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Südkoreanisches Spa : Dem Glück saunah

Hier ist man noch nackt, die Schwitzkur kommt später: warme Wasserbecken im Außenbereich des „Spa Land Shinsegae“. Bild: S. Wakanabe

Die Koreaner haben die beste aller Saunakulturen: Handys, Essen und Trinken sind erlaubt – und gestarrt wird auch nicht.

          3 Min.

          Wenn Menschen sich entkleidet haben, verstehen sie sofort weniger Spaß. Nur so ist es zu erklären, dass jedes Land seine eigene Saunakultur entwickelt hat, die es stur durchzieht: Finnland praktiziert Geschlechtertrennung und erlaubt Bier in den Pausen, Deutschland toleriert Unterhaltungen allenfalls im Flüsterton, und Frankreich schreibt Badebekleidung vor, die bei 90 Grad einen ähnlichen Effekt entwickelt wie ein Bratschlauch und anschließend auch ähnlich intensiv riecht.

          Jeder sauniert anders, das lernt man im Ausland schnell. Damit eine Sauna-Erfahrung sich exotisch anfühlt, muss also einiges passieren. Willkommen im Jjimjilbang, dem traditionellen koreanischen Badehaus: Früher war es die Gemeinschaftsdusche fürs ganze Viertel, heute ist es auch für Touristen mit kleinem Budget mehr als eine Sauna, weil man in den Schlafsälen günstig übernachten kann. Aber das ist nur die volkstümliche Variante; inzwischen hat sich auch eine edle Spa-Version des Jjimjilbang entwickelt. Der wesentliche Punkt bleibt gleich: Man schwitzt angezogen.

          Zum Beispiel im „Spa Land Shinsegae Centum City“ in Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas, mit dem Zug zweieinhalb Stunden südöstlich von Seoul. Die schicke Hafenstadt bietet einen traditionsreichen Fischmarkt auf der einen und den Blick auf Hochhäuser voller Luxuswohnungen auf der anderen Seite, außerdem Tempel und Strände – und eben jenes Spa, das in einem riesigen Kaufhaus liegt. Am ersten Spind schließen wir unsere Schuhe ein, von da an geht es barfuß weiter. An einer Kleiderausgabe, die an Militärfilme erinnert, werden wir taxiert und bekommen von einer freundlich lächelnden älteren Dame Hose und Oberteil aus verwaschener Baumwolle in unseren Größen gereicht. Angeblich in unseren Größen zumindest, aber das ist nicht so wichtig, schließlich wird die Hose sowieso mit einer Schnur über den Hüften gebunden und sollte nicht eng anliegen. Das Einzige, was sich noch heißer anfühlen könnte als Kleidung in der Sauna, ist enge Kleidung in der Sauna.

          Das „Spa Land Shinsegae“ in Busan: Entspannung zwischen Rosenquarzsteinen

          Von dort aus geht es in die eigentliche Umkleide. Wir legen die Baumwollkluft gemeinsam mit unserer Straßenkleidung beiseite, denn erst mal bleiben wir im Damenbereich, und der ist textilfrei. In einem großen, rundherum stumpf grau gefliesten Raum mit dampfiger Luft sitzen Frauen in verschiedenen Becken mit Wasser aus zwei unterirdischen Quellen – das Wasser der einen soll Haut und Haare schöner machen, das andere die Blutzirkulation verbessern. Zuvor wird allerdings geduscht, und nicht nur das: Auf einem Hocker vor einer niedrigen Duschbrause schrubbelt eine Besucherin sich die Füße ab, eine andere läuft mit Zahnbürste im Mund durch die Gegend. Es ist Samstagabend, einige der Frauen machen sich offenbar hier ausgehfein, statt nach der Arbeit noch mal nach Hause zu fahren. Es herrscht eher Gewusel als Ruhe, deshalb ziehen wir uns nach zwei sprudelnden Wasserbecken und einem Ausflug in den Außenbereich wieder an: Die graue Hose bedeckt die Beine bis über die Knie; das weinrote Oberteil reicht bis zu den Ellbogen.

