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Antarktisreise : Eine Kreuzfahrt wie eine Reise ins All

Kunstwerke der Natur: Eisberge treiben am Schiff vorüber. Bild: Freddy Langer

Vielleicht entfernt man sich bei keiner anderen Reise so weit von der Welt wie während einer Kreuzfahrt in die Antarktis: Unterwegs mit der Roald Amundsen.

          11 Min.

          Die Glücksfee hatte es gut mit mir gemeint und meinen Namen gezogen: eine Nacht an Land! Im Zelt. Aufgeschlagen im Schnee, nahe am Wasser, dort, wo man das leise Klingeln der Eisbröckchen hört, wenn eine kaum merkliche Dünung sie aneinander schubst. Wie Glöckchen. Ganz hell. Und seltsam fern. Schließt man die Augen, meint man, kleine Lämmer schlichen über eine Wiese. Und man erschrickt über den Gedanken, wenn man sie wieder öffnet und alles weiß ist von Schnee und Eis statt grün wie die Auenlandschaft einer Pastorale.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Amundsen Camp hatte das kleine Lager mit fünfzehn Zelten für dreißig Gäste heißen sollen. Weil der Name ein Abenteuer verspricht. Roald Amundsen: der erste Mensch am Südpol. Erreicht hatte ihn der Norweger am 14. Dezember 1911, mehr als einen Monat vor dem Briten Robert Falcon Scott, der gleichfalls dorthin unterwegs war, weshalb die Medien die beiden Expeditionen damals zum Wettlauf stilisierten. Amundsen Camp aber auch, weil das Schiff so hieß, das uns zum äußersten Zipfel der Antarktischen Halbinsel gebracht hatte. Nach wochenlanger Reise von Valparaíso aus, der chilenischen Hafenstadt, nun fast dreieinhalbtausend Kilometer entfernt oder nahezu zweitausend nautische Meilen. Die Nacht auf dem Eis sollte deshalb zugleich eine Nacht ganz weit fort werden. Fort von der bekannten, vertrauten Welt. Fort von der Zivilisation. Achtundsiebzig Passagiere hatten den Ausflug gebucht, der an Bord ohne viel Schnörkel kurzerhand als unvergessliches Erlebnis angepriesen worden war. Deshalb die Lotterie, der sich unweigerlich eine Reihe langer, enttäuschter Gesichter anschloss.

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