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Bahrein : Sie geben Gas, sie wollen Spas

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Heimlicher Hit des Spas: Thailändische Masseurinnen Bild: Banyan Tree

In Bahrein hat ein neues Hotel eröffnet, das viel Raum für Ruhe und Entspannung bietet. Die kleinste Suite misst 400 Quadratmeter. Im hoteleigenen, größten Spa des Mittleren Ostens kann man sich verwöhnen lassen und in einem Eis-Iglu der glühenden Wüstensonne entfliehen.

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          Das Leben in Bahrein ist sehr frei", sagt Ali Dashti. Der junge Mann, der in England studiert hat und nun in seiner Heimat für die Hotelkette "Banynan Tree" arbeitet, hat sich für die Besuchergruppe aus Deutschland einen Kaftan angezogen. Die Kopfbedeckung, bei uns als Palästinensertuch bekannt, sei seine "Krawatte" sagt er, also ein Zeichen formellen Auftretens, und auch der Schottenrock-Frage weicht er nicht aus: Boxershorts im Sommer und lange Hosen im Winter, das trägt der bahreinische Mann unter seiner Dischdascha. Ansonsten spielt Ali in einer Jazzband Gitarre und interessiert sich für Heavy-Metal-Musik. Für beide Richtungen gebe es hier eine lebendige Szene.

          Bahrein ist ein für arabische Verhältnisse freies Land, und das zieht Touristen an. Aber nicht aus Europa, sondern aus Saudi-Arabien, das mit den bahreinischen Inseln über ein 25 Kilometer langes Damm-Brücken-System verbunden ist. An dessen Ende vermeldet ein Schild: "Hier beginnt der Spaß!" Den suchen an hohen Feiertagen bis zu 750.000 Saudis und verwandeln die Insel kurzfristig in eine Provinz mit saudischer Bevölkerungsmehrheit.

          Wie Münster zu New York

          Doch Spaß ist ein relativer Begriff. Die Ausschweifungen auf Bahrein heißen Filmegucken (Kinos sind in Saudi-Arabien verboten), Autofahren (auf der Formel-1-Strecke, die an rennfreien Tagen für das Publikum geöffnet ist) und Einkaufen (was man eigentlich auch zu Hause tun könnte). Während der Deutsche im Urlaub seine Sangria aus Eimern säuft, nippt der Saudi im "Sherlock Holmes" oder "Warblers" an einem Cocktail und freut sich, dass er überhaupt Alkohol bekommt. Dann gibt es in der bahreinischen Hauptstadt Manama noch ein Heimatkundemuseum, eine Moschee mit Fiberglaskuppel und ein altes Fort, will sagen, das kleine Königreich ist ein eher ruhiges Plätzchen am boomenden Golf. Zu Dubai, mit dem es in Deutschland gern verwechselt wird, verhält es sich ungefähr so wie Münster zu New York.

          Auch von außen schön: Das Banyan Tree Al Areen Desert Spa & Resort
          Auch von außen schön: Das Banyan Tree Al Areen Desert Spa & Resort : Bild: Banyan Tree

          Was auf den Inseln folglich fehlt, dachte sich die Hotelkette "Banyan Tree" aus Singapur, sind ein Ultra-Luxusresort und das größte Spa des Mittleren Ostens. Das nimmt 10.000 Quadratmeter ein und ist mit neuester Technik bestückt: lustige Duschen, die zugleich kaltes und heißes Wasser abgeben und dabei farbig leuchten. Duschparcours, die zwecks unterschiedlicher Wasserstrahlrhythmisierung- und -temperierung durchlaufen werden müssen. Dampfbäder mit mystisch leuchtenden Kuppeln und wahrscheinlich der größte Wellness-Knaller östlich von Riad: ein Eis-Iglu für alle, die die Hitze hassen. Und das sind hier buchstäblich alle, denn selbst nachts fallen die Temperaturen nie unter dreißig Grad, jedenfalls im Sommer.

          Der entscheidende Druckpunkt

          Der heimliche Hit des Spas aber sind die Masseurinnen. Die kommen aus Thailand und behandeln - auch Männer. "In unseren asiatischen Resorts", sagt Direktor Sami Ayari, "wollen die arabischen Gäste immer von Frauen massiert werden. Also bringen wir dieses Produkt auch an den Golf." So richtig kommunizieren mag man das nach außen nicht. Schließlich wurde das Resort von einer islamischen Bank finanziert, die auch dafür sorgt, dass im Hotel kein Alkohol ausgeschenkt wird.

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