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E-Biken alpin : Die Kunst der Gelassenheit

  • -Aktualisiert am

Südtirol im Schnelldurchlauf - so lange der Akku mitmacht. Bild: Norbert Eisele-Hein

Sind E-Bikes eines seriösen Freizeitsportlers unwürdig - oder vermitteln sie ein ganz neues Radgefühl? Selbsterfahrungen bei einer Durchquerung Südtirols.

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          Wenn es um seinen Sport geht, wird der Mensch standesbewusst. Da würde ein echter Golfer sich niemals auf dem Minigolfplatz sehen lassen und ein ambitionierter Freizeitradler macht einen weiten Bogen um E-Bikes. Wir sind ja selbst etwas verunsichert: eine kleine Gruppe gestandener Hobbyradler, die mit Mountainbikes Berge erklimmen oder mit Rennrädern lange Touren unternehmen. Nun stehen wir an einem kalten Frühlingsmorgen am Reschensee im Westen Südtirols, und vor uns bauen sich metallisch glitzernde E-Bikes mit prall gefüllten Satteltaschen auf. Mit ihnen wollen wir an einem einzigen Wochenende quer durch ganz Südtirol radeln, vom Reschensee über Meran und Bozen ins Pustertal und an die Grenze zu Österreich.

          Die erste Etappe soll eine gemütliche Einführung werden. Wir starten auf 1500 Meter Höhe und radeln durch der Vinschgau bis nach Bozen auf 261 Meter Höhe. Dazwischen liegen 130 Kilometer auf der Via Claudia Augusta, dem Römerweg, der heute eine der bekanntesten Radstrecken im Alpenraum ist. Von Gemütlichkeit ist zunächst nicht viel zu spüren. Es ist bitterkalt, und ein scharfer Wind pfeift. Wir zwängen uns in enge Radjacken und lange Überhosen und warten auf die Instruktionen von Hugo, dem Organisator der Tour. Mit dem E-Bike zu fahren sei etwas Neues, sagt der Pustertaler. Man müsse ein Gefühl dafür bekommen, wann und wie man den Motor einsetze, der ja die Arbeit nicht abnehme, sondern den Radler nur entlaste. Drei Stufen haben wir dafür zur Wahl - sanft, mittel und sportlich. Letzteres sei nur für steile Bergaufpassagen zu empfehlen, sagt Hugo, das sauge den Akku rasant leer.

          Sanft treten zum nächsten Cappuccino

          In der Praxis ist das zunächst kein Thema. Am Südufer wechseln wir auf die westliche Talseite und rollen ohne elektrische Hilfe auf Radwegen durch den Wald, überholen einen knatternden Traktor und durchqueren Burgeis. Das Nachbardorf Glurns ist eine bekannte Sehenswürdigkeit und mit nur 900 Einwohnern eine der kleinsten Städte im Alpenraum. Über die Kopfsteinpflaster rollen wir ins Zentrum und landen auf der Terrasse des Gasthofs „Grüner Baum“. „Zeit für einen Cappuccino“, ruft Hugo, und niemand widerspricht. Bisher hat sich unsere E-Bike Tour kaum von einem normalen Radausflug unterschieden - bis auf die Erfahrung, dass die Räder schwerer und auch schwerfälliger sind.

          Jetzt radeln wir durch den breiten, offenen Vinschgau, passieren Obstgärten und erreichen bald die Etsch-Schlucht und den Fischteich Brugg, eine lauschige Raststation für Radtouristen. Auf dem ebenen Radweg lässt sich die Unterstützung der Elektromotoren gut testen. E-Bikes sind keine Räder, die von selbst fahren. „Ihr müsst nur ganz sanft treten, dann spürt ihr gleich, wie der Motor anschiebt“, ruft Mitradler Kurt uns zu. Er kennt sich aus, schließlich hat der ehemalige Skiprofi einen Radverleih im Süden von Bozen. Fest treten bringt hingegen gar nichts.

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