https://www.faz.net/-gxh-pyag

Bahamas : Das kurze Glück der Ameisen

  • -Aktualisiert am

Stilbewußt, unverdorben und erreichbar: Nichts an diesem Werbeslogan ist wirklich falsch - es ist allenfalls eine Frage der Perspektive. Das Hotel der kanadischen Four Seasons-Kette wurde im Herbst 2003 eröffnet, es sieht immer noch aus, wie gerade erst errichtet. Man bewegt sich als Gast wie durch eine Ausstellung, sorgsam bedacht, nichts anzufassen. Die Villen am Strand leuchten hellblau, die Gebäude im Rücken der Anlage ockergelb. Dazwischen spannt sich ein arrangierter Landschaftsgarten mit Blumenrabatten, kleinen Bäumen, die nicht aussehen, als würden sie jemals wachsen dürfen, und akkurat kupiertem Rasen. Am Swimming-pool stehen schattenspendende Zelte, die Stoffbahnen blähen sich in der Brise, die ständig weht. Das ist die einzige Bewegung in der Anlage.

Eine Art Las Vegas im Wasser

In weitem Halbkreis führt der Strand um die Emerald-Bucht, die zum Schauplatz eines touristischen Erschließungsunternehmens geworden ist. Mit Great Exuma ist damit erstmals eines der sogenannten Family oder Out Islands erreicht: die zweite Reihe der Bahamas. Der Tourismus im großen amerikanischen Stil, das Rund-um-die-Uhr-Erlebnis aus Glücksspiel, Sport, Spaß und Sonnenbrand war zunächst auf New Providence Island und die Hauptstadt Nassau begrenzt sowie einige Inseln im Norden der Bahamas. Paradise Island, mit Nassau durch eine Betonbrücke verbunden, hat sich binnen weniger Jahrzehnte in eine Art Las Vegas im Wasser verwandelt, mit dem Atlantis Resort als Mittelpunkt. Die größte Ferienanlage der Welt mit derzeit zweitausendvierhundert Zimmern soll bis Ende des nächsten Jahres um die Hälfte vergrößert werden. Dann sollen dort mindestens achttausend Einheimische Arbeit finden, heißt es. Die Bahamas haben den höchsten Lebensstandard in der Karibik, doch Arbeitslosigkeit ist vor allem auf den Out Islands weit verbreitet. Wer keine Anstellung im Tourismus findet, hat kaum andere Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

So erscheint das Bemühen des Staats verständlich, die Weltabgeschiedenheit dieser Inseln zu beenden. Es ist den Menschen dort schwer zu vermitteln, daß sie in jenem längst nicht mehr rousseauschen Naturfrieden verharren sollen, der heute doch allenfalls eine Konsequenz banaler Armut ist, während auf dem Teil der Bahamas, der für die Moderne erschlossen ist, die Einwohner von der amerikanischen Zivilisation profitieren.

„Coming soon“: Marina mit eigenem Feriendorf

Dennoch wirkt es wie eine eigenartige Ironie, daß gerade die Unverbrauchtheit der Insel heute als Hauptargument für die Erschließung Great Exumas dient. Dafür steht das Unternehmen Emerald Bay Resort mit finanzieller Ausstattung aus den Vereinigten Staaten und dem Staat als "Arbeitspartner", der, wie es aus dem Unternehmen heißt, das Ziel verfolge, "das erste große Luxusresort auf einem Out Island erfolgreich zu etablieren".

Weitere Themen

Topmeldungen

Unterschiedliche Sicht: Prinz Harry (links) und Prinz William am 1. Juli bei der Enthüllung eines Denkmals zu Ehren ihrer Mutter, Prinzessin Diana, in London

Prinz Harrys Autobiographie : Die nächste Spitze

20 Millionen Dollar soll Prinz Harry für ein Buch angeboten bekommen haben. Die Ankündigung einer „intimen und tief gefühlten“ Autobiografie weckt Befürchtungen über neuen Zwist in der Königsfamilie.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.