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Fehmarn: Auf Kirchners Spuren : Schleichweg zum Idyll

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Ernst Ludwig Kirchner hat sein irdisches Ostseeparadies nie wiedergesehen. Aber jeder kann es heute noch für sich entdecken. Bild: Picture-Alliance

Auf der Ostseeinsel Fehmarn fand Ernst Ludwig Kirchner vier Sommer lang sein „irdisches Paradies“. Und man findet es noch heute.

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          Der Kontinent endet an einem Kleiderbügel. So nennen die Insulaner die grazile Brücke über den Fehmarnsund ihrer Form wegen. Die Querung über das Wasser ist gerade knapp einen Kilometer lang. Dennoch sprechen die Fehmarner von „Europa“, wenn sie das Festland meinen. Will heißen: Eine Insel bleibt immer eine Welt für sich.

          Als Ernst Ludwig Kirchner 1908 zum ersten Mal nach Fehmarn reist, gibt es die Brücke über den Sund noch nicht. Wohl aber eine andere Verbindung, nämlich die von Kirchner und Kollegen gegründete avantgardistische Künstlergruppe „Die Brücke“, die als Wegbereiter des Expressionismus gilt. Kirchner, in Aschaffenburg geboren, in Chemnitz aufgewachsen, lebte damals in Dresden, später in Berlin. „Alle vier Brücke-Maler zog es in die Großstadt, aber es zog sie auch ans Meer“, lässt der 1992 gegründete Ernst Ludwig Kirchner Verein Fehmarn die kulturinteressierten Gäste wissen. Jeden Sommer richten die rührigen Mitglieder eine Kunstausstellung aus. Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen gelang es, für diesen Sommer fünfzig Kirchner-Zeichnungen auf die Insel zu holen, davon dreizehn Blätter mit Motiven, die dort entstanden.

          Nach Fehmarn kommt Kirchner jedenfalls per Schiff und im Gefolge der Geschwister Emmy und Hans Frisch. Die Freunde haben ihn zum Mitkommen überredet. Emmy wird später Kirchners Malerkollegen Schmidt-Rottluff heiraten, der auch als Namensgeber der Künstlervereinigung „Die Brücke“ gilt. Die Welt ist klein, nicht nur auf einer Insel.

          „NRW da“ und „NRW noch nicht oder nicht mehr da“

          Kirchner malt Emmy als „Frau im weißen Kleid“, malt „Häuser auf Fehmarn“, fast noch mit impressionistischer Anmutung. Vor allem aber zeichnet er: Bauernhäuser, Küstenstriche, die Kirche im Städtchen Burg. „Ich muss zeichnen bis zur Raserei . . . Die Technik ist zu schön“, begeistert er sich. Man wohnt am Rand von Burg, im Giebelzimmer der heute noch bestens erhaltenen „Villa Port Arthur“. Eine günstig gelegene Adresse: Die kleine Stadt als Inselzentrum war in Laufnähe, der Hafen Burgstaaken und die Südküste sowie der Burger Binnensee nicht weit. Motive überall.

          Im Jahr 1912 kehrt Kirchner auf die Insel zurück. Diesmal reist er nur mit seiner Gefährtin Erna Schilling, einer „kleinen Tänzerin“, die er in einem Berliner Lokal als Modell aufgegabelt hatte. Für den Rest seines Lebens wird sie bei ihm bleiben, auch ohne Trauschein später nur noch „Frau Kirchner“ genannt. „Freundl. Grüße aus Fehmarn, wo ich . . . alles unverändert finde ohne Badegäste“, lässt der Maler auf einer Postkarte wissen.

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