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Welterfolg des Jumbojets : Legende mit Buckel

  • -Aktualisiert am

Pan Am und TWA starteten mit ihren frühen Boeing 747 das Jumbo-Zeitalter Bild: Boeing/Archiv Spaeth

Vor 50 Jahren stellte Pan Am die erste Boeing 747 in Dienst. Es wurde ein Welterfolg. Erst der Jumbojet ermöglichte vielen Menschen das Fliegen. Fast sechs Milliarden Menschen sind inzwischen mit der 747 abgehoben.

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          Es war der 21. Januar 1970, als PanAm, damals die weltweit führende Fluggesellschaft (sie ging 1991 pleite), den glanzvollen Premierenflug der Boeing 747 durchführen wollte. Der riesige Vierstrahler mit dem charakteristischen Buckel sollte von New York nach London fliegen. Er war damals das größte je gebaute Passagierflugzeug. Einen solchen Quantensprung hat es in der zivilen Luftfahrt weder vorher noch nachher gegeben: Die Boeing 747 war zweieinhalbmal größer als ihr Vorgängermodell, die Boeing 707. Nicht weniger als 9000 Interessenten hatten sich für den ersten Flug registrieren lassen, gerade mal 362 Sitze bot die Pan Am-Kabine in der 747. Die Tickets kosteten 210 Dollar in der Economy und 375 Dollar in der First-Class die einfache Strecke, was heute 2400 Dollar für ein One-Way-Ticket in der First entspricht.

          Aber nichts lief wie geplant an diesem 21. Januar: Erst machten eine Frachtraum- und dann eine Kabinentür Probleme, und noch vor dem Start überhitzte sich eines der damals sehr anfälligen Triebwerke und musste abgestellt werden. Der epochale Erstflug PA2 rollte wieder ans Gate zurück, alle mussten aussteigen.

          Glücklicherweise stand eine Ersatzmaschine bereit, die zweite 747 war erst am Vortag geliefert worden. Während die Passagiere per Bus in Restaurants gekarrt und verköstigt wurden, malte man schnell den Namen „Clipper Young America“ auch auf das Ersatzflugzeug. Mit fast sieben Stunden Verspätung begann dann in den frühen Morgenstunden des 22. Januar 1970 tatsächlich die Ära der Jumbojets. Der „Spiegel“-Reporter an Bord fasste es so zusammen: „Noch nie sind so viele Menschen zusammen so schnell über den Atlantik geflogen und waren dabei so lange unterwegs.“ Schon im April 1970 begann auch die Lufthansa mit Jumboflügen, wie fast alle anderen 747-Betreiber auf der Strecke nach New York.

           Es war einmal: Der eine schläft, der andere zündet sich eine an..

          Entstanden ist die Boeing 747 vor allem aus der kongenialen Partnerschaft zweier Männer, die sich kurz vor ihrer Pensionierung ein Denkmal schaffen wollten: Pan Am-Gründer Juan Trippe und Boeing-Chef William „Bill“ Allen. Umsetzen musste das Ganze Chefingenieur Joe Sutter mit seinem Team, das später nur „The Incredibles“, die Unglaublichen, genannt wurde. Vor allem weil es unter unfassbarem Zeitdruck Unglaubliches leistete. „Wir mussten diesen riesigen neuen Jet so schnell liefern, dass seine Designphase kürzer als die fast jedes anderen Jetliners vorher oder nachher war“, sagte Sutter. Gerade einmal drei Jahre vergingen von den ersten Plänen bis zum ersten Abheben.

          Zunächst war die 747, die fast 500 Passagiere transportieren konnte, aber schlicht zu groß für den Markt. Zumal zu jener Zeit eine Rezession einsetzte, die die Nachfrage dämpfte – exakt als das Angebot an Sitzen durch die 747 massiv anstieg. Damals wurden die Flugpreise noch staatlich festgelegt, deshalb versuchten die Airlines mit allerhand Verrücktheiten an Bord, Passagiere zu gewinnen. Selbst in der Economy-Class gab es hinten im Heck der Jumbos großzügige Lounges in den grellen Farben der siebziger Jahre, American Airlines installierte sogar leichte Wurlitzer-Pianos zur Unterhaltung der Fluggäste. Anders hätte man die riesigen Metallröhren anfangs nicht füllen können.

          Erster Jumbo-Jet der Lufthansa, im April 1970.

          Es war die Zeit des Aufbruchs, gleich zwei neue Flugzeuge sorgten für Aufsehen: Der Jumbojet und das Überschallflugzeug Concorde, die beide 1969 zum ersten Mal abgehoben waren. Damals glaubte jeder, dass innerhalb weniger Jahre alle Langstreckenpassagiere nur noch per Überschalljet reisen und die 747 lediglich ein Übergangsflugzeug sei, mit dem später nur noch Fracht befördert würde. Deshalb bekam der Jumbojet sein obenliegendes Cockpit und den berühmten Buckel – damit unten dank einer Klappnase ungehindert Fracht eingeladen werden konnte.

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