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Taiwan : Die Götter hätten uns keinen anderen Rat gegeben

Der Mensch hat, so gut es eben geht, die Taroko-Schlucht gezähmt. Sechstausend Kriegsveteranen haben in den fünfziger Jahren unter entsetzlichen Mühen und Opfern den Highway 8 in den Stein gebohrt, gehauen, gemeißelt, gesprengt, und spätere Generationen ein Dutzend Trails angelegt, die meisten kinderwagentauglich, weil die Taiwanesen keine großen Abenteurer zu sein scheinen. So lässt sich der Tunnel der neun Windungen komfortabel auf zehn Meter breiten Asphaltwegen bewältigen und erinnert mit seinen Betonüberdachungen gegen den Steinschlag an die Galerien von Alpenstraßen. Auch der Baiyang Trail ist keine alpinistische Herausforderung, sondern eine bequeme Wanderautobahn hoch über dem Liwu, der hier so wilde Haken schlägt, dass ihm der Trail nur folgen kann, indem er neunmal eine Abkürzung in Form eines Tunnels nimmt.

Überwältigendes Meisterwerk der Geologie: der Taroko Nationalpark.

Abenteuerlich ist die Strecke aber allemal, denn sie führt durch eine subtropische Üppigkeit mit Zikaden-Konzertmusik voller schwalbengroßer Schmetterlinge und sonnenschirmgroßer Spinnennetze zwischen den Bäumen über dem Pfad. Die Schlucht ist überzogen mit einem dichten Pelz aus Zimtbäumen, Kräuselmyrten, Taroko-Eichen und der Schönen Deutzie, einer ostasiatischen Holunderart, während sich an den Felsvorsprüngen der Gallen-Sumach festkrallt, der früher zu Schießpulver verarbeitet wurde, und die japanische Zelkove, die den kriegerischen Ureinwohnern Taiwans einst das Holz für ihre Bögen lieferte. Zweitausend Meter ragen die Gipfel in die Höhe, dreißig Meter stürzen die Wasserfälle in die Tiefe, bis der Baiyang Trail unvermittelt am letzten der neun Tunnel vor einer Wand aus rauschendem Wasser endet.

Selfie-Orgie im Reisfeld

Südlich der Taroko-Schlucht spalten sich die Gebirgszüge in die Coastal Mountain Range und die Central Mountain Range und bilden dazwischen ein bukolisches Tal, in dem wir uns behütet fühlen wie in einer Wiege der Geologie. Reisfelder erstrecken sich mit ihrer wunderbar filigranen Schraffur von Bergflanke zu Bergflanke, lose unterbrochen von Betelnussbäumen, Bananenstauden und Bambuswäldchen. Kokospalmen stehen in Reih und Glied, Kampferbäume Spalier an den Alleen, Pomelos und Drachenfrüchte leuchten im subtropischen Licht und immer wieder auch Chirimoyas, die hier sehr treffend „Buddhas Kopf“ heißen. Nirgendwo allerdings steht der Reisbauer mit dem Kegelstrohhut hinter dem Wasserbüffel an seinem Pflug, weil Taiwan nicht Vietnam oder Bali, sondern ein Land der Ersten Welt ist.

Leuchtturm im Kenting Nationalpark an der Südspitze der Insel.

Es ist, neben vielem anderen, die Heimat von Giant, des größten Fahrradherstellers der Welt. Das Fahrradfahren scheint eine Leidenschaft der Taiwanesen zu sein, die viele alte Bahntrassen in Radwege umgewidmet haben. Immer wieder sehen wir Rennradfahrer in voller Wettkampfmontur, aber auch Freizeitradler, denen es eher um Jux als Sport geht – vor allem im Dorf Chishang, das inmitten besonders idyllischer Reisfelder liegt. Hier drehte vor einiger Zeit eine taiwanesische Fluggesellschaft mit einem Schauspielerschönling einen Werbespot und ließ ihn dafür unter einem Bischofsholzbaum Tee trinken. Seither zieht es Heerscharen von Taiwanesen zu diesem Baum, seither säumen Dutzende von Verleihstationen mit Tausenden von Fahrrädern die Straße. Meist sind es Viersitzer mit vier Rädern, Baldachin und Elektromotor, auch Sechssitzer für drei Generationen sind im Angebot und Elektro-Minimotorräder für Kinder.

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