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Urlaubsparadies El Gouna : Die beinahe perfekte Illusion

Echt oder aus dem Miniatur-Wunderland? El Gouna von oben Bild: Orascom

Vor 30 Jahren entstand am Roten Meer der bis ins letzte Detail durchgeplante Touristenort El Gouna. Er gilt als sicherster Ort Ägyptens. Warum kämpft er dennoch um jeden Gast?

          7 Min.

          Das Erste, was die Gäste im weißen Shuttlebus zu sehen bekommen, sind die Straßensperren am Flughafen. Die Kontrollposten mit den schmalen Hütten und Holztischen zwischen Palmenstämmen am Ortseingang, Militärs in schwarzen Schutzwesten unter der gleißenden Sonne, Polizeikolonnen. Die immerzu piependen Sicherheitsschleusen.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Erst dann sehen sie den in sanften Schleifen in den Ort plazierten Kanal, den die Bewohner Lagune nennen. Die von Designern entworfenen Gärten mit Bewässerungssystemen aus Adern auf gemähtem Rasen. Polierte Fahrzeuge in Einfahrten vor roten und gelben Sandsteinvillen im nubischen Stil. Kein Stein, kein weggeworfenes Taschentuch auf den Straßen, die selten ein Auto befährt. Die Gäste staunen über die Leere. Manch einem erscheint es unwirklich. Andere empfinden es als wohltuend.

          Dem Fahrer, der den klapprigen Bus im Sakko lenkt, fällt es nicht mehr auf. Er holt jeden Tag Gäste vom Flughafen und setzt sie in einer der großen Hotelanlagen ab. Abends kehrt er zurück nach El Bousten, in den Vorort, wo fast alle Hotelmitarbeiter wohnen, wo die Gebäude dunkelbraun sind und Verschläge haben. El Bousten bedeutet „Blumengarten“. Am Ende eines jeden Monats nimmt der Fahrer alle seine freien Tage auf einmal und fährt elf Stunden nach al-Mansura hinter Kairo, um seine Familie zu sehen. Die sieben Tage sind sein Leben. Die Zeit in El Gouna ist die Zwischenwelt.

          Die Angst kommt in Wellen

          Zuvor saßen die Gäste in einem Condor-Flieger, wo die letzten Anschläge verhandelt wurden, die Anzahl der Opfer und dann der Ausflug zu den Pyramiden von Gizeh, der die lange An- und Abfahrt an einem Tag allemal wert zu sein scheint. Übernachten wollte keiner dort, wegen des Risikos. Der Shuttlebus passiert eine Schranke, zwei Männer mit Kalaschnikows grüßen nickend, dann hält er direkt vor dem Hoteleingang. So weit das Auge reicht stehen Apartments entlang des Kanals.

          In der Gegend um Hurghada am Roten Meer, wo die schönsten Tauchreviere auf den blauesten Himmel treffen, gibt es zahllose solcher Resorts und Shuttlebusse. Die Gäste werden vor die Tür gebracht, bleiben zwei Wochen, manchmal auch vier, und reisen dann wieder ab. Ägypten gilt als Risikoland. Die Deutschen haben Angst, hinzufahren, und die Angst kommt in Wellen. Nach der Arabischen Revolution, nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär 2013, nach der Ermordung zweier Frauen im Juli 2017, nach dem Attentat auf einen Bus mit vietnamesischen Touristen nahe der Pyramiden im vergangenen Dezember. Wenn sich die Angst legt, reisen sie wieder hin. Es ist einfach zu schön. Anschläge gibt es auch anderswo. Aber damit sie kommen, muss es die Illusion kompletter Kontrolle geben. Nirgends funktioniert diese Illusion so gut wie in El Gouna, schließlich wurde es dafür gebaut.

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