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Bald bricht die dunkle Jahreszeit an, da gilt es, jeden Sonnenstrahl auszunutzen: die kleine Insel Riddarholmen am Rand der Stockholmer Altstadt mit ihren Stadtpalästen und der namensgebenden Kirche in der Abenddämmerung. Bild: Picture Alliance

Schwedens Weg : Das Leben ist zu kurz für schlechte Laune

Wie man aus der Welt eine bessere macht? Die Schweden hatten in dieser Frage schon immer einen eigenen Kopf und lassen sich auch jetzt nicht beirren. Drei spätsommerliche Beobachtungen aus Saltsjöbaden, Stockholm und Sörmland.

          12 Min.

          Saltsjöbaden

          Knut Agathon Wallenberg hatte einen Traum, der so kühn, so verwegen, so aberwitzig war, dass er nur an der egalitaristischen Sturköpfigkeit seiner Landsleute scheitern konnte. Der Mann, der das philosophisch Gute in seinem zweiten Vornamen trug, wollte für sich und seinesgleichen nur das Beste und setzte sich deswegen in den Kopf, vor den Toren Stockholms aus dem Nichts der unberührten Natur eine schwedische Riviera zu erschaffen. Im Jahr 1891 kaufte er in den Schären Ländereien, baute eine Bahnlinie, errichtete ein Grand Hotel und ermunterte seine Millionärskollegen, ihm zu folgen. Geld war ausreichend vorhanden, denn Wallenberg stammte aus der reichsten und einflussreichsten Familie Schwedens, bis heute ein Geschlecht von Industriellen und Bankiers, aber auch von Politikern und Di­plomaten, Olympiateilnehmern und Menschenrettern wie Raoul Wallenberg, der Hunderte ungarischer Juden vor der Todesmaschinerie der Nazis bewahrte.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Saltsjöbaden, Salzwasserbad, nannte Wallenberg ganz schlicht seinen luxuriösen Garten Eden zwanzig Kilometer südöstlich der Hauptstadt, der heute ein Bilderbuch-Schweden inmitten der dreißigtausend Inseln des Stockholmer Archipels mit allen Zutaten aus dem schönsten Kitschalbum Skandinaviens ist: Die Ostsee gurgelt unaufgeregt um die zahllosen Granitbuckel, die wie versteinerte Wale aus dem Wasser ragen. Die Ufer sind idyllisch von Kiesstränden, Schilfrohren und Kiefernwäldchen eingefasst. Auf dem Wasser führen Möwen, Enten und Gänse eine friedliche Convivence mit Jollen, Schaluppen und Surfern. Und überall leuchtet das Kupferrot der hölzernen Ferienhäuschen wie Signallampen des kleinen Glücks. Es ist eine Landschaft voller Zufriedenheit und Harmonie, von den Gletschern glatt geschliffen und jeder Schroffheit beraubt, eine Welt, in der Meer und Mensch ganz mit sich eins und im Reinen sind.

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