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Urlaubsparadies El Gouna : Die beinahe perfekte Illusion

Für die Touristen soll El Gouna der Ort sein, an dem ihre Träume wahr werden. Sonnenuntergang auf dem Golfplatz des „Steigenberger Hotels“, wo ein „Wachturm“ faszinierende Aussichten über Land- und Wasserflächen, Meer und Bergplateaus aus Vulkangestein bietet: Die Gäste stehen am Geländer, fotografieren und filmen sich gegenseitig in den roten Himmel hinein. Angestellte patrouillieren auf und ab und schenken Champagner nach. Wenn er ausgeht, bevor das Naturspektakel seinen Höhepunkt erreicht, flirrt die Luft vor latentem Unmut. Alles soll stimmen an diesem mühsam verdienten Ort.

Jeden Tag sehen die Angestellten in den Hotelburgen dieses Schauspiel, und sie übersetzen es in ihre Vorstellung von westlichem Luxus. Der Fahrer des Shuttlebusses hat seine Familie einmal für eine Woche nach El Gouna geholt. Damit sie sehen: So könnte das Leben sein.

Die Apartmenthäuser im nubischen Stil sehen einander zum Verwechseln ähnlich.

Aber El Gouna ist auch streng. Nicht für die Ägypter aus Kairo, die zum Feiern kommen, zum Fastenbrechen oder an Ostern. Nicht für die europäischen Touristen, sondern für die Mitarbeiter aus El Bousten, die jungen Männer aus konservativen Familien in Upper Egypt, die in El Gouna zum ersten Mal unverhüllte Frauen sehen. Für diejenigen, die sich danebenbenehmen, gibt es schwarze Listen. Zu fragil ist diese Industrie, zu schnell ein lang erarbeiteter Ruf zu verlieren. Der Schrecken über die Ermordung der beiden deutschen Frauen in Hurghada vor zwei Jahren sitzt den Gounies noch in den Gliedern. Nach dem Attentat mit vier Toten auf den vietnamesischen Touristenbus in Gizeh reagierte die ägyptische Polizei sofort: An drei Orten erschossen die Sicherheitskräfte 40 Menschen. Einen Tag nach der Tat.

Die Bewohner, Europäer wie Ägypter, berichten aber auch von falschen Darstellungen. Sie erzählen: Der Messerstecher habe die Frau gekannt, es sei ein persönliches Motiv, kein Terrorakt gewesen. Wenn Menschen gewalttätig werden, wie ein Ladenbesitzer in einem Hotel, dem die Erwerbsquelle genommen wird, sei das Verzweiflung: Es gehe um Existenzen. Die europäischen Medien hätten eine Tendenz, diese Vorfälle zu vereinfachen und zu verfälschen. Besonders dann, wenn es um Ägypten gehe.

Jetzt wächst El Gouna gerade wieder. Zu schnell, sagt eine Restaurantchefin, die beobachtet, wie der nächtliche Kafr von Jahr zu Jahr mehr zur Partymeile junger Ägypter wird. Die Straßencafés der Marina haben einen Aufschlag von 30 Prozent für Service und Ausblick eingeführt, Wohnungen im Kafr werden nur noch zeitlich begrenzt vermietet, weil es mehr Gewinn bringt, ein Partyhotel für 20- bis 40-Jährige ist in Planung. Wie jede normale Stadt auch ist El Gouna den Entwicklungen des Marktes unterworfen.

Das Letzte, was die Gäste von El Gouna zu sehen bekommen, ist der Anblick der zerklüfteten, wie eine Miniaturoase in den Sand gesetzten Landschaft von oben. Die Windungen der Lagune, Golfareale wie grüne Seen, Adern aus freien Straßen, kunstvoll verwoben. Dann dreht der Flieger ab, nimmt Kurs in Richtung Nordwesten und bringt sie dorthin zurück, wo die Überraschungen lauern. In ihre Normalität.

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