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Erfurt : Von stinkreichen Braumeistern und Waidhändlern

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Eigentlich will man gar nicht wissen, wie die Erfurter früher die Blaufärbepflanze Waid verarbeitet haben. Aber Traditionen wie diese sind namengebend für Ausdrücke wie „stinkreich“ und „blau machen“.

          Erfurt ist beim Sprücheklopfen groß. Stadtführer Hans-Peter Ahr hat seine Tour darauf aufgebaut: "Wissen Sie, warum man sagt 'stinkreich'?". Allgemeines Schulterzucken. "Weil die Erfurter ihr vieles Geld vor allem durch Waid verdient haben. Diese Blaufärbepflanze zu verarbeiten, bedurfte es allerdings größerer Mengen männlichen Urins, also wurden an den Ausgängen der Wirtshäuser Fässer aufgestellt..." Alles klar. Auch warum es heißt, einer sei "blau". Der hat sich nämlich besonders für die Farb-Produktion engagiert. Deshalb wohl betätigten sich die Waid-Händler wohl auch so gern als Braumeister.

          Dass die Erfurter stinkreich waren, das sieht man der Stadt noch heute an. Große Gebäude und winzige Studentenbuden, die sogenannten Bursen, deuten auf die Blütezeit der 1392 gegründeten Universität hin, der fünftältesten in Deutschland. Über 50 Kirchtürme ragen in den Himmel. 142 Brücken und Stege führen über die Flüsschen, die berühmteste davon die Krämerbrücke.

          Erfurt feiert nicht einen Tag, sondern eine ganze Woche

          Zwar wurden durch Stadtbrände und vor allem die Kämpfe gegen Napoleon viele mittelalterliche Gebäude vernichtet. Echtes Mittelalter gibt es aber nach wie vor in Hülle und Fülle. Und was hier wie Renaissance aussieht, ist auch wirklich Renaissance. So feiert Erfurt nicht nur wie überall in Europa im September einen "Tag des offnen Denkmals", sondern eine ganze Woche lang.

          "Wissen Sie, woher das Wort 'türmen' stammt?", unterbricht der Stadtführer seine Erzählungen wieder durch eine Frage. Abermals Schweigen und Gelegenheit für eine neue Geschichte, eine vom Stadtbrand des Jahres 1472. "Hier sehen Sie einen steinernen Wohnturm - und wenn die Bewohner ihre brennenden Holzhäuser nicht mehr retten konnten, blieb ihnen nichts anderes übrig als zu türmen."

          Kurve kratzen? Eine Vorstufe der Formel 1

          Weiter geht die Tour, vorbei an rennenden Freisitz-Kellnern und buddelnden Archäologen, über weite Plätze und winzige Höfe, durch Kirchen und Gassen und Portale ...

          „Wissen Sie, warum es heißt 'die Kurve kratzen?'" Der Stadtführer zeigt auf einen völlig zerschrammten Stein. Ein paar genauerer Erklärungen bedarf es, bis alle genau verstanden haben, wie solch ein Prellstein an der Ecke eines Hauses von den Fuhrleuten ganz gezielt benutzt wird, um mit dem beladenen Fuhrwerk in den engen Straßen um die Kurve zu kommen.

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