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Eindhoven : Es werde Licht!

  • -Aktualisiert am

Das Evoluon, ein Betonufo aus dem Jahr 1966. Bild: Picture-Alliance

Mit einer Glühbirne begann einst der Aufstieg Eindhovens zur Hightech- und Kreativstadt. Nun trotzt sie mit ihrem unerschütterlichen Innovationsgeist der Corona-Krise.

          7 Min.

          Akkumulatoren, Chemikalien, Glaskolben, Messgeräte mit eisernen Zeigern füllen die backsteinerne, schummrig erleuchtete Werkstatt. Auf dem groben hölzernen Arbeitstisch liegen Rollen mit Kohlefäden und Miniaturschraubenzieher. Hier sieht es aus wie in Doktor Frankensteins Labor, doch wir stehen im Philips-Museum der niederländischen Stadt Eindhoven, in dem die Tüftlerstube von Gerard Philips nachgebaut worden ist. Im Jahr 1891 entwickelte er eine auf dem Prinzip magnetischer Induktion basierende Glühbirne, die Licht in Abermillionen von Haushalten auf der ganzen Welt und sogar in den Zarenpalast brachte. Wie ein Kronjuwel wird hinter Panzerglas ein Originalexemplar dieses Leuchtkörpers aus Pioniertagen aufbewahrt. Die neuartige Glühbirne mit einer damals sensationellen Leuchtdauer von sechzigtausend Stunden machte aus dem kleinen Familienunternehmen namens N.V. Philips Gloeilampenfabrieken, dessen erster Sitz eine alte Weberei war, einen Weltkonzern.

          Eine bunte Galerie von Exponaten veranschaulicht die Erfolgsgeschichte von Philips: Radios, Plattenspieler, Röntgengeräte, Trockenrasierer, Faxgeräte, Fernsehkameras und Toaster. Den Vibrator, mit dem Philips 2009 floppte, zeigt man lieber nicht im Museum. Stolz werden hingegen Erfindungen ausgestellt, die Geschichte schrieben. Zu sehen ist der Kurzwellensender, über den am 1. Juni 1927 die Stimme von Königin Wilhelmina erstmals live in den niederländischen Kolonien in Südostasien zu hören war. Ein weißer Handschuh ist mit Glühbirnchen bestickt, die wie Diamanten funkeln – das glitzernde Requisit wurde auf Wunsch von Michael Jackson speziell für dessen Moonwalk-Tanzperformance angefertigt.

          Groß genug für Beethoven und Heineken

          Überhaupt hat Philips Pop- und Rockgeschichte geschrieben. In einer schlaflosen, höchstwahrscheinlich durchkifften Nacht nahm Keith Richards 1965 mit einem Philips-Kassettenrekorder die ersten Takte der Stones-Hymne „Satisfaction“ auf. Philips gründete legendäre Labels, die Donna Summer, Roger Daltrey, Genesis, die Bee Gees oder die Dire Straits lancierten. Revolutionär war die Umstellung von der Vinylplatte auf die CD, die Philips im Schulterschluss mit Sony von 1982 an in Serie herstellte. Gern erzählt man im Philips-Museum, dass der Zwölf-Zentimeter-Durchmesser der schillernden Scheiben dem Format eines Heineken-Bierdeckels angepasst war, die japanischen Partner aber auf einer anderen Version beharrten: Sony-Manager Norio Ohga soll verlangt haben, dass Beethovens neunte Sinfonie komplett auf eine CD-Seite passen müsse.

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