seiner Töchter spielt mit dem Nachbarsjungen Domino. Ab und zu pflückt Frank ihnen ein paar Limoncillos vom Baum, und sie spucken die Kerne ins Gras.

Warum sind die Frauen nur so untreu?

Dann läuft ein schwermütiges Lied, eine untreue Frau, sie solle ruhig gehen. Wieder Bachata, diesmal die neue CD seines Namensvetters Frank Reyes. Das Kabel ist gerade lang genug, und so hat Frank die riesigen Boxen seiner Anlage vors Haus geschafft. Es ist zwar nicht groß, aber hübsch mit seiner maisgelben Fassade, den weißen Fensterrahmen und den sparsamen Ornamenten über der Tür. Es ist nur ein karibisches Holzhaus und doch ein Postkartenmotiv!

Frank ist mein Entzücken nicht entgangen. „In den Holzhäusern wohnen die Armen“, sagt er in einem Nebensatz, und in meinen Ohren klingt diese Bemerkung weniger bitter als vielmehr beiläufig. Ob ich mal seine Hähne sehen wolle? Er hält sie hinterm Haus, dort, wo der maisgelbe Anstrich einem fahlen Senfgelb gewichen ist. Auch etliche Küken sind darunter, aber die sind nicht wichtig. Was zählt, sind die Hähne, Kampfhähne. Um ihre Angriffslust zu demonstrieren, nimmt er behutsam einen von ihnen aus dem Käfig und setzt ihn zu einem anderen. Sofort plustern sie sich auf, flattern und hacken mit dem spitzen Schnabel aufeinander ein, Zielrichtung Kopf. Frank trennt sie rechtzeitig.

Das kleine Glück an der großen Kreuzung

Wenn er sonntags manchmal zum Zweikampf in die Arena geht, tragen die Hähne Sporen am Fuß. Blutig wird es immer, tödlich meistens auch. Wenn am Ende der andere Hahn der Tote ist, reicht das vielleicht für die Monatsmiete. Umgerechnet hundert Euro zahlen er und seine Frau für die drei Zimmer, die sie mit ihren drei Töchtern bewohnen und in die Frank nachts auch noch sein Motorrad stopft. Ein sichereres Auskommen bietet der Imbiss, den die Familie auf der anderen Straßenseite betreibt. Ein orangefarbenes Häuschen, zwei Tische, ein einziger Gast. Franks Frau serviert ihm gerade Frittiertes, die Bachata aus dem Garten dringt bis zu ihnen hinüber. 320 Euro werfe der Imbiss im Monat ab, sagt Frank, das sei mehr, als er früher als Anstreicher in einem großen Hotel verdiente.

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