https://www.faz.net/-gxh-7qz8d

Indonesiens Inselwelt : Waran und Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Die ersten Berichte erregten großes Aufsehen und verdunkelten lange den Blick auf die Tiere. Man deutete sie als überlebende vorzeitliche Riesensaurier und beschrieb sie mit Längen von bis zu zehn Metern. Dass der Autor zugab, mit dem Schätzen Schwierigkeiten zu haben, wurde dabei überlesen. Komodowarane werden höchstens drei Meter lang und sind auch keine feuerspuckenden Drachen. Allerdings ist ihre Zunge, wenn sie laufen, ständig sichtbar.

Der Überfall der Drachentiere

So war es denn auch bei dem ersten etwa einen Meter langen jungen Waran, den man um die auf hohen Holzstelzen stehenden Häuser der Parkwächterfamilien streifen sah. Im Laufen fuhr das Tier die schlangenähnliche, fleischige, lange, zweispitzige gelbe Zunge ständig ein und aus. Schlug sie nach rechts und links, befeuchtete seine Unterlippe und hielt den Kopf mal hoch, mal legte es ihn auf die Erde. Die Zunge dient zum Betasten und Beurteilen der Umgebung beziehungsweise der Beute. Mit der Zungenspitze werden die Geruchsstoffe zum Gaumen befördert und dort wahrgenommen. So können die Warane die Spur ihrer Beute verfolgen.

Besonders große Warane machen auf Komodo Jagd auf die vielzähligen Muntjaks, Wildschweine und - seltener - auch Wasserbüffel. Dabei überfallen sie die Tiere mit einem unglaublich schnellen Vorstoß, halten sie mit den kräftigen Kiefern fest und schütteln sie zu Tode. Kleine Nahrung würgen sie mit einem Schluck lebend herunter. Größere zerreißen sie mit ihren Fingern, die mit starken, scharfen Krallen besetzt sind. Haben sie gefressen, verdauen sie - auch darin Schlangen ähnlich - mehrere Tage. Dann liegen sie meist mit gespreizten Vorderbeinen, dem Körper und dem langen Schwanz auf dem Boden, blicken von Zeit zu Zeit hoch oder kühlen sich in einem See ab.

Schreie und Schreckensblicke

Und genau in diesem Zustand traf man die Tiere auf den beiden Spaziergängen durch die Parks auf Komodo und Rinca an. Begleitet von einem mit einem gegabelten Stock bewaffneten Führer, zählen die Wanderungen durch die Parks zu den schönsten überhaupt. Auch wenn die Bisse der Warane vor allem wegen der ungeheuren Zahl an Bakterien im Maul der Echsen für Menschen tödlich sein können, halten sich die Unglücksfälle in Grenzen. Seit 1987 gab es 15 Auseinandersetzungen zwischen Waranen und Menschen, von denen allerdings drei tödlich für die Menschen ausgingen, und natürlich sind das drei zu viel. Dafür gibt es in den Parks mittlerweile ein herausragend vorausschauendes Management im Umgang mit den Tieren, das dazu führt, dass sie Besucher wirklich nur zu verdauenden Tieren im satten Zustand führen.

Eine Praxis, die allerdings nach dem vierten Waran eine andere Gefahr mit sich bringt. So hatte man dann mehr nach oben zu den Kakadus, Krähen und Greifvögeln in den Bäumen und am Himmel gesehen als zu den dann doch sehr ähnlich dösenden Waranen. Bis man im Rückwärtsgang einem Drei-Meter-Riesen fast auf den Schwanz getreten wäre, was aber die Schreie und Schreckensblicke der Mitreisenden im wohl allerletzten Moment verhinderten. Aber irgendwie, dachte man dann, bleibt die potentielle Gefahr doch der letzte wirkliche Schutz dieser hier wirklich gut behüteten Tiere. Denn nur die nie ganz auszuschließende Gefahr ist es, die dem Tourismus die dringend benötigten Quotierungen auferlegt, die die Zuschauermengen begrenzen. Nur dadurch sind die mythischen Orte der Evolutionstheorie auch für die Zukunft zu retten.

Der Weg nach Indonesien

Anreise: Mit Singapore Airlines ab 900 Euro von Frankfurt über Singapur nach Praya, Lombok. Lufthansa oder KLM fliegen ebenfalls mit Stopps nach Indonesien. Für Schiffsreisen zwischen den Inseln: Sea Trek Sailing Adventures (www.seatrekbali.com). Eine siebentägige Tour mit dem Motorsegelschiff „Ombak Putih“ zwischen Flores - Komodo - Bali beginnt bei 1750 Euro pro Person.

Übernachtung: Auf Bali: „Ayodya Resort Bali“ (www.ayodyaresortbali.com), Doppelzimmer ab 130 Euro. Auf Moyo an der Floressee: das „Amanwana-Amanresort“ (www.amanresorts.com), 20 Luxuszelte in einem Camp unter dem Blätterdach des tropischen Waldes, Zelt ab 110 Euro pro Person pro Tag.

Weitere Informationen zu Reisen nach Indonesien finden sich unter: www.indonesia.travel oder www.tourismus-indonesien.de. Literatur Matthias Glaubrecht, „Am Ende des Archipels - Alfred Russel Wallace“, Galiani Berlin, 2013 Diese Reise wurde unterstützt von Visit Indonesia Tourism Officer und Singapore Airlines.

Weitere Themen

Umpacken im Kopf

Flugscham : Umpacken im Kopf

„Klimaneutral“ ist das neue „billig“ in der Luftfahrt – aber ob das mit Verboten, Anreizen oder Bäumepflanzen erreicht wird, ist unklar.

Topmeldungen

Nach Wahlsieg für Tories : Der nächste Boris

Sein Versprechen an die neuen Tory-Wähler ist auch eine Verpflichtung für Boris Johnson. Nach seinem fulminanten Wahlsieg könnte der britische Premierminister deshalb ganz anders daherkommen als gewohnt.

„Get Brexit done“ : Die Sehnsüchte sind vom Tisch

Großbritannien hat sich entschieden: Boris Johnson bleibt Premierminister – und soll das endlose Brexit-Thema schnell beenden. F.A.Z.-Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger ordnet im Video das Labour-Desaster und den großen Sieg der Konservativen ein.
Gelingt dem ehemaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache die Rückkehr in die Politik?

Zerreißprobe der FPÖ : Das Comeback des Heinz-Christian Strache

Vor zweieinhalb Monaten erst verkündete Strache seinen Rückzug, doch nun könnte der frühere Vorsitzende die FPÖ aufspalten. Wie ihm die Rückkehr in die österreichische Politik gelingen könnte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.