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Búzios : Warten auf Bardot

  • -Aktualisiert am

Nouvelles Vagues: Brigitte Bardot am Strand von Búzios Bild: AFP

Unbemerkt Urlaub zu machen, wenn man schön, jung und berühmt ist - das war schon vor 40 Jahren anstrengend. Brigitte Bardot hat zuerst die Brasilianer verzaubert und dann den Fischerort Búzios auf die Landkarte des internationalen Jetset gehoben.

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          Am Ende der Strandpromenade, die heute ihren Namen trägt, sitzt sie immer noch. Sie ist ein bisschen zu groß geraten und aus Messing, aber ansonsten sieht Brigitte Bardot so aus wie damals, vor 44 Jahren, als sie das gut versteckte Fischerdorf Búzios 192 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro entdeckte. Sogar das ärmellose blau-weiße Top und die Röhrenjeans, die sie damals trug, hat man ihr auf den Leib gegossen.

          In Búzios ist man der französischen Schauspielerin bis heute dankbar dafür, dass sie dem Ort zu internationaler Bekanntheit verholfen hat. Zum vierzigjährigen Jubiläum ihres ersten Besuchs versuchte man im Jahr 2004 alles, um die einstige Leinwandlegende zu bewegen, noch einmal an den Ort zurückzukehren, den sie allein weltweit bekannt gemacht hat. Doch Madame Bardot, die heute in erster Linie durch obsessive Tierschutzaktivitäten und gelegentlich durch rechtsradikale Tiraden auffällt, wollte nicht. So tröstete man sich in Búzios, indem man die ortsansässige Bildhauerin Christina Motta eine Blech-Bardot formen ließ, die nun ihren festen Wohnsitz an der „Orla Bardot“ hat.

          Brasilianische Begeisterung für Blondinen

          Vor 44 Jahren, am 7. Januar 1964, war BB um 5.10 Uhr auf dem Flughafen Galeão in Rio de Janeiro gelandet. Sie war 29 Jahre alt und stand auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Paparazzi verfolgten sie auch in Europa auf Schritt und Tritt, aber möglicherweise hatte sie die Begeisterungsfähigkeit der Brasilianer für Blondinen unterschätzt. Brigitte Bardot kam in Begleitung ihres „brasilianischen Verlobten“ Bob Zagury. Der war zwar weder Brasilianer, sondern ein französisch-marokkanischer Jude, der seit einigen Jahren in Rio lebte - und noch viel weniger ihr Verlobter, sondern schlicht ihr Lover, aber anstandshalber formulierten brasilianische Medien das ein wenig diskreter. Dem Mann eilte als Lebemann, professionellem Poker-Spieler und feurigem Cha-Cha-Cha-Tänzer ohnehin ein Ruf voraus, der nur schwerlich ins Seriöse zu wenden war. Er war Mitglied der Carioca-Boheme, zu seinen Freunden gehörten Vinicius de Moraes, Tom Jobim und Jorge Ben.

          Als er mit seiner französischen Eroberung die DC-8 der Panair verließ, war das Flugzeug bereits umringt von Dutzenden Journalisten und Kameraleuten. Zagurys Freund, der Anwalt Arainho Nabuco, hatte einen Wagen besorgt, mit dem Zagury und Bardot das Flughafengelände schleunigst durch eine VIP-Ausfahrt verließen. Dummerweise vergaßen sie in der Hektik, ihre Pässe und Impfbescheinigungen vorzulegen. Die Zollbeamten beschlagnahmten daher erst einmal das Gepäck (acht Koffer, eine Gitarre) und drohten, den Star umgehend wieder abzuschieben. Schließlich schaltete sich der Justizminister ein und fand einen traditionell brasilianischen, unbürokratischen Ausweg, einen „jeitinho“.

          „Lasst Brigitte in Frieden“

          BB und Zagury saßen derweil in einem Apartment in der Rua República do Perú unweit der Copacabana, und sie hatten ein Problem: Die ganze Stadt wusste inzwischen, dass Brigitte Bardot da war. Journalisten und Schaulustige belagerten das Apartment gemeinsam, Restaurants boten auf der Straße Churrasco an, und der Verkehr im Stadtteil Copacabana kam praktisch zum Erliegen. Nach zwei Tagen veröffentlichte die Zeitung „O Globo“ einen Leitartikel unter der Überschrift, „Lasst Brigitte in Frieden“, allerdings ohne ihre eigenen Reporter abzuziehen.

          Zagury gab eine Erklärung ab: Wenn die Belagerung nicht aufhöre, werde BB wieder abreisen müssen. Schließlich kam es zu einem Kompromiss. Gegen ein Interview und einen Fototermin im Hotel „Copacabana Palace“ zwei Straßen weiter sicherte die Medienmeute Brigitte Bardot freies Geleit zu. Kurz darauf stülpte sich die Schauspielerin eine schwarze Perücke über den Kopf und floh im brasilianischen VW-Käfer Zagurys in Richtung Búzios.

          Die Halbinsel mit den mehr als zwanzig kleinen Buchten war damals von Rio aus schlecht zu erreichen, die Brücke, die heute Rio mit Niterói verbindet, gab es noch nicht. Während man heute für die Strecke etwa drei Stunden braucht, benötigten Bob und Brigitte auf Schotterpisten gut doppelt so lange. Im Gepäck hatten sie eine Gitarre, Trinkwasser, Petroleum und Konserven, denn in Búzios gab es praktisch nichts.

          Ein Meer aus blauem Champagner

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