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Baukasten-Reiseanbieter : Gegessen wird natürlich mit der Hand

Schwierig, Partner zu finden, die die Absichten verstehen

Denkt euch was aus, sollen Johannes van Stephaudt und Mark Lindner den beiden neuen Geschäftsführern gesagt haben. Obwohl gerade erst Mitte fünfzig, graute ihnen vor der Vorstellung, eines Tages als graue Eminenzen über den Korridor zu laufen. Unter einer Bedingung gaben sie die Führung aus der Hand: dass das Konzept erhalten bleibe. Dazu gehört an oberster Stelle der Anspruch, sozial und ökologisch verantwortlich zu handeln, was sie in ihrem vor zwei Jahren gegründeten Tochterunternehmen Fairaway Travel zu perfektionieren versuchen. „Öko“, sagen die beiden, dürfe nicht zum Aushängeschild werden, sondern müsse eine Selbstverständlichkeit sein. Und weil man bei Fernreisen schwerlich aufs Fliegen verzichten könne, unterstützen sie als Ausgleich für den CO2-Ausstoß Umweltprojekte in Brasilien, Vietnam und Indien.

Alles gesehen: Die Angestellten von Erlebe-Fernreisen schmücken eine Wand mit ihren Lieblingsorten.

Nun ist Erlebe-Fernreisen in die Innenstadt von Krefeld gezogen und hat sich in mehreren Stockwerken eines früheren Möbelhauses eingerichtet. Nein, sagt Ralf Wiemann, man habe keinen amerikanischen Innenarchitekten zu Rate gezogen – aber die Bilder der neuen Google-Zentrale bei Palo Alto in Kalifornien habe man sich sehr genau angeschaut. So führt der Weg zum gläsernen Konferenzraum an einer Tischtennisplatte und Yoga-Matten vorbei, an einem Ruheraum, an Sitzecken mit antik aussehenden Möbeln und an einer modernen Küche samt langem Esstisch, an dem die Angestellten in drei Schichten Mittag machen. In einem Kabuff kann man Tischkickern. In den Fluren hängen Grafiken und Organigramme, die im Laufe eines Wochenendseminars erarbeitet wurden. Und auf dem Tisch in dem kleinen Versammlungsraum regt ein Schild an: „Probiert mal ein Meeting im Stehen.“ Daneben eine Stoppuhr. Gemütlichkeit und Effizienz, so denkt man hier, schließen einander keineswegs aus.

Wie es weitergehen soll, haben Stefanie Härpfer und Ralf Wiemann in einem Fünfjahresplan zusammengefasst. Weit oben auf der Liste stehen die Ziele, die Markenbotschaft zu verstärken, die Begegnungen in der Fremde noch weiter zu intensivieren, das Produkt Familienreisen auszubauen und die Zahl der Kunden von jetzt gut fünfzehntausend auf zwanzigtausend im Jahr zu erhöhen, weshalb neuerdings auch mit Reisebüros zusammengearbeitet wird. Daran, das Portfolio von knapp fünfzig Destinationen um neue Reiseziele zu erweitern, ist hingegen nicht gedacht. Es sei schwierig, Partner zu finden, die ihre Absichten verstünden, sagen sie, in Japan habe man dafür ein ganzes Jahr gebraucht. Lieber sucht man deshalb in Ländern, mit denen man schon lange zusammenarbeitet, nach neuen Ferienmöglichkeiten. So unterstützt Erlebe-Fernreisen momentan ein Dorf in Costa Rica beim Bau eines Hotels, das den Bewohnern gehören wird.

Vorgekommen ist es hingegen, dass Länder aus dem Programm genommen wurden, etwa die Türkei. Aus touristischer Sicht sei das Land für ihr Konzept geradezu ideal gewesen, aber aus politischen Gründen, hatten schon Johannes van Stephaudt und Mark Lindner entschieden, sei es nicht mehr zu verantworten gewesen, Urlauber dorthin zu schicken.

Do It Yourself

Information auf der Hompage www-erlebe-fernreisen.de oder telefonisch unter: 0 21 51/3 88 05 00.

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