https://www.faz.net/-gxh-7wdt8

Bekleidung in der Sauna : Was haben Sie denn an?

  • -Aktualisiert am

So ohne alles ist es doch am gemütlichsten, finden viele Deutsche. Aber wollen die anderen das auch alles so genau wissen? Eben nicht Bild: LAIF

Die Bekleidungsfrage wird immer dann zum Streitthema, wenn die Saunakulturen des Südens und des Nordens aufeinanderprallen. Ob etwas oder nichts, die Bekleidungsfrage wird heiß diskutiert.

          3 Min.

          Der Herr aus Kassel kennt sich aus in der Welt des tropfenden Schweißes: Seit 15 Minuten sitzt er breitbeinig auf der obersten Stufe der Hotel-Sauna im Südtiroler Ferienort Gröden. Natürlich nackt. Jetzt betritt ein italienisches Pärchen die Schwitzstube. Natürlich in Badehose und Bikini. Der Deutsche runzelt die Stirn: „Scusa, nudo!“, radebrecht er. Die Italiener tun so, als ob sie ihn nicht verstehen. Die Luft knistert, und es liegt nicht nur an den 90 Grad Innentemperatur. Der Nackedei aus Kassel probiert es jetzt auf Englisch: „Textile-free zone!“, ruft er. Der Italiener antwortet so kurz wie unmissverständlich: „No!“ Später sieht man das Trio aufgeregt mit der Hoteldirektion diskutieren.

          Dass Männer und Frauen zusammen splitternackt schwitzen, ist eine deutsche Spezialität, für die sich nur noch Urlauber aus den Benelux-Staaten, aus Österreich und der Schweiz erwärmen können, vielleicht auch noch Osteuropäer. Slowenen tragen meist nicht einmal Badelatschen. Die Franzosen, wie es heißt Weltmeister der Erotik, werden dagegen im hölzernen Séparée plötzlich prüde. In den katholischen Ländern Südeuropas kommt es ohnehin nicht in Frage, sich öffentlich nackig zu machen. Man geht brav getrennt und meist auch mit „costume“ in die Heißzelle, sofern es im Ferienhotel überhaupt eine gibt. Selbst in Finnland, dem Mutterland der Sauna, wird das so gehandhabt, zumindest in öffentlichen Einrichtungen. Im Hamam in islamischen Ländern trennen sich die Wege für die Geschlechter spätestens am Eingang, und man nutzt ein Pestemal genanntes Tuch zur Verhüllung der Scham. In den angelsächsischen Ländern würde man vermutlich in Handschellen abgeführt, wollte man eine Sauna oder ein Dampfbad nackt betreten. Und „mixed“, gemischt, ist hier allenfalls der Beilagensalat.

          Sind die Deutschen in der Überzahl, fallen die Hüllen

          Polyglotte Urlauber kennen die ländertypischen Regeln. Zu Missverständnissen kommt es jedoch dort, wo die Saunakulturen des Südens und Nordens ungebremst aufeinanderprallen. Und das sind nun einmal das italienische, aber deutschsprachige Südtirol und das angrenzende Trentino mit dem nördlichen Gardasee. In Michil Costas Luxushotel „La Perla“ in Corvara und der Therme Meran wird nackt geschwitzt, im „Adler Dolomiti Spa & Sport Resort“ in Gröden in Badekleidung. Sind die Deutschen in der Überzahl, fallen oft die Hüllen. Die Schmerzgrenze der teutonischen Urlauber ist in der Regel erst dann erreicht, wenn der Chef wider Erwarten im selben Hotel eincheckt. Locker geht es auch in Hotels wie dem „Du Lac et Du Parc Grand Resort“ in Riva del Garda zu, wo die mehrheitlich sportlichen Gäste ihre Luxuskörper gern freizügig präsentieren. Noch weiter südlich wird man in Italien jedoch kaum FKK-Freunde finden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kommt es zum neuen Kalten Krieg zwischen China und den Vereinigten Staaten?

          Amerika gegen China : Ein Planet – zwei Welten

          Internet, Finanzsystem und Forschung: Wie im Kalten Krieg droht die Welt wieder in zwei Blöcke zu zerfallen. Wie sich das anfühlen würde, wird immer greifbarer.
          „Monte Kali“: Die Abraumhalde bei Heringen im hessisch-thüringischen Grenzgebiet

          Kalisalzabbau in Thüringen : Der salzigste Fluss Europas

          Die Entsorgung von Abwasser aus dem Kalibergbau in Werra und Weser sollte längst vorbei sein. Aber der Bergbaukonzern K+S beantragt immer wieder eine Verlängerung – sehr zum Ärger Thüringens.

          Öl-Katastrophe : Frachter vor Mauritius auseinandergebrochen

          Der aufgelaufene Frachter bescherte Mauritius die schlimmste Öl-Katastrophe, die der Inselstaat je erlebt hat. Nun hat es das Schiff in zwei Teile zerrissen. 1000 Kilometer vor der Küste soll der Bug versenkt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.