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Dorfläden : Und ewig währt die Wurstsemmel

Seit 1875 ist Lebensmittel Auer in Familienbesitz, und Lili hält mit 92 Jahren immer noch die Stellung. Bild: Jan Roeder

Läden auf dem Dorf sind vielleicht nicht das Zentrum des Universums, aber schön ist es schon, sie zu haben: Wie Lilli und Luisa in der bayerischen Provinz für ihre Kunden da sind.

  • -Aktualisiert am
          8 Min.

          Wer zur Lilli will um eine Zeitung oder um ein Flascherl Desinfektionsmittel, der bremst auf dem Weg durch Grünbach, gegenüber vom Ortskern mit der Weißbier-Brauerei und der rosa getünchten Barockkirche, scharf ab. Vor dem schmucklosen Haus, auf dessen Fassade in großen, altmodischen Schriftzügen geschrieben steht: „Lebensmittel Auer“, rauscht auf der B388 der Verkehr vorbei, ein Auto und ein Laster am anderen, dazwischen hält dann und wann ein Bus. Mit lautem Zischen spuckt er einen einzelnen Fahrgast aus oder auch keinen. Jetzt sitzt an der Haltestelle eine alte Dame mit ihrem Rollator und schaut in die Gegend. Ein Montagvormittag in der bayerischen Provinz, nix los, alle sind in der Arbeit im nahen Erding oder am Flughafen oder gleich in München. Nur bei der Auer-Lilli im Laden gibt es so etwas wie menschliche Begegnung. Wenn einem denn der Sinn danach steht.

          Nach Meinung von Lilli kommt die menschliche Begegnung heutzutage zu kurz. „Früher hab ich als Erstes in der Früh gleich einmal zwanzig Wurstsemmeln hergerichtet, bevor die Pendler und die Lastwagenfahrer hereingedrängt sind“, erzählt die Ladeninhaberin, einundneunzig Jahre alt, eine zarte kleine Person. Ihr blauer Rollkragenpullover unter der weißen Kittelschürze leuchtet mit ihren Augen um die Wette. „Heut brauch’ ich das nicht mehr. Dafür kommen zu wenig Kunden.“

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