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Gastronomie in Dijon : Guten Appetit und guten Durst!

  • -Aktualisiert am

Kein Verdacht auf Folklorismus: Die Ferrandi-Kochschule setzt Zeichen Bild: ddp

Ein Walhalla für die französische Küche: Die Cité Internationale de la Gastronomie et du Vin in Dijon ist nach langen Querelen eröffnet worden.

          7 Min.

          Und sie dampft doch! Nach ermüdenden kommunalpolitischen Scharmützeln und mehrfacher Verzögerung des Baubeginns hat in Dijon nun endlich die Cité Internationale de la Gastronomie et du Vin ihre Pforten geöffnet. Präsident Emmanuel Macron ließ sich entschuldigen, aus Termingründen, wie es heißt. Auch der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy, in dessen Amtszeit der Beschluss für die seit dem neunzehnten Jahrhundert größte städtebauliche Maßnahme in der burgundischen Hauptstadt fiel, wurde nicht gesehen. Dafür kam der bekennende Genießer François Hollande, ein Parteifreund von François Rebsamen, seit 2001 Bürgermeister von Dijon und eigentlicher Motor des ehrgeizigen Großprojekts. Zudem strömten zwanzigtausend Einwohner zur Eröffnungsfeier, setzten die gratis verteilten Papierkochmützen auf den Kopf und ließen sich im Plastikweinglas mit dem Schriftzug Dijon nachschenken. Dijon, nun freue Dich!

          Wir erinnern uns: Im November 2010 nahm die UNESCO die französische Esskultur in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. „Wir haben die beste Küche der Welt“, jubelte Präsident Nicolas Sarkozy. Drei Jahre später, mittlerweile war Hollande dem bekennenden Colatrinker und Popcornanhänger Sarkozy in den Elysée-Palast gefolgt, beschloss Frankreich, das immaterielle Kulturerbe an vier Standorten und ebenso vielen Cités de la Gastronomie mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu materialisieren: Lyon, Rungis, Tours und Dijon, wo, „Bourgogne oblige“, der Schwerpunkt neben der Gastronomie auf Wein liegen sollte.

          Gutes Essen als Alltagstugend

          Was folgte, waren Pleiten, Pannen, Verzögerungen. In Lyon, wo die 2019 im ehemaligen Hôtel-Dieu eröffnete Cité wegen des zu elitären Konzepts und der Auswirkungen der Corona-Krise nach nur sechs Monaten krachend scheiterte, bleibt die Hoffnung, dass eine um allzu viele große Namen abgespeckte und um ein Kulturangebot bereicherte Cité de la Gastronomie 2023 neu eröffnen wird. In Rungis, Standort des bedeutendsten Großmarkts Europas vor den Toren von Paris, lassen die Verwirklichung des Projekts und die dafür geplante Verlängerung der Metrolinie 14 zwischen Stadtmitte und Großmarkt auf sich warten. In Tours wurden erst im vergangenen Frühjahr die Pläne für eine dezentrale Cité enthüllt. Im volkstümlichen Quartier Sanitas soll ein Raum für eine „solidarische und inklusive Gastronomie“ entstehen. Für die Markthallen im Stadtzentrum sind Ateliers geplant, die den Reichtum der Produkte im Loiretal zeigen sollen. Seit Herbst 2021 fungiert immerhin die Villa Rabelais, ein Bürgerschloss aus dem neunzehnten Jahrhundert, als Kulturzentrum der Gastronomie mit entsprechenden Veranstaltungen, Ausstellungen, Kursen. Der ganz große Wurf sieht anders aus.

          Wie er aussehen kann, führt Dijon vor und darf dabei auf eine fest in der Gesellschaft verankerte Genusskultur bauen. In der Stadt zählt gutes Essen seit den legendären Valois-Herzögen zu den Alltagstugenden, mithin seit Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Nicht ganz so lang wird in Dijon mit dem Slogan „Des monuments, des restaurants“ – Denkmäler und Restaurants – geworben. Denkmäler gibt es im hundert Hektar umfassenden Secteur sauvegardé, dem innerstädtischen, unter flächendeckendem Denkmalschutz stehenden „bewahrten Sektor“, tatsächlich außergewöhnlich viele, Restaurants dito. Dazu bot sich eine historische Chance: Mit der Schließung des Hôpital Général, dessen Geschichte als Hospices de Dijon im fünfzehnten Jahrhundert begann, fiel den Planern das frei gewordene, sechseinhalb Hektar große Gelände des Großkrankenhauses am südwestlichen Rand des Secteur sauvegardé als Standort der Cité de la Gastronomie et du Vin in die Hände.

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