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Bekleidung in der Sauna : Was haben Sie denn an?

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In Südtirol und im Trentino überlegen einige Hotels sogar getrennte Bereiche für Italiener und Deutsche einzurichten, um den Zusammenstoß der Kulturen abzufedern. Die Touristiker von Südtirol Marketing halten das zwar für keine gute Lösung, aber eine bessere Idee, wie das Problemchen aus der Urlaubswelt zu schaffen wäre, haben auch sie nicht. Hansjörg Ainhauser, Präsident des Tourismusvereins Schenna in Südtirol und selbst Hotelier, sagt: „Bei uns ist die deutsche Saunakultur weiter verbreitet als die italienische. Aber wir müssen als Gastgeber beide Kulturen respektieren. Einige größere Häuser geben körperbedeckende, antibakterielle Sauna-Kilts aus oder weisen einen eigens gekennzeichneten, nicht-textilfreien Familien-Saunabereich aus.“

Strikte Geschlechtertrennung in internationalen Häusern

Über die Bruchlinien der Badekulturen den Kopf zerbrechen darf sich auch die Schweizer Luxushotellerie. Grundsätzlich gilt dort: Je nobler und internationaler das Haus, desto sensibler das Thema. So praktizieren etwa das „Dolder Grand“ in Zürich und das „The Alpina“ in Gstaad eine strikte Geschlechtertrennung. Ökonomisch ist das zwar nicht, weil sämtliche Einrichtungen dupliziert werden müssen und eine Saunalandschaft dadurch selten großzügig wirkt. Aber die Hoteliers haben dabei eben die lukrativen Zielgruppen aus Indien und dem Mittleren Osten im Blick. Im noch neuen „The Chedi“ in Andermatt gibt es zwar eine gemischte Sauna, wer diese jedoch „unten ohne“ betritt, wird schnell einen etwas peinlich berührten Spa-Bediensteten in der Holztür stehen sehen, der einem freundlich, aber bestimmt ein Handtuch anbietet.

Im „Kulm“ in St. Moritz und im „Kronenhof“ in Pontresina wurde die Geschlechtertrennung in der textilfreien Zone wieder aufgehoben, nachdem deutschsprachige Gäste dagegen rebelliert hatten. Deren Argument: „Ich will mit meinem Schatz gemeinsam schwitzen!“ Für Frauen gibt es jetzt in beiden Fünf-Sterne-Häusern eine separate Sauna mit Ruheraum. Für Männer übrigens nicht. Ihnen wird damit unterstellt, dass sie quasi schon von Geschlechts wegen nichts gegen nackte Tatsachen einzuwenden haben. Männer aus islamischen Ländern könnten da anderer Meinung sein.

Eine nicht-repräsentative Umfrage zeigt: Alles ist möglich. Gemischt ohne Kleider, Frauen ohne Kleider, Männer ohne Kleider, gemischt mit Kleidern, spezielle Zeiten nur für Frauen. Vielleicht brauchen die anderen Nationen ja einfach noch etwas Zeit, um sich damit anzufreunden. Emmi und Robert Falch, Senior-Chefs des Aparthotels „St. Anton am Arlberg“ in Tirol, ließen zum Beispiel bereits 1953 die erste öffentliche Sauna Westösterreichs bauen. Das galt damals als anrüchig, fast wurden die Falchs vom Kirchenbesuch verbannt. Doch die Freunde des gesunden Schwitzens, angeführt von Kammersänger Rudolf Schock und Tiefseetaucher Hans Hass, formten eine starke Lobby. Auch die Skiläufer genossen nach den Weltcuprennen gerne die Falchsche Schwitzkammer. Heute sind textilfreie Saunen in ganz Österreich Standard. Ebenso wie in Deutschland, wo sich selbst der ehemalige G-8-Gastgeber „Grand Hotel Heiligendamm“ und der künftige G-7-Gastgeber „Schloss Elmau“ für die „gemischte Zone“ begeistern können. Wer dann dort in welcher Bekleidung in die Hitzekammer steigt, das möchte man am Ende aber irgendwie auch nicht so genau wissen.

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