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Taiwan : Die Götter hätten uns keinen anderen Rat gegeben

Und so surren die Taiwanesen massenhaft durch die Reisfelder, geben sich dabei der obligatorischen Selfie-Orgie hin, stehen geduldig im Fahrradstau und vor dem Bischofsholzbaum Schlange, an dem längst ein Bänkchen aus Bronze mit einem Teetischchen im Stil der Ming-Zeit aufgestellt wurde – und finden nichts komisch an dieser bizarren Veranstaltung, die eher an Autoscooter auf dem Jahrmarkt als an Radsport erinnert. Den Hang zum Kollektivismus teilen sie dann doch mit ihren Brüdern und Schwestern vom Festland.

Lückenlose Parade an Restaurants

Am Ende des Tales zwingt uns die Geologie erst an die Küste, danach in die Berge und spuckt uns schließlich an der Südspitze Taiwans im Kenting-Nationalpark aus, der nicht ganz den europäischen Vorstellungen eines Naturschutzgebietes entspricht. Denn er ist garniert mit Fischerdörfern, Strandresorts, Kart-Bahnen, sogar einem Kernkraftwerk. Und er ist bei den Taiwanesen vor allem deshalb so beliebt, weil sich hier den Feinschmeckern die Pforten des Himmels öffnen. Allein die Köstlichkeiten entlang der Hauptstraße des Badeortes Kenting sind Grund genug, die Ilha Formosa für immer schön zu finden, diese lückenlose Parade an Restaurants und Straßenständen mit ihren Entenköpfen und Hühnerfüßen, Dumplings und Wan Tans, Abalones und Austern, Krabben und Calamaretti, Taschenkrebsen und Tintenfischen, ein gargantueskes Freudenfest pantagruelischen Ausmaßes. Und zu sehen, mit welcher Lust schon die Kleinsten beim Drei-Generationen-Familienessen in ihre Papageienfische beißen, stimmt uns angesichts deutscher Räuber-Hotzenplotz-Kindermenü-Katastrophen ganz melancholisch.

Nach der Meeresfrüchteschlemmerei ist ein Verdauungsspaziergang dringend geboten. Wir schlendern zum Aussichtspunkt Sheding, vorbei an Hügeln aus schwarzen Korallenriffen, die bei der eurasisch-philippinischen Plattenkollision aus den Tiefen des Meeres ins Landesinnere geschleudert wurden, und besteigen einen einsamen Aussichtsturm, der von Formosa-Makaken in Beschlag genommen wurde. Jetzt ziehen sie sich schimpfend und schmollend in die Baumwipfel zurück und überlassen uns diesen wunderbar friedlichen Ort, dem auch das Affen-Gekeife seine Kontemplation nicht nehmen kann. Kilometerweit geht der Blick über die schwarzgrüne Landschaft, am Horizont schimmert ein weißer Leuchtturm in der Brandung, am südlichsten Punkt der schönen Insel, umgeben vom Pazifik im Süden, Westen, Osten. Und uns wird das Herz schwer, weil hier Schluss ist.

Die schöne Insel

Anreise: Die taiwanesische Fluggesellschaft China Airlines (www.china-airlines.com/de/de) fliegt täglich nonstop von Frankfurt nach Taipeh. Für die Einreise genügt für deutsche Staatsbürger ein Reisepass. • Arrangements: Einen Überblick über Veranstalter mit Taiwan-Reisen gibt es unter www.taiwantourismus.de/wissenswertes/nuetzliche-kontakte/reiseveranstalter. Sehr zu empfehlen ist eine Tour mit einem Mietwagen. • Informationen: Taipei Tourism Office, Friedrichstraße 2–6, 60323 Frankfurt, Telefon: 0 69/61 07 43, info@taiwantourismus.de, www.taiwantourismus.de.

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