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Urlaubsparadies El Gouna : Die beinahe perfekte Illusion

Begrüßung an einem der Kontrollpunkte

El Gouna ist ein neuer Ort in einem alten Land. Der Milliardär Samih Sawiris hat ihn errichten lassen, als Touristenziel und Investition. Jedes geplante Hotel, jede Restaurantidee und jeder neue, private Strandabschnitt geht über die Schreibtische seiner Immobilienfirma Orascom. Es gibt 18 Hotels in El Gouna, 80 Restaurants, ein Stadion, fünf Kiteschulen, einen E-Bike-Anbieter, eine Gokart- und eine Motocross-Strecke. Eine Marina, die einer italienischen Hafenstadt nachempfunden ist. Eine zweite Marina für Yachten, die Platz brauchen. Ein Filmfestival. „Disneyland“ sagen die, die nur zum Arbeiten kommen. „Blase“ sagen die Bewohner. „Festung“ denken die Touristen. El Gouna gilt als ruhiger, distanzierter als Hurghada. Tatsächlich kann man sich hier sicherer fühlen als auf Gran Canaria. In diesem Jahr wird es dreißig Jahre alt.

Eine der Ersten, die kamen, war Hoda Samaya. Man findet sie im „Club House“, einem der ältesten Gebäude El Gounas, das damals für Mitarbeiter der entstehenden Hotelanlagen im Kafr, dem Zentrum des Ortes, vorgesehen war: ein niedriges, langgezogenes Gebäude mit dicken Wänden, kleinen Fenstern und Kuppeln, das zu einer Poolanlage ausgerichtet ist. 1993 war das Haus noch von Wüste umgeben, der Baustil diente dem Schutz vor der Hitze. Hoda Samaya kam aus Kairo in eine Gemeinschaft von 35 Menschen. Im ersten Winter luden sie zum Lagerfeuer am „Club House”, seitdem ist es zum Treffpunkt der Bewohner geworden. Samaya besitzt das Gebäude inzwischen, ihre Kinder sind hier aufgewachsen.

Die Oase: Hoda Samayas „Club House“

Ihre tätowierten Arme sind braungebrannt, sie trägt schwarze Zöpfe und große Ringe an den Ohren, dazu eine Ledertasche um den Bauch und Fellstiefel. Wenn man sie sieht, könnte man glauben, El Gouna wäre aus einer Hippiekommune entstanden. Tatsächlich kaufte ihre Familie damals, als sie noch bezahlbar waren, 22 Wohnungen nahe der alten Marina. Das zahlte sich aus. „Städte entstehen rund um Industrien“, sagt sie. „Bei dieser war es eben der Tourismus.“

Am Pool liegen junge Frauen. Während die meisten Strände der Lagune privat sind, darf sich im „Club House” jeder kostenlos sonnen. Heute sei Freaky Friday, sagt Samaya, als ihr Sohn an ihr vorbei zur Bar rennt, da seien Dinge erlaubt, die man während der Woche nicht dürfe. Cola und Sprite zum Beispiel. Viele „Gounies“, wie sich die Bewohner El Gounas nennen, sind wegen ihrer Partner gekommen. Der Vater von Hoda Samayas Kindern ist Holländer, er organisiert gemeinsam mit Beduinen aus der Gegend Wandertouren in die nahen Berge. Die Kinder des Ortes werden erfolgreiche Wake Boarder oder Kite Surfer, sie sprechen drei bis vier Sprachen und haben Freunde auf der ganzen Welt. Das schönste, sagt Samaya, sei Teil von etwas zu sein, das gerade erst beginnt.

Das sind die drei Bevölkerungsgruppen von El Gouna: die Touristen, die Arbeiter, deren Heimat Hunderte von Kilometern entfernt ist, und die offiziell 15000, tatsächlich aber deutlich weniger Bewohner. Damit der Kreislauf, der den Ort am Leben hält, funktionieren kann, braucht er die Touristen. Aber wie ihre Angst kommen sie in Wellen, deshalb bleibt der Kafr in manchen Jahren leer. In solchen Jahren versuchen die Einwohner zusammenzuhalten, organisieren Kochabende im „Club House“ und zahlen reihum. Andere haben keine Wahl, wenn die Arbeit fehlt: Ein großer Teil der Ägypter in El Gouna ist in den Hotels angestellt. Wenn die leer stehen, sind sie mittellos. Das durchschnittliche Monatsgehalt im Ort liegt bei 70 Euro.

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