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Design in Schottland : Ideen waren in Dundee nie Mangelware

  • -Aktualisiert am

Halb zu Wasser, halb zu Land erstreckt sich Kungo Kumas Entwurf des neuen Museums in und über den Fluss Tay. Bild: Hufton Crow

Von wegen kleinkariert: Das schottische Städtchen Dundee setzt jetzt auf Kreativität im großen Stil. Eine Filiale des Victoria & Albert Museum ist nur der Anfang.

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          Es ist ein überraschendes Gespann, das da Seite an Seite im Hafen von Dundee auf die Besucher wartet. Erst wenige Monate alt ist der moderne Monumentalbau zur Linken mit seinen dynamischen diagonalen Linien und der geriffelten Außenfassade. Das neue V&A Designmuseum stammt aus der Feder des japanischen Stararchitekten Kengo Kuma und erstreckt sich an der Riverside Esplanade halb zu Lande, halb zu Wasser in den breiten Fluss Tay. Daneben dümpelt fest vertäut am Kai ein hölzerner Dreimaster, fast filigran wirkt er neben dem wuchtigen Beton seines Nachbarn. Die RRS Discovery wurde 1901 in Dundee gebaut, um Geschichte zu schreiben, und ihr Name ist Programm: Auf dem Expeditionsschiff segelten Robert Falcon Scott und Ernest Shackleton in die Antarktis – ein Unternehmen, das als größtes Abenteuer der damaligen Zeit galt. Dafür wurde das bis dato stärkste Holzschiff gebaut.

          Heute ist die RRS Discovery ein Stück nautischer Nationalstolz und ein vielbesuchtes Museumsschiff. Wer an Bord geht, hört die Geschichte jener Männer, die den knarrenden Dielen ihr Leben anvertrauten. „1901 segelte die Bark zum südlichsten Punkt der Erde, wo sie Temperaturen von -25 Grad bis -50 Grad erwarteten und eine dreieinhalbmonatige Dunkelheit“, erzählt Tourguide Malcolm Howley und berichtet dann im Stakkato: „Das Schiff ist aus verschiedenen Hölzern gebaut und 139 Fuß hoch. Hier unten an Deck wirken die zahlreichen Vorrichtungen auf den Planken beim Laufen wie die reinsten Fußangeln. Der Rumpf hat mehrere Außenschichten, zwischen denen Salz gelagert wurde, um das eindringende Wasser zu absorbieren. Schwere Lasten und die Kohle mussten die Männer bei Seegang hin und her bewegen, um die Balance zu halten, und die Seile mussten zweimal pro Woche geölt werden. In der Antarktis fror das Schiff für knapp zwei Jahre fest, bis es sich wieder befreien konnte. Während der Hungerperioden hat die Mannschaft Pinguine gejagt und gegessen, Robben und verrotteten Fisch. Das Ganze wurde mit Rum, Whisky, Sherry oder Champagner runtergespült. Und ja, die Männer haben ihre Klamotten meist erst nach 95 Tagen gewechselt.“ Erst 1986 kehrte das Schiff zu den Dundonians zurück, doch die Dimension dieser abenteuerlichen Irrfahrt lässt sich nur ansatzweise erahnen.

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