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Spanien : Das tropische Glück der kleinen Kanaren

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Santa Cruz de La Palma klingt im Kopf, nicht in den Ohren, schon fast wie Maracaibo oder Paramaribo. Dabei ist die Stadt eher ein Klein-Havanna, Malecon und geselliges Straßenleben inklusive: Ältere Herrschaften schlendern in Gruppen über die Avenida Maritima und plaudern mit dem Meer um die Wette.

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          Santa Cruz de La Palma klingt im Kopf, nicht in den Ohren, schon fast wie Maracaibo oder Paramaribo. Dabei ist die Stadt eher ein Klein-Havanna, Malecon und geselliges Straßenleben inklusive: Ältere Herrschaften schlendern in Gruppen über die Avenida Maritima und plaudern mit dem Meer um die Wette; junge Frauen tänzeln reizbetonend durch die einst aristokratische, heute nach dem irischen Bananenkrösus O'Daly benannte Calle Real; Mütter hocken mit viel Zeit auf Mäuerchen und Treppenstufen, ihre Kinder spielen im Hintergrund; gestandene Männer sitzen in Straßencafes, beschauen das lässige Getriebe und saugen an ihren Zigarren wie die alten Kuba-Emigranten, die die Kunst des Tabakanbaus und Zigarrendrehens in ihren Mahagoni-Truhen mitbrachten, als sie nach La Palma zurückkehrten. Unbeschwerte Atmosphäre, jeder scheint jeden zu kennen und zu mögen, ein Havanna provinziellen Zuschnitts, fröhliche Tropen.

          Santa Cruz atmet wohl noch ein wenig den humanistischen Freigeist der kosmopolitischen Toleranzgesellschaft des sechzehnten Jahrhunderts, als es der drittwichtigste Hafen des spanischen Imperiums nach Sevilla und Antwerpen war, die Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika. Flämische, süddeutsche, genuesische, portugiesische Handelskaufleute hatten ihre Kontore und Herrenhäuser in der Stadt, Zuckerbarone ihre Zuckerrohrplantagen und Zuckerfabriken auf der Insel. Es ist noch etwas übrig von der europäischen Kolonialarchitektur: weiß, blau, gelb, rosa, ocker getünchte Häuser mit braunen, grünen Holzbalkonen, Fensterrahmen, Türen, offene Balkone mit kunstvollen Balustraden oder verglast mit Sprossenfenstern, Arkadengänge, dazu die Palmen, Kolonialcharme, der nach Amerika reiste.

          Flach wie eine Flunder

          Nur auf der Karte ist La Palma flacher als eine Flunder, ein Flatschen in der Form eines Eckzahns. In der Wirklichkeit ist sie eine der steilsten Inseln der Welt, im Verhältnis zu ihrer Grundfläche so hoch aufgeschossen wie kaum ein anderer Flecken Erde, bis knapp zweitausendfünfhundert Meter, ein steiler Zahn also aus aufstrebenden Bergen und grün überzogenen Vulkanen. Dazu bietet La Palma eine botanische Vielfalt, die ihresgleichen sucht, mit einem hohen Anteil endemischer Pflanzen, ein naturkundliches Freilichtmuseum wie die Galapagos-Inseln oder Hawaii. Bananenplantagen überall, wo es einigermaßen eben ist, auch Avocados, Ananas, Papayas, Mangos werden angebaut, noch etwas Zuckerrohr für die Rumherstellung, noch etwas Tabak. Selbst die topographischen Namen klingen tropisch, man muß sie auf der Zunge zergehen lassen, dann erst entfalten sie ihr volles Aroma: Bi-ri-go-yo, Ga-ra-fia, Tin-ga-la-te, Ta-za-cor-te, Ti-gue-ror-te, Ti-ja-ra-fe, Te-na-gua, Ta-ju-ya.

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