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Indonesiens Inselwelt : Waran und Wirklichkeit

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Hier, jetzt, vor den Inseln auf der „Ombak Putih“, traf mich die Anschauung der Theorie, das tatsächliche Erleben des Gelesenen, ziemlich unvorbereitet wie ein Schlag. Man war im Dunst der See an kleinen Inseln vorbeigesegelt, von denen eine karg bewachsen mit Sträuchern und vereinzelten Bäumen und gleich die nächste dann üppig grün bewaldet wie ein Dschungel erschien. Schön war dieser Kontrast vom moskitofreien Schiff aus anzuschauen.

Ein lebendes Wasserfossil

Man wäre in dieser Naturbeobachtung folgenlos dahingedämmert, wenn da nicht auf einmal der Motor gestoppt hätte und der Aufruf zum Anlanden ergangen wäre. Ausgebootet stand man dann mit den anderen Passagieren in der Mitte einer kleinen Vulkaninsel am Kratersee und blickte auf das herrlichst changierende Grün des Seewassers. Bis dann der Kollege und Kabinenzimmergenosse den Namen der Insel wie beiläufig aussprach: „Satonda.“ Mit der Nennung des Namens war dann Schluss mit Dämmer und Ruhe, und die Hysterie war da. Satonda, das war in der Biogeographie ein Hit. Weil das Wasser im Krater Salzwasser ist, das sich in einigen Komponenten vom umgebenden Meerwasser stark unterscheidet, hielt man es lange für eine Art Urmeerwasser. Ein lebendes Wasserfossil sozusagen aus der Zeit von vor „unserem“ Meerwasser. Das stimmte zwar nicht, war jetzt aber komplett egal, denn mit dem lebenden Fossil war man auf einmal in der Spur dieser Reise, und der Kabinengenosse nahm es merkwürdig gelassen hin, dass man ihn mit detailliertesten Ausführungen zur Geschichte der indonesischen Supervulkanausbrüche des 19. Jahrhunderts zulaberte wie im Rausch.

Bitte nicht streicheln: Das wäre für den Menschen noch unbekömmlicher als für den Waran.

Das Wasser wurde nämlich durch einen Tsunami infolge des bisher ungeheuersten Vulkanausbruchs in der Menschheitsgeschichte, des Tambora, 1815 in den Krater gespült und hat sich da zu dem extrem salzigen Gemisch entwickelt, das es heute ist. Der Tambora-Vulkanausbruch war um ein Vielfaches heftiger als der bekanntere und spätere des Krakatau, ebenfalls im Indonesien des 19. Jahrhunderts. Dass er trotzdem wesentlich unbekannter ist als der Krakatau, hängt schlicht damit zusammen, dass es 1815 noch keine Telegraphennachrichtentechnik gab, die den Ausbruch um die Welt hätte kabeln können, wie man es zu Krakatauzeiten schon konnte.

Mythen um tödliche Gefahren

Wie dem Wasser im Vulkan, das weder fossil noch besonders alt war, ging es anfänglich auch den Komodowaranen, denen der eigentliche Höhepunkt der Reise galt. Die Warane kommen als Letzte ihrer Art nur noch auf den kleinen Inseln Komodo, Rinca und Flores vor. Vor allem auf Komodo und Rinca leben sie streng geschützt in gut behüteten Nationalparks, die zum Weltnaturerbe zählen. Und das tun sie zu Recht. Die erst sehr spät, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, entdeckten und wissenschaftlich beschriebenen Warane sind von Mythen um Drachen, Feuerspeien und tödliche Gefahr umrankt.

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