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Bali : Der Gott der kleinen Dinger

  • -Aktualisiert am

Mädchen beim balinesischen Tanz Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit Bundeswehr-Kübelwagen fährt der Österreicher Gery Nutz Touristen durch Bali und zeigt ihnen die „klassische“ und die „versteckte“ Insel; Tempel und Reisfelder. Eine Geschäftsidee, die offenbar funktioniert.

          4 Min.

          Der Kübelwagen von Volkswagen hat im Laufe seiner Modellgeschichte schon so einiges erlebt. 1938 entwarf Ferdinand Porsche den Typ 82 für die Wehrmacht.

          Von 1940 bis 1945 zeigte sich das „schwimmfähige“ Gefährt zunächst bei Vorwärts-, dann vor allem bei Rückwärtsbewegungen in unwegsamem Gelände als ausgesprochen zuverlässig. Ende der sechziger Jahre erinnerte sich dann die Bundeswehr an das unverwüstliche Gefährt und ersetzte den DKW Munga mit einer Neuauflage des Kübels, dem Modell 181.

          Das Tolle an dem nur 750 Kilogramm leichten Wagen war, daß es fuhr wie ein Allradauto ohne Allradantrieb. Angetrieben wurde es von dem Boxermotor, der auch im Käfer steckte. Ein Zwischengetriebe an den Hinterrädern sorgte für die nötige Traktion. Bis 1973 wurde der Kübel in Deutschland gebaut, danach noch bis 1980 in Mexiko.

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          35.000 „Kübel“ für Indonesien

          So teilt sich die Geschichte des Kübelwagens in eine militaristische und eine pazifistische. Deutsche Wehrdienstleistende lernten die Standheizung des olivgrünen Gefährtes zu schätzen und die pfiffige Ingenieursleistung, die dafür sorgte, daß eingedrungenes Regenwasser problemlos durch die Rostlöcher im Bodenblech ablief.

          Gleichzeitig entwickelte sich die in Mexiko produzierte Variante in Kalifornien zu einer beliebten Hippieschleuder. Dort hieß das Modell dann auch nicht mehr militärisch knapp „181“, sondern spaßorientierter „VW Safari“ oder „Holiday“. Den Hippies war das allerdings egal, die nannten das Auto, das irgendwie nicht aussah wie ein richtiges Auto, einfach nur „The Thing“.

          Von diesem Ding exportierte VW Mexiko ab 1976 dann rund 35.000 Exemplare nach Indonesien, denn auch dort waren die Straßenbeläge noch verbesserungsfähig und die Hippie-Population im Wachsen begriffen. Leicht hippiesk war zu dieser Zeit auch der Österreicher Gery Nutz. Mit 19 Jahren verließ der heute 47jährige seinen Heimatort Melk und begann zu reisen: Pakistan, Indien, der Himalaja, Indonesien, und dort seit 1984 immer wieder Bali. Die Insel mit ihren Franjipani-Farben und verführerischen Gerüchen ließ Gery Nutz nicht mehr los. 1987 heiratete er eine Balinesin. Seinen Lebensunterhalt bestritt er eine Weile mit Schmuckhandel. Dann entdeckte er den Kübel.

          Zusammengeschweißt und überlackiert

          Seit 1988 fährt Nutz nun Besucher über seine Insel und zeigt ihnen das „klassische Bali“ oder das „versteckte Bali“. Eine Geschäftsidee, die offenbar funktioniert. Inzwischen besteht sein Fuhrpark aus einem Dutzend zusammengeschweißter und bunt überlackierter Kübelwagen. Bis zu fünfzig Gäste führt er in einer Kübelkolonne über die Insel.

          In jedem seiner Wagen sitzt dann ein deutschsprachiger Guide. Nutz selbst ist eine Art plauderwandelndes Bali-Lexikon. Und neben ihm auf dem Beifahrersitz zu sitzen eine ausgesprochen angenehme Art, etwas über Insel und Leute zu erfahren.

          Gerys niederösterreichischer Singsang legt sich über den knatternden Käfermotor, während er von Denpasar Richtung Norden steuert. Der Pura Taman Ayun, der „Gartentempel im Wasser“, einer der sechs sogenannten Reichstempel auf Bali, ist die erste Station. 1634 erbaut, liegt die Anlage auf einer Flußinsel. „Das Flußwasser repräsentiert die Meere, der Teil vor dem gespaltenen Tor steht für die Unterwelt, der Teil dahinter für die Menschen und das Tempelinnere für die Götterwelt“, erklärt Gery, der inzwischen selbst zum Hinduismus übergetreten ist.

          „Mach das bloß nicht“

          „Auf Bali gibt es wahrscheinlich mehr Tempel als Behausungen“, erzählt er weiter. „Und wenn man sieht, wie kraftvoll das Spirituelle hier ist, da spürt selbst der Aufgeklärteste, daß da noch ein Mehr ist - wenn man sieht, wie die hier im Tempel in Trance fallen.“ Der Charme dieser Balikunde besteht darin, daß Nutz es gelingt, geballtes Faktenwissen mit Alltagsanekdoten zu mischen. Er kann eine Tempelanlage bis ins Detail erläutern und erzählen, daß Franjipani-Blüten auf Bali auch Wohnungen schmücken, während sie auf Java als reine Friedhofspflanze gelten.

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