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Urlaubsparadies El Gouna : Die beinahe perfekte Illusion

Vor einigen Jahren fing Hoda Samaya an, alle Gounies für ein Fotoprojekt zu porträtieren, um die Vielfalt des Ortes darzustellen.

Unter den Ägyptern gilt El Gouna als liberal und fortschrittlich. Niemand trägt hier Kopftuch. Im „Club House“ gibt es Beach Partys und Livekonzerte, auf denen keiner nüchtern bleibt. In Kairo, erzählen die Gounies, dürfe man nicht einmal auf der Straße singen. Hier können Homosexuelle auf der Straße Händchen halten. Wasser wird recycelt, Müll getrennt, in einigen Hotels werden die Drinks ohne Plastikstrohhalme serviert.

Ein guter Ort, um Dinge auszuprobieren, sagt Sarah El Sawi, die Künstlerin. Ein schlechter, um Geld mit Kunst zu verdienen. Aber El Sawi wollte raus aus „Chaos und Beton“, sie wollte „frei atmen“, also suchte sie sich nach ihrem Kunststudium in Kairo 2009 einen Job in einer Werbeagentur in El Gouna. Als sie Kinder bekam, stellte sie fest, dass es keinen besseren Ort in Ägypten für eine Familie gibt. Sarah El Sawi ist eine selbstbewusste Frau mit braunen Augen und einer Fähigkeit, andere in wenigen Minuten von einem Projekt zu begeistern. Sie wohnt ein paar Autominuten vom Kafr entfernt am Rande einer Hotelanlage in einem kleinen Haus mit hohen, dunklen Wänden, gestickten Teppichen und Erkern. Es ist Platz genug für ihre Bilder: die neueren, in El Gouna entstandenen, die man an ihren hellen Pastelltönen und den abstrakten Formen erkennt, und die figurativen aus Kairoer Zeiten.

Als Sarah El Sawi an die Küste kam, störte es sie, dass es kaum Kultur, dafür viel oberflächliche Unterhaltung gab. El Gouna war in den Jahren zuvor sehr schnell gewachsen, in den Hotels ließen sich die Touristen von Alleinunterhaltern berieseln und ins „Club House“ ging man zum Flirten. 2015 organisierte sie ihre erste Kunstausstellung, dann gründete sie das Festival „Women by the Sea“, alle zwei Jahre kommen dafür Sängerinnen, Designerinnen und bildende Künstlerinnen aus Kairo und Hurghada nach El Gouna, stellen aus und testen ihre neuen Projekte an unvoreingenommenem Publikum. Alles geht, auch mit finanzieller Unterstützung von Orascom, solange es keiner darauf anlegt zu provozieren. Als nächstes will Sarah El Sawi sich für Künstlerresidenzen einsetzen.

Selbst Mobilfunkmasten fügen sich in El Gouna unauffällig in die gepflegte Umgebung.

Die Möglichkeiten der „demokratischen Republik El Gouna“, wie sie Hoda Samaya nennt, sind unerschöpflich. Einen Ableger der TU Berlin gibt es, weil Samih Sawiris einst in Berlin studierte und das Geld aufbrachte, um deutsche Wissenschaftler unter der Wüstensonne forschen zu lassen. Das internationale Filmfestival entstand, weil er es so wollte – lokale Regisseure waren nicht zu finden, und wenn man mit Ägyptern spricht, sind ihnen die wenigsten der auf dem Festival vorgestellten Filme in Erinnerung geblieben. Dafür der Auftritt von Patrick Dempsey. Der Schauspieler pries El Gouna während eines Kurzbesuchs in einem Interview. Wer hier lebe, sagte Dempsey der deutsch-brasilianischen Moderatorin Tereza Costa, sei ein Glückskind.

Tereza Costa strahlt von Plakaten auf den Absperrzäunen vor Gebäudeskeletten, aus denen neue Hotels werden sollen. Sie ist das Multitalent des Ortes, schauspielert, skatet, tanzt, gibt Klavierunterricht, jetzt moderiert sie für den Fernsehsender des Ortes. „Faces of El Gouna“ heißt die Kampagne, die repräsentative Bewohner großformatig an öffentlichen Orten in Szene setzt. El Gouna TV läuft im ersten Programm in Schleife, in den Sendungen geht es um Sport und Wetter und Gründe, den Ort nie wieder zu verlassen. Costa kam vor zehn Jahren als Castmitglied der Eiskunstshow „Disney on Ice“ nach El Gouna und blieb, als der letzte Vertrag auslief. Für sie, sagt sie, gebe es keinen besseren Ort zum Träumen.

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