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In Frankreichs Provinz Berry : Händchenhalten mit dem Kolibri

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Einer der Romanschauplätze in Berry: Die Mühle von Angibault.
Einer der Romanschauplätze in Berry: Die Mühle von Angibault. : Bild: Rob Kieffer

Heute ist das schmucke Anwesen in Staatsbesitz und Pilgerstätte für George-Sand-Fans aus aller Welt. In den Gartenanlagen wacht eine hundertjährige Eibe über das Grab der 1876 im Alter von einundsiebzig Jahren verstorbenen Autorin. Der üppig bepflanzte Park mit seinen Laubengängen und Kiesalleen und das samtene, güldene Interieur sind im Originalzustand konserviert. Sand hatte die Tradition der disput- und diskursfreudigen Pariser Salons in die Provinz verpflanzt. Obwohl sie couragierte Anklagen gegen bürgerliche Konventionen verfasste, war sie als wohlhabende Gutsbesitzerin aristokratischen Pläsiers nicht abgeneigt. Davon zeugt nicht nur der mit Sèvres-Porzellan gedeckte Diner-Tisch unter einem Leuchter aus Murano-Kristall. Handgeschriebene Namenskärtchen erinnern an illustre Gäste wie Franz Liszt, Eugène Delacroix, Honoré de Balzac, Iwan Turgenew oder Prinz Jérôme Napoléon. Prominentester Dauergast des Château de Nohant war Frédéric Chopin, der mit George Sand eine flammende Liaison eingegangen war und sieben Sommer auf ihrem Schloss verbrachte. Im ersten Stockwerk kann man in sein Komponistenzimmer hineinsehen, in dem die meisten seiner Mazurkas, Sonaten, Préludes und Polonäsen entstanden. Die allerneuesten Klaviere bekam er kostenlos von seinem Pariser Sponsor, dem legendären Pianofabrikanten Pleyel, bis ins Berry geliefert. Acht Tage lang war die Transportkutsche unterwegs.

Das Château de Sarzay fällt in Sands Roman einer fiktiven Feuersbrunst zum Opfer.
Das Château de Sarzay fällt in Sands Roman einer fiktiven Feuersbrunst zum Opfer. : Bild: Rob Kieffer

Die Leute verbinden George Sand vor allem mit Schreibwut, Emanzipation und Männerverschleiß“, sagt Annick Dussault, Sand-Spezialistin und Projektleiterin für die kulturelle und touristische Erschließung des „Pays de George Sand“. Umso wichtiger sei es, Klischees aus dem Wege zu räumen und weniger bekannte Facetten der Schriftstellerin zu präsentieren. George Sand sprach Englisch, spielte Harfe, ging in Männerkleidung auf die Jagd, interessierte sich für Anatomie und Botanik, sammelte Mineralien, trug eine in Nohant aufbewahrte Bibliothek von achttausend literarischen und wissenschaftlichen Werken zusammen. Die Küche ließ sie mit einem dampfkesselgroßen, gusseisernen Herd ausstatten, der damals der letzte Schrei war. Hatten ihre Dienstmägde frei, kochte sie für ihre Gäste eigene Gerichte, darunter ein nach ihr benanntes Omelett mit Maronen, Früchten und Vanillecrème. Kaum bekannt ist auch Sands Passion fürs Marionettentheater, die sie mit ihrem erwachsenen Sohn Maurice teilte. In einem eigens konstruierten Theaterraum mit ausgeklügelter Kulissentechnik führte sie selbstgeschriebene Komödien und Satiren vor entzücktem Publikum auf. Mutter und Sohn schnitzten und kostümierten um die dreihundert` Marionettenfiguren, von denen viele der Commedia dell’arte entlehnt waren und die heute in einer Dauerausstellung in einem Anbau des Schlosses zu bestaunen sind.

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