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E-Bike Trend : Mit dem Strom!

  • -Aktualisiert am

Zwei Welten des Fahrradfahrens: Entweder man strampelt den Berg mit 180er Puls hoch oder radelt ganz entspannt mit dem Turbogang des E-Bikes zum Gipfel. Bild: Pietari Posti

Über das Getriebensein: Alpentouren waren bisher für jeden Mountainbiker eine Herausforderung. Warum abstrampeln, wenn es auch anders geht? Eine Geschichte über das Radfahren in der Höhe.

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          Beginnen wir vielleicht mit ein paar Aussagen von Picco, diesem, wie die Tiroler sagen, Urviech eines Mountainbikers, die unser Vorhaben in eigenwilliger Präzision auf den Punkt bringen: „Wenn wir genug Strom haben, san mir die Chefs“, sagt er. „Passt’s mim Turbo auf, sonst schmeißt er euch in der ersten steilen Kehre raus“, sagt er. Und: „Es ist der Wahnsinn, wie mich dieses Zwei-Kilo-Ding“ – Blick auf den Akku – „in der nächsten Stunde da rauf befördert“ – Blick auf einen recht hohen Berg in unbestimmter Ferne.

          Wir sind in Natters bei Innsbruck und wollen von hier aus in den nächsten Tagen an den Gardasee radeln. Eine Transalp. Allerdings nicht auf normalen Mountainbikes, sondern auf E-Mountainbikes, 22 Kilo schweren Geräten mit breiten Reifen, 500-Watt-Akkus und einem Motor, der uns in den Modi Eco, Tour, Sport oder Turbo über die Alpen schieben wird. Allerdings müssen wir immer mittreten, sonst reagiert der Motor nicht. Es ist schon vier Uhr nachmittags, und wir schauen mit Picco in die wolkenverhangenen Berge.

          Heute haben wir noch 35 Kilometer und 1300 Höhenmeter vor uns. Hätten wir herkömmliche Mountainbikes, würden wir uns sehr genau überlegen, ob das noch zu schaffen ist. Aber nun schauen wir nur auf Picco, so wie man bei Turbulenzen im Flugzeug auf die Stewardessen schaut. Wenn sie noch gelassen wirken, ist alles gut. Picco wirkt mehr als gelassen, und wir fragen uns: Ist das alles vielleicht zu einfach? Verstoßen wir hier gegen fahrradethische Grundsätze und entzaubern den Mythos Transalp?

          Verstärkt über die Alpen

          Eine Transalp ohne elektrische Unterstützung ist ein großes Projekt, das Vorbereitung, Kenntnis und Fitness erfordert. Fünf oder sechs Tage lang bis zu 2000 Meter bergauf und bergab, in eisige Höhen, über windige Pässe, vielleicht sogar durch den Schnee radeln – das macht man nicht mal so nebenbei. Aber das scheint nun keine Bedeutung mehr zu haben. Überhaupt: Alles, was man sich in 25 Jahren Mountainbikefahren angeeignet hat, ist plötzlich außer Kraft gesetzt: Optimale Sitzposition und Klickpedale, damit die Beine ihre Kraft ausspielen können? Egal. Genug zu trinken und zu essen dabei? Spielt keine Rolle. Selbst das Mittagessen hat man bislang genau ausgewählt. Ganz einfach, weil einem beim nächsten Anstieg schlecht wurde von zu viel Fett und Geschmack. Heute gab’s Käsespätzle.

          Alles was jetzt noch zählt, ist der Akku-Ladestand und die Frage, in welchem Unterstützungsmodus man sich bequem den Berg hinaufhelfen lässt. „Turbo“, rät Picco, und so rollen wir an den Flanken der Serles, diesem markanten Berg am Eingang des Stubaitals, zügig hinauf. Wir treten locker mit, begleitet vom leisen Surren der tatsächlich sehr starken Motoren. Der Forstweg ist steil, aber es fühlt sich an, als führen wir durch die Ebene. Oder als würde jemand den Film fast forward ablaufen lassen: Wiese, Wald, Kehre, Kehre, Kehre, Almgelände, Kühe, Gewitterwolken, Sattel, hinab ins nächste Tal.

          Das Ende des Einstiegstages in diese Transalp beschert uns dann noch so einen E-Bike-Moment: Picco verfährt sich und alle folgen ihm im Turbomodus einen sehr steilen Karrenweg hinauf. Ein paar hundert Meter weiter oben stehen wir vor einem verschlossenen Tor. Wir wenden also und schlagen unten den richtigen Weg ein. Keiner regt sich darüber auf. Warum auch? Picco sagt: „Wenn du dich als Guide ohne E-Bike um sieben Uhr abends auf so einem Weg verfährst, hast du normalerweise ein Problem.“

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