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Cook Inseln : Das Blaue vom Himmel

Die sehr, sehr blaue Lagune von Aitutaki Bild: privat

Hier sind alle pazifisch eingestellt: Die Cook Inseln liegen am anderen Ende der Welt, und es leben dort etwa 20.000 Gründe, warum man die Inseln unbedingt entdecken sollte.

          Alles, was man als aufmerksamer Zeitungsleser bisher über Aitutaki wusste, stand in einer kleinen Meldung im vergangenen August: Es war eine schöne Meldung, denn sie kam aus der Südsee, von einer kleinen, palmenbewachsenen Insel, umgeben von einer sehr blauen Lagune. Die Menschen dort, so war zu lesen, seien sehr fromm, auf Aitutaki stünden zwanzig Kirchen für 2000 Einwohner, von der „höchsten Kirchendichte der Welt“ war sofort die Rede - und dann das: „Südseeparadies geschockt! Erster Bankraub in der Geschichte!“ Laut dpa entwendeten die Räuber 200.000 US-Dollar, bei AFP waren es neuseeländische Dollar, umgerechnet aber immer noch etwa 116.000 Euro. Viel Geld für so eine kleine Insel. Als unbestätigtes Gerücht verbreiteten die Agenturen auch, dass die Bank nur mit einem Vorhängeschloss gesichert gewesen war.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Menschen auf Rarotonga, der Hauptinsel des Cook-Archipels, schütteln den Kopf über die Ereignisse auf der kleinen Nachbarinsel. „Da war was los“, erinnert sich Alex Wilson, Hotelmanager. Zwei Wochen nach dem Überfall seien ein paar Journalisten aus Neuseeland angereist, erinnert sich Wilson, aber herausgefunden hätten die genauso wenig wie die Behörden. So weit er sich erinnere, sei das gar keine große Summe gewesen. Das Geld habe da einfach so rumgelegen, die Bank war vermutlich gar nicht abgeschlossen, sagt wenig später der Gärtner des Hotels. Sicher ist er sich aber nicht.

          Wie der Garten Eden

          „Auf den Cook-Inseln klaut keiner“, erklärt auch Mister Useless, unser Inselführer, der sich natürlich nur so nennt, in Wirklichkeit hat er einen Namen, den sich kein Tourist merken kann. 20.000 Menschen leben auf den Cook Islands, etwa 60.000 Cook Insulaner in Neuseeland, um zu studieren oder zu arbeiten. Mister Useless schaukelt die Besucher auf seinem Pritschenwagen über Feldwege zu Ananas-, Papaya- und Gemüsefeldern und vorbei an ein paar ausgelassenen jungen Männern, die mit einer Schaufel an einem Zaun stehen, den auch Fünfjährige leicht überwinden. „Unser Gefängnis!“, sagt Useless nicht ohne Stolz. Manchmal dürften die Insassen auch abends nach Hause gehen, „das regeln wir hier unter uns“. So wie auch die Sache mit der Helmpflicht. Die sollte offiziell eingeführt werden - aber die Inselbevölkerung hat das Ansinnen, das selbstverständlich aus Neuseeland herangeschwappt war, abwenden können, mit dem Hauptargument, man könne es den Damen mit ihren großen blumengeschmückten Hüten nicht zumuten, darüber noch einen Helm zu tragen, wenn sie sonntags in die Kirche rasen.

          Die Cook-Inseln präsentieren sich an diesem Nachmittag wie der Garten Eden, in dem keiner eine Uhr braucht. Und falls mal was zwickt, gibt es ein kleines Inselkrankenhaus. Die Zahnärzte kommen meist aus Deutschland, die enge Bindung zu Neuseeland zeigt sich auf Rarotonga zusehends im sportlichen Freizeitverhalten der Insulaner: Überall joggen und radeln und rudern die Menschen, als wäre morgen der nächste Wettkampf.

          Lagunenalltag: Auf einer einsamen Insel leben ein paar Hühner Bilderstrecke

          Mister Useless hatte eine interessante Theorie zum Diebstahl auf Aitutaki gehört: Ein Angestellter der Bank habe das Geld entwendet, weil er sauer über seine Entlassung gewesen sei. Das Geld habe er längst zurückgegeben, und weil auf den Cook-Inseln alles in der Familie bleibe, rede jetzt auch keiner mehr davon.

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