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Bahamas : Das kurze Glück der Ameisen

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In den Souvenirgeschäften langweilen sich die Verkäufer

Doch auch über das Leben außerhalb der Hotelanlage erfährt man auf Great Exuma das Wesentliche sehr schnell. Die Insel mißt einige Dutzend Kilometer in der Länge, man benötigt also einen Mietwagen. Bei der Übergabe sagt die Angestellte, daß man sich nicht verfahren könne, es gebe nur eine einzige Straße. Sie führt von einer Landspitze zur anderen, nur zwanzig Minuten ist es mit dem Auto nach George Town. Unterwegs sieht man einzelne Häuser, brachliegende Felder, struppiges Gebüsch, aus dem hin und wieder das rostende Wrack eines aufgegebenen Autos ragt. Die Inselhauptstadt besteht aus einer Handvoll von Holzgebäuden, die sich unterhalb der weißgetünchten St. Andrew's Church drängen. Die Kirche wurde 1802 errichtet, die Tür ist verschlossen. Die Steine auf dem Friedhof gleich nebenan sind verwittert oder zerbrochen, die Inschriften kaum noch zu entziffern. Über die Gräber stolzieren Hühner.

In den Souvenirgeschäften im Zentrum langweilen sich die Verkäufer, in der Gemischtwarenhandlung riecht es nach feuchtem Keller. Das Angebot besteht im wesentlichen aus Ausrüstungen für Hochseeangler, stählernen Angelschnüren, Ankern, Blinkern und verschiedenen Ausführungen von Fisch-Filetier-Sets. Dann gibt es noch einen Supermarkt und ein Geschäft mit Stilmöbeln und Dekorationsmaterial. Die Straße zum anderen Inselende führt durch die gleiche Landschaft wie zuvor. Ein Friedhof für Schulbusse präsentiert sich als Attraktion kurz vor der Brücke, die Great Exuma mit Little Exuma verbindet. Auf der Schwesterinsel prangt ein Lastwagen am Straßenrand, mit der Aufschrift "Tropical.com". Ein ungepflasterter Weg führt zu einem Strand mit Ferienhäusern. Es sind aufwendig gestaltete Gebäude mit Säulengängen, verschnörkelten Steinbalustraden und Balkonen mit schmiedeeisernen Gittern. Sie wurden erst unlängst errichtet und sind noch nicht bezogen. Über den Fensterscheiben kleben Plastikfolien. Einige hundert Meter weiter hält eine weiße Gipsmadonna auf ihrem Podest die Hände wie ratlos ausgestreckt. Dem Meer hat sie den Rücken zugewandt.

Der Fisch ist frisch, das Bier eiskalt

In George Town hat an diesem Mittag nur das Two Turtles Restaurant geöffnet. Es gibt keine Speisekarte, die Bedienung empfiehlt Red Snapper mit Reis. Auch das Huhn mit Reis sei gut. Getränke holt man sich von der Bar, einem Holzpavillon vor dem Restaurant. An den Wänden sind Autokennzeichen aus aller Welt befestigt, ein Trikot der peruanischen Fußballnationalmannschaft mit Unterschriften der Spieler und ein rotes T-Shirt von der Luftwaffeneinheit aus Fort Bragg in North Carolina.

Der Fisch ist frisch, das Bier eiskalt. Drei Einheimische stehen an der Bar und trinken wortlos. Die Bedienung hinter dem Tresen starrt auf den kleinen Fernsehschirm unter der Decke. Aus einer amerikanischen Arena wird ein Baseballspiel übertragen.

Auf dem Zementboden vor der fleckigen Hauswand schleppen Ameisen ein Stück Huhn davon. Immer mehr von ihnen krabbeln herbei und reihen sich in die Trägerkolonne ein. Unmittelbar bevor die Prozession die Hausecke erreicht hat, stößt eine Taube herab und schnappt ihnen den Brocken weg.

Anreise: Verbindungen aus Deutschland nach Miami bieten United Airlines (über Washington) ab 600 Euro und Lufthansa nonstop von Frankfurt ab 720 Euro. Von Miami geht es weiter mit American Eagle, Continental Connection und Bahamasair nach Great Exuma. Nonstop fliegt British Airways als einzige europäische Gesellschaft nach Nassau, fünfmal in der Woche von London Heathrow aus. Ab Frankfurt gebucht, kostet der Flug 790 Euro. Bahamasair fliegt von Nassau mehrmals täglich nach Great Exuma.

Auf Great Exuma: Das Four Seasons Resort Great Exuma at Emerald Bay bietet insgesamt 183 Zimmer und Suiten, eine Nacht im Garden View Room für zwei kostet inklusive Frühstück ab 545 Dollar. Ein Mietwagen, über das Hotel gebucht, wird mit 90 Dollar für einen Tag berechnet. Das Hotel vermittelt auch organisierte Ausflüge zu Wasser und zu Land. Informationen im Internet: www.fourseasons.com.

Informationen: Bahamas Tourist Office, c/o Herzog HC Marketing, Friesstraße 3, 60388 Frankfurt, Telefon: 069/9708340, im Internet: www.bahamas.de.

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