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Kleine Antillen : Maria, was hast du angerichtet?

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Holzhacken unter tropischen Bedingungen

Morgens um 7.30 Uhr ist Lörners Pick-up schon mit Motorsägen, Sprit, Öl, Macheten und Hebehaken zum Anheben abgesägter Baumstämme gepackt. Nach 40 Minuten Fahrt durch das höher gelegene Gartenland, in dem schon wieder Bananen- und Kaffeepflanzen sowie Passionsfrüchte, Kakao und Papaya wachsen, geht es zu Fuß weiter. Ausrüstung und Proviant müssen drei Kilometer auf dem bereits frei gemachten Pfad zum Einsatzort geschleppt werden. Schon dann sind alle erschöpft. Doch die Arbeit beginnt erst. Mächtige Baumstämme, abgedrehte Kronen sowie jede Menge hartnäckige Rankgewächse lassen den Trail kaum erkennen. Nicht nur die Kettensägen laufen heiß, Schweiß brennt in den Augen. Immer wieder müssen alle gemeinsam anpacken, um Hindernisse aus dem Weg zu rollen.

Nach fünf Stunden sind 300 Meter und alle Arbeiter geschafft. Auch dem 60-jährigen Uwe Willme, der – wenn er nicht gerade Urlaub macht – in Nordrhein-Westfalen als Ingenieur für ein Trinkwasser-Untersuchungslabor arbeitet, sieht man die Arbeit an. „Wenn ich schon in so ein gebeuteltes Land fahre, will ich wenigstens ein bisschen zurückgeben“, begründet er seinen Einsatz, „zumal die Infrastruktur für Tauchen oder Whale Watching längst noch nicht steht.“ Nach getaner Arbeit schmeckt das eiskalte Bier in der Bar des „Tamarind Tree“-Hotels besonders gut. Nur Lörner hat keine Zeit. Er will noch ein paar Solarmodule auf seinem neuen Dach verlegen. Denn auf Dauer eigenen Strom mit dem Dieselgenerator zu erzeugen, ist nicht nur laut und stinkend, sondern auch sehr teuer. Und an das öffentliche Stromnetz wird sein Hotel nach „Maria“ wie viele andere Orte auf Dominica in diesem Jahr wohl nicht mehr angeschlossen. Lörner: „Das schaffen die nie.“

Anders als Lörner, dessen Hotel und Garten die Verwüstungen kaum noch anzusehen sind, steht Yvonne Armour Hill noch am Anfang. Von ihrem „Aywasi Kalinago Retreat“, inmitten üppiger Vegetation direkt über dem Meer, hat „Maria“ wenig übriggelassen. Nur ein paar Balken ragen aus dem Boden. „Drei Häuser werden im nächsten Jahr wieder stehen“, sagt die zierliche Frau, deren Familie im Kalinago Territory im Nordosten der Insel verwurzelt ist. Hier leben rund 3000 Ureinwohner Dominicas, und hier will sie zusammen mit ihrem Mann das Retreat wenige Meter vom Kulturzentrum „Barana Aute“ entfernt wiederaufbauen. Sie setzt auf sogenannten community based tourism. Dabei haben die Einheimischen nicht nur engen Kontakt zu den Gästen, sie sollen auch vor allem wirtschaftlich profitieren. „Die Touristen werden nicht nur Geld ins Territory bringen, wir werden qualifizierte Arbeitsplätze schaffen“, so Hill.

Der Unternehmerin liegt das Thema Ausbildung am Herzen. Deswegen unterstützt sie eine neue Schule, in der neben Mathe und Englisch die Kultur der Kalinago einen festen Platz im Lehrplan hat. Vielleicht, so hofft sie, kommt dann irgendwann die Sprache der Kalinago zurück, die nicht mehr gesprochen wird, von der aber noch ein Wörterbuch aus Kolonialzeiten existiert. „Nur eins darf in den nächsten Jahren nicht passieren“, sagt Hill, „einen weiteren Hurrikan der Kategorie fünf würden wir nicht verkraften.“ Dann drohe Dominica ein Schicksal wie Barbuda. Dort mussten im vergangenen Jahr alle Bewohner wegen Hurrikan „Irma“ die Insel verlassen.

Der Weg nach Dominica

Anreise Es gibt keine Direktflüge von Europa. Direkte Verbindungen nach Dominica gibt es von Puerto Rico, Antigua, Barbados, St. Lucia, Martinique, Guadeloupe und St. Maarten. Ab Frankfurt mit Condor (ab November) samstags nach Martinique, dann von dort aus mit der Fähre „Express-des-Îles“ (www.express-des-iles.com/) weiter nach Dominica, Zwischenübernachtung auf Martinique erforderlich: Preise ab 660 Euro für den Langstreckenflug und 118 Euro für die Fähre (Hin- und Rückfahrt). Oder via Paris und Guadeloupe mit Air France (Zwischenübernachtung beim Hinflug) und weiter mit Air Antilles Express (www.airantilles.com) nach Dominica: Preise ab 445 Euro für den Langstreckenflug und ab 143 Euro für die Kurzstrecke

Hotels „3-River-Lodge“ ab 70 Dollar/Cottage, „Tamarind Tree Hotel“ ab 108 Dollar/Doppelzimmer, „Fort Young Hotel“ ab 207 Dollar/Doppelzimmer

Voluntourism In der „3-River Lodge“: www.3riversdominica.com/rates-packages/voluntourism-adventure-combo-package/ oder dominicaupdate.com/voluntourismus-auf-dominica/

Weitere Informationen www.discoverdominica.com

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