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Australien : Hundert scharfe Currys zum Sonnenuntergang

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Der Mindil Beach Sunset Market in Darwin an der australischen Nordküste ist ein kulinarisches Volksfest unter Palmen, Eukalyptus- und Gummibäumen. Es ist die bunteste Gourmet-Meile des fünften Kontinents.

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          Australiens Outback gilt nicht zu Unrecht als kulinarische Einöde. Doch jede Wüste hat ihre Oasen, und nach zwei- oder dreitausend Kilometer Fahrt durch das endlos erscheinende Northern Territory kommt der darbende Reisende schließlich in Darwin an. Wer es klug eingerichtet hat, erreicht die Hauptstadt des tropischen australischen Nordens an einem Sonntag oder Donnerstag. Denn dann findet dort gegen Abend am Mindil Beach der Sunset Market statt, ein kulinarisches Volksfest unter Palmen, Eukalyptus- und Gummibäumen. Es ist die bunteste Gourmet-Meile des fünften Kontinents.

          Nach den kulinarischen Entbehrungen einer Reise durchs ausgedorrte Hinterland könnte man schon am ersten Stand steckenbleiben, einer Austern-Bar, in der die Schalentiere nach frischem Meerwasser duften und auf thailändische Art mit Limetten, Chili und Koriander oder auf japanische Art mit Ingwer und Sojasoße serviert werden. Doch von nebenan weht schon eine verführerische Mixtur aus anderen exotischen Gerüchen herüber und lockt zu einem Bummel von Stand zu Stand, von Bude zu Bude. Hundert scharfe Currys aus den Küchen Indiens, Sri Lankas und Indonesiens stehen dort zur Auswahl, chinesische, vietnamesische und japanische Suppen, Fleischspieße aus Thailand und den Philippinen, Reisgerichte aus Kambodscha und dem nahe gelegenen Timor. Keine Variante der Kochkunst Südostasiens scheint hier zu fehlen. Doch damit nicht genug: An den mehr als sechzig Verkaufsständen bekommt man auch Fisch und Meeresfrüchte in ungezählten Variationen, Säfte und Eiskrems aus tropischen Früchten, Pizza aus dem Steinofen, griechisches Gyros, mexikanische Tortillas oder schlichte Hot dogs mit Senf. Einer der Köche setzt auf deftige heimische Kost und bietet Aussie-Burger, Krokodilspießchen, Känguruhschenkel, Emufleisch und Kamelwurst. Im Vergleich dazu erscheinen die holländischen Poffertjes, die der Standnachbar offeriert, für diese Weltgegend geradezu extravagant.

          Picknick am Strand

          Der Sunset Market besteht erst seit 1987, doch bei den Einheimischen besitzt er längst Kultstatus. Rund hunderttausend Einwohner zählt Darwin, Immigranten aus mehr als fünfzig Ländern sind darunter, und deshalb sind Hautfarben, Sprachen und Nationalitäten der Besucher am Mindil Beach so bunt wie das gastronomische Angebot. Manche essen ihre Mahlzeit im Stehen direkt aus der Hand, andere sitzen im Gras unter den Bäumen oder lassen sich am Strand nieder. Die Stammgäste bringen sogar Tische und Stühle mit und veranstalten hier ihr ausgiebiges wöchentliches Picknick.

          Das kulinarische Erlebnis erweist sich wenig später allerdings lediglich als leckere Dekoration für eine Delikatesse, die in Darwin allabendlich von der Natur serviert wird: der tropische Sonnenuntergang über der Arafura-See. Kurz bevor die Sonne im Meer versinkt, wird der Strand von Mindil Beach deshalb zum riesigen Freilichttheater. Einige Schaulustige stehen direkt vorne am Meeressaum, wo die Wellen plätschern, doch die meisten sitzen im Sand und in den Dünen, verzehren die Reste ihrer Mahlzeit und starren gebannt auf die knallbunte Sonnenshow, die jetzt vor ihnen abläuft. Die Sonnenuntergänge von Darwin sind zu Recht legendär, denn die effektvollen Variationen von Gelb, Orange und Rot werden intensiviert und aufgefächert durch den Rauch der - kontrollierten - Buschfeuer, die während der Trockenzeit von Aborigines und Rangern im Hinterland entfacht werden, um einen verheerenden Flächenbrand zu vermeiden.

          Tropisches Spektakel

          Nachdem der Farbrausch in einem orangeroten Höhepunkt explodiert ist, setzen die Einheimischen ihren kulinarischen Erkundungsbummel über den Markt fort, denn es wird Zeit für ein Dessert. Der Besucher aus gemäßigten Breiten freilich, der dieses tropische Spektakel zum ersten Mal erlebt, bleibt gebannt sitzen, um auch die letzten, langsam verblassenden Farbenspiele der untergegangenen Sonne nicht zu verpassen. Poffertjes und Mangoeiskrem gibt es nachher auch noch im Dunkeln.

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