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Highgrove in England : Hoheit zündet keine Haufen an

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Prince Charles schnuppert an einer „Highgrove“-Rose bei einem Besuch der Chelsea Flower Show in London. Wenn er seine hochherrschaftliche Nase aus den Fenstern von Highgrove hält, umfängt ihn jedoch das Aroma von Thymian. Bild: Picture-Alliance

In Highgrove, seinem privaten Wohnsitz in den Cotswolds, hat sich Prinz Charles eine heile Welt aus Komposterde, Biogemüse und Solarenergie erschaffen. Zahlende Besucher werden zu Tee und Champagner ins Paradies eingelassen.

          Erzengel tragen heutzutage nicht mehr Schwert und Flügel, sondern Maschinenpistole und kugelsichere Weste. Gleich zu zweit versperren sie mit entschlossener Miene die Einfahrt. Hier werden Adam und Eva nicht martialisch aus dem Paradies herauskomplementiert, sondern Gartenliebhaber auf dem Weg hinein gründlich kontrolliert. Ein etwas einschüchterndes Szenario für einen Parkbesuch. Doch nach den Anschlägen in London und Manchester macht die Terrorabwehr auch vor Blumenfreunden nicht halt. Erst recht nicht, wenn man Einlass in das private Heiligtum von Prince Charles begehrt.

          Highgrove ist sicherlich einer der bestbewachten Gärten der Insel. Eine Mauer aus gelbem Stein umgibt das Anwesen wie ein Schutzwall. Ziemlich hoch und kilometerlang führt sie an der schmalen Landstraße in Richtung Tetbury entlang, einem Marktstädtchen in den Cotswolds in der Grafschaft Gloucestershire. Etwas außerhalb des Ortes hat der Thronfolger für sich und seine Familie seit Anfang der frühen achtziger Jahre ein ökologisches Königreich erschaffen.

          Etwas außerhalb des Ortes Tetbury hat der Thronfolger für sich und seine Familie seit Anfang der frühen achtziger Jahre ein ökologisches Königreich erschaffen. Bilderstrecke

          Nach Highgrove führt kein Hinweisschild. Was nicht wirklich verwundert, denn ungebetene Gäste sind nicht erwünscht, und spontan kommt man ohnehin nicht hinein. Wer ein Ticket für den Gartenbesuch bucht, erhält vorab eine detaillierte Wegbeschreibung. Sie leitet Besucher zu einer Abzweigung, die ganz unauffällig durch eine Lücke in der Mauer führt. Doch schon nach wenigen Metern stehen wir vor einer Straßensperre mit Portierhäuschen und den schwerbewaffneten Polizisten. Wir zeigen unsere Ausweise, Tickets, ein, wie wir hoffen, harmloses Lächeln und dürfen weiterfahren. Bis zum Parkplatz, da steht abermals eine freundliche Dame und weist uns ein. Eine Viertelstunde vor dem Start der Besichtigungstour sollen Besucher mit dem Auto eintreffen. Langes Herumlungern auf dem Parkplatz ist ebenso wenig erwünscht wie Kameras, Handys oder sonstiges technisches Gerät. Foto- oder Tonaufnahmen sind nicht erlaubt. Der Prinz will seine Privatsphäre schützen. „Aus Sicherheitsgründen“, sagt die Dame am Orchard Room, dem Eingang zum Garten, in freundlich bestimmtem Ton. „Und weil es im Shop Fotokarten und Bücher zu kaufen gibt“, grummelt ein Gast.

          Die Aquarelle Seiner Königlichen Hoheit zieren die holzvertäfelten Wände

          Mit ihrem eleganten blauen Wickelkleid, Pumps und rutschfester Frisur sieht die Empfangsdame aus wie eine junge Ausgabe der Eisernen Lady. Vermutlich ist ein resolutes Auftreten in Thatcher-Manier nötig: Hobbygärtner in freudiger Erwartung und noch dazu in Gruppen sind zuweilen schwer im Zaun zu halten. Zumindest in Deutschland. Die Engländer scheinen dagegen so zivilisiert zu sein wie in der Warteschlange an der Bushaltestelle: „keep calm“. Rund fünfzig Besucher, überwiegend gartenbegeisterte Briten, harren geduldig im Eingangsgebäude aus. Schließlich ist man bei Königs daheim.

          Das Entrée des Orchard Room könnte auch die Lobby eines eleganten Hotels sein. Edler Teppich liegt aus, diverse Gartenutensilien und Bücher über Highgrove werden zu durchaus royalen Preisen feilgeboten. Die Aquarelle Seiner Königlichen Hoheit zieren die holzvertäfelten Wände. Garten- und Landschaftsmotive, keineswegs stümperhafte Laienversuche, sondern professionelle Werke. Der Prinz hat Talent.

          Wer die privaten Gartenanlagen besichtigen will, muss Wochen vorher Tickets buchen. Seit ein paar Jahren erst werden von April bis Oktober kleine Gruppen durch das 60.000 Quadratmeter große Anwesen geführt – mit einer einfachen Führung, einer mit Abendessen oder Afternoon Tea und einem Glas Sekt. Bis zu dreihundert Besucher kommen am Tag, erzählt uns unsere Eiserne Lady.

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