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Indonesiens Inselwelt : Waran und Wirklichkeit

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Ein seltener Anblick: Nach dem Essen gehen die Warane gerne ein Runde baden. Meist aber sieht man sie nur faul in der Sonne liegen. Bild: Minden Pictures/Masterfile

Wer mit einem Segelboot durch die indonesische Insellandschaft schippert, erfährt Ungeheuerliches: über Vulkane, Tsunamis, Riesenechsen und den Ursprung der Evolution.

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          Um die Mittagszeit hatte sich über dem stillen Meer ein flirrender Dunst gebildet. Schon der Anblick machte einen genauso schläfrig, wie es dieses Meer in der prallen Sonne zu sein schien. Da war es gut, dass es an Deck der „Ombak Putih“ nur mit einer Plane überdachte, schattige Liegen gab, die einen mit dem Wasser ruhen ließen. Angenehm wehte dabei nichts als der Fahrtwind, und auch das Tuckern des Motors, der das Schiff über die windlose See trieb, fügte sich taktvoll in die müde Stille der indonesischen Insellandschaft.

          Die „Ombak Putih“ ist ein Motorsegelschiff mit zwölf Gästekabinen des Unternehmens Sea Trek. Spezialisiert auf Segeltörns zwischen den unüberschaubaren über 17000 indonesischen Inseln, hat Sea Trek mit der eher kleinen und überschaubaren „Ombak Putih“ den goldenen Griff getan. Denn so ruhig sie irgendwo zwischen der Java- und Floressee vor der nordwestlichen Küste Sumbawas dahinsegelte, so vertraut schien einem das Schiff mit seiner indonesischen Crew schon nach kürzester Zeit.

          Ein Leben am Rand der Pleite

          Was sehr gut war, denn irgendwann kam sie doch, die Hysterie, die mich an allen Orten der Theorie überfällt. Oder genauer: an jenen Orten, die zu schon mythischen Bezugspunkten der modernen Evolutionstheorie geworden sind. Die indonesischen wie die malayischen Inseln sind so etwas wie das Pendant und der Schatten der Galapagosinseln und Charles Darwins. Hier auf und zwischen den indonesischen Inseln hatte Alfred Russel Wallace in den 1850er Jahren die Entdeckungen gemacht, die ihn zu einem ersten Entwurf einer Theorie der Wandelbarkeit der Individuen und Arten veranlassten, die er, Wallace, dann an Darwin schickte, der daraufhin seine eigene Theorie beschleunigt veröffentlichte.

          Wer sich beim Betrachten der dösenden Warane langweilt, kann ja Vögel anschauen.

          Der Rest ist dann schnell erzählt. Während Charles Darwin und die Galapagosinseln weltberühmt wurden, wurde Wallace vergessen und nur noch in Fachkreisen diskutiert. In den Termini einer schon älteren, deshalb aber nicht weniger aktuellen Soziologie ausgedrückt: Der Schulabbrecher und Autodidakt Wallace, der die längste Zeit seines Lebens am Rand der Pleite stand und immer auf den Handel mit Naturalien, die er auf seinen Expeditionen sammelte, angewiesen blieb, hatte gegen den wohlhabenden und im Establishment bestens vernetzten Darwin nicht die besten Karten.

          Fragile Schönheiten im Pazifik

          Ein Ungleichgewicht, das sich im letzten Jahr, zum hundertsten Todestag von Wallace, unter anderem durch das Erscheinen der Wallace-Biographie des Evolutionsbiologen und Publizisten Matthias Glaubrecht etwas in Richtung des Gleichgewichts geändert hat. „Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace“ heißt das wunderbare Buch, das sich hervorragend als vorbereitende Lektüre für Reisen in die Inselwelt Indonesiens eignet. Und das auch, weil es von einem Bewusstsein für die fragile Schönheit dieser befeuert wird, die der in der Regel hochpreisige Ökotourismus nicht nur vor Galapagos weitgehend verloren hat.

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