https://www.faz.net/-gxh-72sj7

Elektrisch unterwegs : Viel Watt und wenig Muskelkraft

  • -Aktualisiert am

Bergauf kommt man mit dem E-Bike immer - aber auch sicher wieder herunter? Bild: Archiv

E-Bikes ermöglichen auch untrainierten Radlern alpine Ausflüge, und Almen werden zu Hightech-Ladestationen. Das Radfahren in den Bergen steht vor einem massiven Umbruch.

          Während das urbane Leben von Innovationen und Effizienz getrieben ist, kann sich der geplagte Mensch darauf verlassen, dass wenigstens in den Bergen die Dinge so sind, wie sie schon immer waren. Die Häuser sehen seit Generationen gleich aus, in den Lokalen pflegt man eine Bauernstubenromantik, die es sonst nur in Heimatfilmen gibt, und auf den Tisch kommen Speckknödel und Schweinshaxen.

          Derzeit häufen sich jedoch die Indizien, dass auch auf Almen und Gipfeln technische Neuerungen Einzug halten. Wanderer und Mountainbiker haben neuerdings Begegnungen, die ausgesprochen gewöhnungsbedürftig sind. Eine Bikerin kämpfte sich gerade im Tiroler Windautal, einem unscheinbaren Seitental zwischen Wörgl und Kitzbühel, mit ihrem Mountainbike bergauf. An einem kurzen, etwas steileren Anstieg wurde sie von einem hochgewachsenen weißhaarigen Herrn überholt - und zwar mit einem solchen Geschwindigkeitsüberschuss, dass die junge Frau nur noch den Kopf schütteln konnte, während der Radler mit guten zwanzig Kilometern pro Stunde hinter der nächsten Kehre verschwand.

          Auf der Hütte gibts Brettljause und Tauschakku

          Oben bei der Gamskogelhütte kennt man solche Episoden zur Genüge. „Am Wochenende sind hier so viele Biker unterwegs, dass du mit dem Auto schon gar nicht mehr durchkommst“, sagt Kellnerin Renate mit kernigem Tiroler Dialekt. Seit letztem Jahr kämen immer mehr mit den elektrisch angetriebenen Mountainbikes, und das seien vornehmlich ältere Radler. Auf der Hütte finden die E-Biker alles, was sie brauchen. Neben der Brettljause gibt es eine Ladestation und Tauschakkus fürs Pedelec.

          In den Kitzbüheler Alpen hat man die große E-Mountainbike-Offensive gestartet und schmückt sich mit dem Titel der größten zusammenhängenden E-Bike-Region der Welt mit 275 Elektrofahrrädern und 75 Verleih- und Akkuwechselstationen. Im benachbarten Hochköniggebiet wurde in diesem Sommer eine weitere Innovation präsentiert. Dort fand man eine Lösung für das Problem der unterschiedlichen Systeme der Ladestationen und installierte ein System, mit dem alle marktüblichen E-Bikes aufgeladen werden können. Dass solche Pionierleistungen nicht ganz unwichtig sind, versteht man als E-Bike-Neuling spätestens dann, wenn man einmal mit leerem Akku ein fünfundzwanzig Kilogramm schweres Rad bergauf wuchten musste.

          Mit dem E-Bike über die Alpen

          Innerhalb weniger Jahre hat sich das Bad Reichenhaller Unternehmen Movelo zu Europas größtem Anbieter von touristischer Elektromobilität entwickelt. Movelo unterhält fünftausend Räder und tausendfünfhundert Verleihstationen in achtzig Regionen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Belgien. Bei Movelo registriert man auch eine stark wachsende Nachfrage nach alpinen Ausflügen. Vor allem in Österreich und dem südbayerischen Raum wollen immer mehr Urlauber mit elektrischer Unterstützung bergauf radeln. Aber es gibt bei Movelo auch eine wachsende Zahl von Gästen aus dem norddeutschen Raum, die alternative Ausflugsmöglichkeiten suchen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mini Cooper SE : Minimaler Stromschlag

          Mini schickt sich an, ein vollelektrisches Modell auf den Markt zu bringen. 200 Kilometer Reichweite für 32.500 Euro – da darf man maximal gespannt sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.