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Unterwegs auf den Phlippinen : Kreuzfahrt unterm Fledermaushimmel

  • -Aktualisiert am

Selbst schlechtes Wetter kann die gute Laune nicht trüben: Kokosnussmann auf Palawan Bild: Franz Lerchenmüller

Ein Gefängnis als Ausflugsziel, eine Seilbahn als Sozialprojekt, dazu eines der sieben „Weltwunder der Natur“: Die philippinische Insel Palawan versammelt eine Reihe ungewöhnlicher Attraktionen. Und trotz Taifun Yolanda nimmt die Zahl der Besucher zu.

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          Ver soll kommen, sie schicken nach Ver. Wenn einer etwas über dieses ungewöhnliche Gefängnis erzählen kann, dann ist es Ver. Er sitzt seit neunundzwanzig Jahren in der Iwahig Prison and Penal Farm auf Palawan, er kennt den Betrieb, und er kann reden, sogar auf Englisch, wenn jemand fragt.

          Während ein junger Mann losgeht, um Ver zu holen, scheppert aus dem Lautsprecher jenseits des zentralen Platzes eine Trompetenmelodie, ähnlich der aus dem Film „Verdammt in alle Ewigkeit“. Männer aller Altersstufen in knielangen Hosen und hellbraunen T-Shirts strömen unter dem Fahnenmast zusammen.

          Gefängnis zwischen Palmen

          Das weiße Gebäude im Kolonialstil dahinter stammt vom Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Strafanstalt von den amerikanischen Besatzern gegründet wurde. „Zählappell“, sagt der untersetzte, braungebrannte Gefangene, der plötzlich aufgetaucht ist. Dann streckt er dem Besucher die Rechte entgegen, an der der Ringfinger fehlt. Gerade hat Ver seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert, in zwei Jahren endet sein „lebenslänglich“. Er strahlt eine Mischung aus Vorsicht, lauernder Ruhe und Resignation aus. Warum er hier ist? „Drogen“, sagt er kurz, und so wie er es sagt, war da noch mehr.

          Während die Flagge eingeholt wird, schlendert eine Handvoll japanischer Touristen durch die heruntergekommene Sporthalle und begutachtet die Souvenirs, die von den Gefangenen gebastelt wurden: Buddelschiffe, Essstäbchen aus Bambus und geflochtene Flaschenhalter stapeln sich auf Tischen, an den Wänden hängen bunte Holzschmetterlinge und Sonnen mit eingebrannten Ornamenten. Zwei ausgemergelte ältere Männer reden in brüchigem Englisch auf die Besucher ein, und die kaufen einiges. Wann bringt man schon mal einen Schlüsselanhänger in Krokodilform nach Hause, der aus alten Plastiktassen gegossen wurde - möglicherweise von Mörderhand?

          Ver, der viel Zeit hat, schildert den Aufbau der Strafstation: 2600 Insassen sind in vier verschiedenen Dörfern untergebracht, fünfzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Puerto Princesa. Die Neuen beginnen in der höchsten Sicherheitsstufe - erkennbar an blauen T-Shirts - und werden nachts eingeschlossen. Benimmt man sich, steigt man auf. Die Männer, die jetzt müde unter Palmen herumstehen, rauchen und wenig miteinander reden, haben den Status „minimum security“ und führen ein weniger kontrolliertes Leben. Sie arbeiten tagsüber in den Reisfeldern oder bessern den Damm bei den Fischteichen aus. So verdienen sie etwas Geld, können mit Glück sogar einen Flecken Land pachten und die Ernte verkaufen. Ganz Privilegierte dürfen ihre Familie nachkommen lassen.

          Die ungewöhnlichste Attraktion von Palawan

          Natürlich gebe es hin und wieder Prügeleien, sagt Ver. Und das Essen, das die Freigänger selbst kochten, reiche nie so richtig aus: viereinhalb Kilo Reis pro Woche, sechs Dosen Sardinen, zwei Eier, zwei Portionen Reisnudeln und Trockenfisch. Die Besuche der Touristen schätze man deswegen umso mehr, sagt Ver. Auf diese Weise könnte man sich ein paar Pesos dazuverdienen. Und ab und zu sehe man hübsche Frauen. Das Justizministerium ist stolz auf den seit Jahrzehnten erprobten offenen Vollzug und zeigt die Anlage gerne vor. Und für die Touristen ist es ein willkommener Nervenkitzel, einmal mit einem leibhaftigen Drogenbaron eine Zigarette geraucht zu haben.

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