          Leicht ist der Stoff nicht gerade. Deshalb sind wir erleichtert, als wir die Saunalandschaft betreten: Die Saunen sind weniger heiß als erwartet. Man schwitzt hier bei Temperaturen um die 55 Grad, manchmal höher, wie in der Kohlesauna, manchmal niedriger, wie im Elektronenraum, der den Stoffwechsel ankurbeln soll. Die römische Sauna erreicht nicht einmal 40 Grad. Das Schwitzen steht hier nicht im Vordergrund, stattdessen hat jeder Raum eine andere Funktion, die zu Schönheit und Wohlbefinden beitragen soll. Die Begründungen reichen von irgendetwas mit Universalenergie bis zu Ocker, der Bakterien bekämpfen soll. Hübsch sind die Saunen allemal, originell, gepflegt und pieksauber.

          In den Tauchbecken weicht man sich für die späteren Saunen allmählich auf.

          Die vergleichsweise niedrigen Temperaturen sind sehr praktisch für die Hauptbeschäftigung der Besucher: Wer hier ohne Smartphone auf dem Boden zwischen Rosenquarzsteinen liegt, ist eindeutig zum ersten Mal da oder betreibt gerade Digital Detox. Alle anderen legen das Handy kaum aus der Hand – warum auch, die Dusche zwischen den Saunagängen entfällt. Stattdessen stehen wir einige Minuten im Eisraum, der etwa die Temperatur hat, nach der man sich im Sommer in Asien sowieso sehnt: als stünde man vor einer geöffneten Kühltruhe. Danach ruhen die Besucher auf bequemen Liegen oder auf dem gefliesten Fußboden in einem nur mit Balken vom Spa-Bereich abgegrenzten Raum, in dem ein Fernseher läuft. Mit Ton. Entspannung ist eben für jeden etwas anderes.

          Außerdem erkennt man die Insider an ihrer Kopfbedeckung. Es mag kontraintuitiv klingen, in der Sauna zur Baumwollkluft auch noch etwas auf dem Kopf zu tragen, aber das Bedürfnis nach Niedlichkeit siegt: Echte Profis legen sich ein kleines Handtuch der Länge nach gefaltet quer auf den Kopf und schlagen die Enden dann kreisförmig um. Das Ergebnis sieht aus wie eine Anime-Version von Prinzessin Leia oder wie ein äußerst freundlicher Widder. Es wird auch munter fotografiert in der Sauna, schließlich sind alle ordnungsgemäß bekleidet.

          Eine Snackbar im Mittelschiff rundet den Eindruck ab: Eigentlich haben die Südkoreaner die beste aller Saunakulturen entwickelt. Handys sind erlaubt, Essen und Trinken sind erlaubt, und gestarrt wird auch nicht. Bekleidete Körper sind eben nicht halb so spannend wie nackte, und die Uniformität der Kleidung macht sie vollends uninteressant. Dafür bieten die 13 verschiedenen Themensaunen viel Abwechslung. Nur das mit dem Schwitzen, das funktioniert hier nicht recht. Die meisten Saunen sind dafür schlicht zu kühl. Das „Spa Land Shinsegae“ ist also eher ein Erlebnispark mit großzügig aufgedrehter Heizung. Aber einer, in dem man sich gut entspannen kann – wenn man den Ruheraum mit dem Fernseher meidet.

          Mehr Informationen

          Anreise: Flüge nach Seoul täglich, z.B. mit Asiana Airlines ab Frankfurt

          Veranstalter: Verschiedene Rundreisen hat beispielsweise Tischler Reisen im Programm: tischler-reisen.de.

          Sauna: Das „Spa Land Shinsegae Centum City“ in Busan hat täglich von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Vier Stunden kosten ab 13 Euro (shinsegae.com).

          Weitere Informationen unter visitkorea.or.kr

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