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Elektronische Flugtickets : E-Tickets verdrängen gedruckte Flugscheine

  • -Aktualisiert am

In Zukunft reicht eine Buchungsnummer oder die Kreditkarte zum Fliegen. Der Vorteil für die Kunden: Das elektronische Ticket kann nicht gestohlen oder vergessen werden und Wartezeiten beim Check-in lassen sich vermeiden.

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          Drei Herren im dunklen Anzug stehen mit ihren Aktenkoffern zwischen den Beinen und der Tageszeitung unter dem Arm vor einem Automaten. Es ist kein Zigarettenautomat, sondern einer der Check-in Automaten die weltweit die Flughafenhallen erobert haben. Nachdem der Automat mittels Kunden- oder Kreditkarte den passenden Flug gefunden hat, wählen sie den Sitzplatz. Kurz darauf spuckt der Check-in Automat die Bordkarte aus.

          Die Vorteile der elektronischen Tickets liegen auf der Hand: Tickets können nicht mehr verloren gehen, das bisher übliche Anstehen am Airline-Schalter entfällt ebenso wie die bange Frage, ob das Reisebüro den Flugschein noch rechtzeitig zustellen kann. Heute genügt ein Handgriff zum Telefonhörer oder wenige Mausklicks im Internet, um sich ein elektronisches Ticket, die Grundvoraussetzung für den Automaten-Check-in, zu reservieren. Und für den Fall, dass man den ursprünglichen gebuchten Flug nicht antreten kann, nimmt man die Änderung der Daten einfach selbst vor. So entfällt das zeitraubende Umschreiben des Tickets durch einen Airline-Angestellten.

          Meilen als Köder

          Beliebter Köder, die Kunden an das E-Ticket zu gewöhnen, sind zusätzliche Meilenprämien. So honoriert die Lufthansa die Bu-chung eines Tickets über ihre Internetseite InfoFlyway mit Zusatzmeilen für alle Mitglieder ihres Bonusprogrammes Miles & More. Einen Preisnachlass von zehn Mark für die Business Class und die flexiblen Economy-Class-Tarife gibt es obendrein.

          Im direkten Vergleich mit ihrer Konkurrenz zeigt sich Lufthansa jedoch ziemlich geizig. Swissair, Sabena, Crossair, Tap Air Portugal und Air Liberté (alle Qua-liflyer Group) schreiben dem Kunden pro Stre-cke 500 Meilen gut. Wer den Check-in selbst vornimmt, der erhält einen weiteren Bonus von 500 Meilen pro Flugstrecke. Ähnlich gehen Deutsche BA und British Airways vor. Sie schreiben ihren Kunden je nach Häufigkeit bis zu 4.000 Meilen für das eigene Einchecken gut. Doch damit nicht genug. Sogenannte „Web Specials“ mit Last-Minute-Preisen, die wöchentlich aktualisiert werden, basieren ebenfalls auf dem elektronischen Ticket. Swissair bietet sie bereits auf dem heimischen Markt an, demnächst sollen sie für ganz Europa folgen. Ähnliche Angebote lassen sich auch bei Lufthansa und US Airways finden.

          Erfolg der papierlosen Tickets

          Doch die neue Technik hat auch ihre Schattenseiten. Als die Lufthansa 1996 probeweise Etix - so die Bezeichnung der Lufthanseaten für den papierlosen Flugschein - einführte, konnte niemand den Erfolg voraussehen. Mittlerweile reisen zwar bei der Fluglinie mit dem Kranich-Symbol über 50 Prozent der innerdeutschen Passagiere mit Etix. Allein 160 Destinationen in 40 Länder können im Rahmen der Star Alliance (u.a. SAS, Austrian Airlines Group) mittels Etix bereist werden. Doch noch immer gibt es viele weiße Flecken im Streckennetz.

          Ähnlich verhält es sich bei den konkurrierenden Allianzen Oneworld (u.a. British Airways, American Airline, Qantas) oder The Qualiflyer Group (u.a. Swissair, Sabena). Auch hier kann papierlos geflogen werden. Doch die neue Technik kennt auch ihre Grenzen und kann nur auf ausgewählten Routen in bestimmten Ländern genutzt werden. Zudem suggeriert das elektronische Ticket mehr Flexibilität, doch in puncto Buchungsrichtlinien ist zum Beispiel das Etix der Lufthansa mit den Papier-Tickets weitestgehend identisch. Zudem kann eine Kreditkarte oder eine Miles&More-Karte ebenso wie ein Papierticket verloren gehen. Auch hier schlägt dann der Verwaltungsteufel zu. Ist ein E-Ticket unter einer gesperrten Karte reserviert worden, muss umständlich ein neues Ticket am Lufthansaschalter gekauft werden. Bei einem Internationalen Flug geht dies sogar nur gegen eine Gebühr.

          Einfache Handhabung und schnellerer Service

          Dass der Siegeszug des elektronischen Tickets dennoch unvermindert anhält, dafür sorgt nicht nur die einfache Handhabung und der schnellere Service. Vielmehr heizen die Fluggesellschaften den Bedarf bewußt an. Können sie durch die neue Techniken doch erhebliche Einsparpotentiale aktivieren. Der Abbau von Bodenpersonal ist hier langfristig das Ziel. Der anhaltende Druck auf die Luftfahrtgesellschaften zu weiteren Kostensenkungen wird auch in Zukunft für den Einsatz neuester Technologien sorgen, die zudem immer ausgefeiltere Service-Produkte ermöglichen. Jüngstes Beispiel hierfür ist der WAP Check-in via Handy, der absolute Renner unter Vielfliegern. Denn mit dem mobilen Telefon kann man die Eincheck-Formalitäten schon bequem auf dem Weg zum Flughafen, etwa im Taxi, erledigen.

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