https://www.faz.net/-gxh-7pwu7

Tropenkrankheiten : Zika-Alarm!

  • -Aktualisiert am

Bei Rhesus-Affen wie diesen wurde 1947 in Uganda erstmals das Zika-Virus nachgewiesen. Bild: AP

Das Tropenfieber Zika ist kaum bekannt. Dennoch sollte man es ernst nehmen, weil es in aller Welt von Indien bis Polynesien immer wieder ausbricht.

          4 Min.

          In der Virologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, einem flachen Gebäude auf dem Klinikareal im beschaulichen Zentrum von Homburg, haben die Mediziner schon vieles gesehen. Die Mitarbeiter haben bei ihren Patienten ungewöhnliche Virusinfektionen im Blut nachgewiesen, alle vier Arten von Dengue-Fieber gefunden und Japanische Enzephalitis diagnostiziert. Aber was Jürgen Rissland, Leitender Oberarzt der Virologie, dann an einem Tag im Dezember des vergangenen Jahres auf dem Bildschirm seines Laborautomaten zu sehen bekam, stellte selbst den erfahrenen Mediziner vor ein Rätsel. „Zuerst deutete alles auf eine Dengue-Infektion hin“, sagt Rissland. Doch irgendetwas schien anders.

          Weil der Oberarzt seine Zweifel hatte, schickte er die Blutprobe an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Wenig später stand fest, dass es sich um einen Erreger handelte, der noch nie bei einem Patienten in Deutschland nachgewiesen worden war. „Die Symptome einer Infektion mit dem Zika-Virus sind jenen des Dengue-Fiebers sehr ähnlich. Klinisch können wir sie kaum auseinanderhalten“, sagt Rissland. Hinzu kommt, dass Zika hierzulande noch nahezu unbekannt ist.

          Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag

          Die besagte Blutprobe stammte von einem 53-jährigen Thailand-Rückkehrer. Der Mann hatte im November 2013 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin eine dreiwöchige Rundreise durch das asiatische Land gemacht. Nach einigen Tagen schwollen seine Fußgelenke an und begannen zu schmerzen. Zudem litt der Urlauber unter Fieber, Schüttelfrost und Hautausschlägen auf Rücken und Brust. Später weitete sich der Ausschlag auf Arme, Beine und Gesicht aus. Begleitet wurden diese Symptome von Kopfschmerzen und Übelkeit. Der Patient behandelte sich selbst in Eigenregie mit schmerz- und fieberstillenden Mitteln. Nach einigen Tagen klangen die Beschwerden wieder ab. Auf Drängen seiner Lebensgefährtin ließ sich der Mann nach ihrer Rückkehr aus Thailand trotzdem noch in Homburg untersuchen - mit bekanntem Ergebnis.

          Das Virus, das diese Beschwerden auslöst, ist zwar kaum erforscht, aber bereits seit Jahrzehnten bekannt. Erstmals entdeckt wurde es 1947 bei einem erkrankten Rhesus-Affen im Zika-Wald in Uganda, wodurch das Tropenfieber zu seinem Namen kam. Im Jahr 1964 wurde erstmals die Infektion eines Menschen detailliert beschrieben. Fast vierzig Jahre lang fiel die Krankheit mit wenigen Einzelfällen in einigen afrikanischen und asiatischen Ländern auf, darunter Ägypten, Uganda, Tansania, die Zentralafrikanische Republik, Senegal, Nigeria, Sierra Leone, Gabun, Indien, Indonesien, Thailand, Vietnam, Malaysia und die Philippinen. Dann, im Jahr 2007, wurde das Virus erstmals außerhalb von Afrika und Asien entdeckt: Auf der Insel Yap in Mikronesien wurden damals mindestens 49 Menschen infiziert, 59 weitere standen unter Verdacht, und vermutlich stammte der Erreger dieser Epidemie aus Südostasien.

          Weitere Themen

          Im Grenzbereich

          Deutschland : Im Grenzbereich

          DDR – was war das? Für Menschen unter dreißig ist die Mauer meist nur Stoff aus dem Geschichtsunterricht. Höchste Zeit also, sich dem Thema zu nähern. Klimafreundlich, mit dem Rad.

          Augen auf!

          Papua-Neuguinea : Augen auf!

          Der Lake Murray im Westen Papua-Neuguineas ist fast viermal so groß wie der Bodensee – ein Binnenmeer, an das weder Straßen noch Gleise führen. Liegt das am Monster, das dort leben soll?

          Topmeldungen

          Die Köpfe hinter der Marke: Porsche-Design-Geschäftsführer Jan Becker (rechts) und Design-Chef Roland Heiler

          Porsche-Design-Chefs : Wann ist ein Mann ein Mann?

          Porsche Design steht für Männlichkeit, Geld und Stil. Im Interview sprechen die Chefs der Marke über neue Rollenbilder, gläserne Garagen – und anderen Luxus, den die Welt nicht braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.