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Forggensee im Allgäu : Als habe jemand den Stöpsel gezogen

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Dieses Jahr allerdings hat der Kraftwerksbetreiber Uniper diejenigen, die im Sommer vom karibisch anmutenden Traumziel Forggensee finanziell abhängig sind, in Angst und Schrecken versetzt: Der Damm sei marode, vom Lech unterspült, müsse umfassend geprüft und saniert werden, bevor eine Vollstauung wieder möglich sei. So liegt der Seeboden nun bis auf Weiteres in der Sonne und gibt allen Blicken, die sich ihm zuwenden, seine Geheimnisse und Schönheit preis. Doch Schönheit liegt natürlich in den Augen des Betrachters. Das wusste und formulierte schon der altgriechische Flottenkommandant Thukydides und hätte den leeren See aufgrund seiner Profession wahrscheinlich genauso wenig goutiert wie die Forggensee-Schifffahrt nebst Segelvereinen, Fischern, Badestrandbewirtschaftern und Seecampingbetreibern. Man habe erst im März von Uniper erfahren, dass die Saison eklatant bedroht werde, heißt es. Deshalb habe man kaum eine Chance gehabt zu reagieren. Manche Hochzeitsfahrten seien schon abgesagt und viele spät informierte Seetouristen mit bereits gebuchten Zimmern irritiert bis verärgert. Er könne die Enttäuschung verstehen, und die finanziellen Einbußen vor allem für den Schifffahrtsbetrieb seien diesen Sommer immens, sagt Füssens Bürgermeister Paul Iacob. Es helfe aber nichts, die Sicherheit gehe natürlich vor, doch er hoffe darauf, dass der See, wenn auch mit Verspätung, dieses Jahr noch kommen werde. „Andererseits ist es auch eine einmalige Situation: der ausgelaufene Forggensee im Sommer – eine skurrile bis utopische Landschaft.“ Iacob gerät kurz in ein ehrliches Schwärmen und verweist auf die Führungen von Spezialist Magnus Peresson durch den leeren See. „Mit jedem Schritt entdeckt man dort unten die Vergangenheit.“

Der meiste Unmut sitzt am Südende des Sees. Das Kraftwerk inklusive Damm am Nordende. Seitens Uniper argumentiert man mit der Bitte um Verständnis, einem immensen Sicherheitsrisiko, das nicht in Kauf genommen werden könne, der Beteuerung, die Sanierung schnellstmöglich voranzutreiben, und dem Angebot, die Wassersaison im Herbst zu verlängern. Ausgeschlossen sei es nicht, dass man dieses Jahr noch stauen könne, versprechen aber könne man zu diesem Zeitpunkt nichts.

Das alttestamentarische Sintflut-Topos

Peter Danner ist der Wasserbauingenieur der Uniper. Er ist als Bauleiter der Maßnahmen vor Ort eingesetzt und gibt bereitwillig Auskunft über die Arbeit am Staudamm. Gerade sei man dabei, Bohrkerne zu gewinnen, die Aufschluss über die komplexe Positionierung der verschiedenen Felsschichten geben können. Denn dort, bis zu achtzig Meter tief unter der lehmkernigen Dammkrone, lagere sich das Gestein unterschiedlicher Dichte nicht waagrecht, sondern senkrecht ab und auch noch in Fließrichtung des Wassers. Manch eine Schicht sei poröser als die andere und daher über die Jahre ausgespült worden. So etwas hatte der Lech am Ende der Würmeiszeit ja schon einmal vollbracht. Ohne Damm kein See. Darum werde man Beton injizieren, um dem wilden Fluss dort unten Einhalt zu gebieten, und auch den Damm selbst mit einer stabilen Betonwand als Herzstück im Inneren befestigen.

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