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Kleine Antillen : Maria, was hast du angerichtet?

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Winston helfen die Freiwilligen, sein Geschäft wieder aufzubauen. Dafür bezahlen sie weniger, um das seit 1978 unabhängige Land kennenzulernen: „Einen Tag Arbeit, und am nächsten Tag führe ich sie über die Insel.“ Viele Sehenswürdigkeiten sind schon wieder gut zu erreichen, etwa der mit rund 70 Metern Durchmesser zweitgrößte kochende See der Erde, der Boiling Lake, natürliche Pools wie der Emerald Pool im Hochland oder der Indian River, der Disney vor ein paar Jahren als Kulisse für den zweiten Teil von „Fluch der Karibik“ diente. Winston will, dass auch die umliegenden Dörfer von den Touristen profitieren, und vermittelt seine Gäste gerne weiter. So baute ein Tischler aus Deutschland schon neue Schränke für die Schule im nahen La Plaine, und eine Physiotherapeutin behandelte dort die Verspannungen von älteren Menschen. Bedenken, dass der Volunteer Tourism den Einheimischen Arbeit wegnimmt, hat Winston nicht. „Im Gegenteil“, sagt er, „viele ausgebildete Leute sind weggegangen, die Arbeit blieb liegen. Die Volunteers schaffen sogar Arbeitsplätze, weil sie helfen, den Tourismus wieder in Gang zu bringen.“

Der Wald, von Sturm und Salzwasser ramponiert.
Der Wald, von Sturm und Salzwasser ramponiert. : Bild: Jens Kuhr

Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Dominicas. Während der ITB im März in Berlin sagte Colin Piper, Chef der dominikanischen Fremdenverkehrsorganisation, dass auch seine Regierung nach „Maria“ auf den Volunteer Tourism setze. Anders wird es zunächst gar nicht gehen. Nur 243 Hotelzimmer und damit rund ein Viertel der Gesamtkapazität Dominicas hat „Maria“ laut Piper verschont. Vieles ist, wenn überhaupt, nur provisorisch repariert. Volunteers geben sich schon einmal mit Unterkünften ohne W-Lan, heißer Dusche und zuverlässigem Strom zufrieden.

Sie sind weniger anspruchsvoll als stressgeplagte, erholungssuchende Urlauber, für die Dominica vor dem Hurrikan wegen der heißen Quellen, der überbordenden Natur und der exotischen Früchte ein Traumziel war. Letztere werden jetzt importiert. Anders als Knollen wie Süßkartoffeln, Yams und die Nationalwurzel Dasheen, die auf den Märkten gut zu bekommen sind, fielen Avocados, Mangos und Bananen dem Hurrikan ebenso zum Opfer wie Orangen, Grapefruits und Papayas. Die ersten Bananen werden wohl in einem Jahr wieder zu ernten sein, bei Grapefruits und Avocados dauert es noch fünf Jahre. Auch der Wiederaufbau der Gebäude zieht sich hin. 20 000 Häuser brauchen ein neues Dach, bevor im Juli die nächste Hurrikan-Saison mit Starkregen und Sturm droht.

Das Unheil kam mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern über Dominica.
Das Unheil kam mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern über Dominica. : Bild: Jens Kuhr

Der Aufbau lässt auf sich warten

Ministerpräsident Roosevelt Skerrit kündigte direkt nach der Katastrophe vor der UN-Vollversammlung an, Dominica als erstes „klimaresistentes Land“ der Welt wiederaufzubauen. Selbst Oppositionsvertreter erkennen an, dass er damit viele internationale Hilfsgelder einsammeln konnte. Zu sehen ist vom versprochenen Aufbau allerdings nicht viel. Im Gegenteil: Während an vielen Häusern ohne Kontrolle von Bauvorschriften gehämmert und gesägt wird, um Dachstühle zu reparieren und offensichtlich ist, dass sich die auf die Sparren genagelten Wellblechplatten beim nächsten Hurrikan wieder lösen werden, hat die Regierung Hilfsorganisationen offenbar daran gehindert, die Gebäude zügig und sicher wiederaufzubauen.

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