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Kleine Antillen : Maria, was hast du angerichtet?

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Jan-Willem Wegdam von der UN-Hilfsorganisation „International Organisation for Migration“ (IOM) steht am Rande einer Informationsveranstaltung zum hurrikansicheren Bau von Hausdächern in dem Fischerort Dublanc. An den Nachbartischen und an dem Modelldach mit vielen Dachsparren, auf denen die Wellblechauflage eng verschraubt und nicht genagelt ist, beraten seine Mitarbeiter etwa 80 Ratsuchende. Für besonders Bedürftige wie Rentner oder kinderreiche Familien übernimmt IOM sogar den Dachbau. „Das war zunächst nicht einfach“, berichtet Wegdam, „direkt nach ,Maria‘ fehlten uns nicht nur Material und qualifizierte Handwerker. Sie hatten die Insel größtenteils verlassen. Die Regierung verschärfte auch immer wieder ihre Bauvorschriften, was uns zeitweise lähmte.“ Weil das nicht nur die IOM betraf, sondern Wegdam zufolge alle Organisationen, die Dächer bauen, wird es nun schwierig, die Arbeit vor der nächsten Hurrikan-Saison zu beenden.

Uwe Willme ist gekommen, obwohl die Insel noch vielerorts zerstört ist.
Uwe Willme ist gekommen, obwohl die Insel noch vielerorts zerstört ist. : Bild: Jens Kuhr

Dominica müsste für einen klimaresistenten Wiederaufbau das Rad nicht neu erfinden, das zeigen nicht nur die Häuser mit Betondächern, in denen während der Schreckensnacht viele Menschen Schutz fanden, sondern auch die Gebäude des aus der Kolonialzeit stammenden Fort Shirley im Norden. Das Fort ist die größte historische Sehenswürdigkeit der Insel und hat „Maria“ ohne Schaden überstanden. Dass das Gebäudeensemble im Nationalpark Cabrits heute besichtigt werden kann und als Gruppenunterkunft mit traumhaftem Blick auf die Prince Rupert Bay zu mieten ist, verdankt es Dr. Lennox Honychurch.

30 Jahre hat er sich zunächst politisch für die originalgetreue Rekonstruktion des Forts eingesetzt und sie mit Hilfe von EU-Fördermitteln selbst realisiert. Auch vor dem Bau seines eigenen Hauses hat Honychurch die Pläne studiert, die die Kolonialherren für Gebäude in Hurrikan-Gebieten vorsahen. Dachstuhlkonstruktion, wuchtige, winddurchlässige Lamellen vor den Fenstern und selbst die sogenannte „Cochrane“, einen Raum, der so stabil ist, dass er selbst dann Schutz bietet, wenn der Rest des Hauses zerstört wird, hat er sich dort abgeschaut. „Maria“ konnte ihm nichts anhaben.

Der Strom kommt zurück.
Der Strom kommt zurück. : Bild: Jens Kuhr

In Shorts und kurzärmligem Hemd steht der bärtige Mann im Schatten eines uralten Tamarindenbaums vor den Mauern des Offizierskasinos von Fort Shirley und blickt zum Morne Diablotins, dem mit 1447 Meter höchsten Berg Dominicas. „Nach ,Maria‘, war alles braun“, sagt er, „aber an der Küste erholt sich die Natur schnell. Je weiter es nach oben geht, umso länger dauert es.“ Im höher gelegenen Regenwald waren nicht nur die Salzwassermassen, die „Maria“ aus dem Meer sog und über der Insel abwarf, tödlich für die Bäume, sondern auch die vom Hurrikan umhergeschleuderten Äste, die die Rinden der Bäume schälten.

Hier unten, um das Fort herum ist es schon fast wieder so grün wie vor dem Hurrikan. Selbst die Wanderwege sind dank eines zehnköpfigen Helferteams aus Kuba komplett frei. Für ein anderes Leuchtturmprojekt, den 184 Kilometer langen, die Insel von Süden nach Norden in 14 Tagesetappen querenden Waitukubuli National Trail, gilt das nur zum Teil. Für einige Abschnitte dieses Weges haben Hotels nach „Maria“ Patenschaften übernommen. Um die 11. Etappe kümmert sich der Inhaber des „Tamarind Tree“-Hotels bei Salisbury an der Westküste, Stefan Lörner, zusammen mit seinen Volunteers und einem eigens für das Freischneiden des Weges eingestellten Forstarbeiter.

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