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Sommerserie: Ortsmarke : Luthershuffle statt Luthershuttle

Ein Mythenort der deutschen Geschichte, nicht nur wegen Martin Luther: die Wartburg hoch über Eisenach. Bild: dpa

Mit dem Wartburg auf die Wartburg? Wir hatten uns das so schön ausgemalt, aber dann ist außer den eigenen Füßen kein anderes Transportmittel im Einsatz – ein Tag in Eisenach.

          8 Min.

          Fröhliche Stimmen werktätiger Menschen sollen auf der Wartburg erklungen sein, als dort vor mehr als achthundert Jahren die Bauarbeiten am prächtigen Pallas, dem Wohnsitz der Landgrafen von Thüringen, abgeschlossen waren. Zumindest stellte sich das der Dichter Joseph Victor von Scheffel so vor, als er 1863 seinen „Sang der Bauleute nach Vollendung des Landgrafenhauses“ schrieb. Darin findet sich eine Passage, die in diesem Corona-Reisesommer geradezu als prophetisch angesehen werden darf: „Erspart bleibt fürder, willst du Schönheit schauen, / die Pilgerfahrt nach welschem Land und Meer, / wetteifernd mit dem besten fremder Gauen / prangt hier ein Kleinod, kunstdurchglänzt und hehr.“ Gut gebrüllt, Dichter! Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt? Nach Eisenach zur Wartburg sind es von Frankfurt aus kaum mehr als zwei Stunden Zugfahrt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Kurz vor der Ankunft fährt man dabei wie durch ein grünes Tor. Die Hänge des Thüringer Waldes rücken bis fast an die Eisenbahntrasse heran, um sich dann plötzlich nach einer Linkskurve wieder zu öffnen: zu einem weiten Tal für die Stadt, an dessen südlichem Rand hoch auf einer einzelnen Bergkuppe die Wartburg thront. Mit dem Zug geht es mitten durch Eisenach, und wenn man vor lauter Häusern die Burg nicht mehr sieht, kann man den Blick getrost zur anderen Seite des Bahndamms hinüberwandern lassen. Dort liegt eine große Brachfläche, auf der man bis vor wenigen Jahren auch erfolgreich Wartburg-Ausschau hätte halten können, denn es gab an diesem Platz insgesamt mehr als 1,8 Millionen davon. Dort befand sich das Automobilwerk Eisenach (AWE), in dem von 1956 an der Wartburg produziert worden ist, das nach dem Trabant am häufigsten gebaute Auto der DDR, auf einem Firmengelände, das schon seit 1898 der Automobilfertigung diente.

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