https://www.faz.net/-gxh-a59ht

Deutschland : In der Mitte entspringt ein Fuß

  • -Aktualisiert am

Die Antwort des Ruhrgebiets auf den Indian Summer: das Ruhrtal zwischen Kettwig und Essen-Werden. Hier verläuft der „Kettwiger Panoramasteig“. Bild: Jochen Tack

Es müssen nicht immer Berge sein: Der „Kettwiger Panoramasteig“ zeigt, dass man auch im Ruhrgebiet schön wandern kann.

          4 Min.

          Wie im Vorspann einer nie gedrehten Folge der Netflix-Serie „Dark“ liegt es plötzlich vor einem in einer Mulde, „das ist doch ein . . .“, denkt man für einen Moment, bevor klar ist: Ja, das ist es tatsächlich – der Rest eines Autos. Viel ist nicht übrig geblieben, das Chassis, der Motorblock und kleinere Karosserieteile, pflanzenumrankt und halb versunken im Herbstlaub, fast wäre man dran vorbeigelaufen. Noch seltsamer als die rostigen Überreste aber ist ihre Lage. Wie sind die hier hingekommen? Die Buchen hier stehen so eng, dass ein Auto nirgendwo durchpasst. Es gibt aber auch keine Zufahrt. Keine asphaltierte, keine geschotterte, überhaupt keine. Es gibt bloß diesen engen, schmalen Wanderweg, von dem aus man die Wrackteile sehen kann. Wenn man im richtigen Moment in die richtige Richtung schaut.

          Rast mit Blick auf den Oefter Wald.
          Rast mit Blick auf den Oefter Wald. : Bild: Jochen Tack

          Vielleicht sind solche Funde wie das Auto im Wald gemeint, wenn man sagt, dass sich kleine Abenteuer auch ganz in der Nähe erleben lassen. Und vielleicht meint man ja Wege wie den neulich eröffneten Kettwiger Panoramasteig, wenn vom neuen Wanderland Deutschland die Rede ist und davon, wie man im Jahr der großen Pandemie die liebste Freizeitaktivität der Deutschen neu erfinden kann. Auf einer Länge von 35 Kilometern legt sich der Weg wie eine Schlaufe um die Essener Stadtteile Kettwig und Werden. Er führt vorbei an Pferdekoppeln und Streuobstwiesen. Er windet sich an Waldhängen nach oben und zieht sich durch Felder, über denen sich der blaue Himmel nach allen Seiten streckt und reckt, als wolle er unbedingt noch weiter als bloß bis zum Horizont reichen. Und er schafft tatsächlich das Kunststück, dem Wanderer das Gefühl von Weite, Stille und Natur zu vermitteln, obwohl er in unmittelbarer Nähe einer Ruhrgebietsmetropole mit fast 600 000 Einwohnern unterwegs ist.

          Der Panoramasteig führt am Baldeneysee mit seinem Stauwehr vorbei.
          Der Panoramasteig führt am Baldeneysee mit seinem Stauwehr vorbei. : Bild: Jochen Tack

          „Was man den Essenern nicht erklären muss, den anderen aber schon.“ Das kommt jetzt von Ralph Kindel. Der 51-jährige plant und organisiert Großprojekte wie Essens Jahr als Europas Kulturhauptstadt und vor kurzem das Projekt „Grüne Hauptstadt“. Die Metropole im Zentrum des größten Ballungsgebiets Deutschlands ist nach eigenen Angaben die drittgrünste Großstadt der Republik, „aber viele Leute denken beim Stichwort Ruhrgebiet nach wie vor an qualmende Schlote und Wäsche, die beim Trocknen an der Leine schon wieder grau wird“. Und eben auch an Zechen, Stahlwerkstürme und trostlose Straßenzüge, die auf der einen Seite bis nach Bochum reichen und auf der anderen bis nach Duisburg. Um dieses längst überholte Ruhrgebietsbild zu ändern, hat der passionierte Wanderer Kindel schon vor ein paar Jahren den Baldeney-Steig initiiert, eine mittlerweile äußerst populäre Rundtour um Essens berühmten See. Der neue Kettwiger Panoramasteig geht von der Konzeption noch einmal einen Schritt weiter: Man wolle die Dialektik der Metropole Ruhr bedienen, heißt es im offiziellen Wanderhandbuch. Und das wiederum heißt? „Zeigen, wie nah Natur und Stadt im Ruhrgebiet beieinanderliegen. Und wie schnell man von einem zum anderen kommen kann.“

          Weitere Themen

          Über alle Berge

          Alpenjuwelen-Tour : Über alle Berge

          Eine Alpenüberquerung gehört zu den Abenteuern der Stunde. Die Pandemie hat den Trend noch beschleunigt. Spezialisierte Anbieter versprechen, dass das auch Anfängern gefahrlos und genussvoll gelingt. Ein Versuch.

          „So etwas gab es noch nie“ Video-Seite öffnen

          Reaktionen auf den Mob : „So etwas gab es noch nie“

          Der designierte Präsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, zeigte sich ebenso schockiert über den Angriff auf das Kapitol wie andere namhafte Politiker. Auch die Republikaner nehmen den Trumpismus nicht mehr regungslos hin.

          Topmeldungen

          Vor dem Krisengipfel : Ruf nach echtem Lockdown wird lauter

          Vor dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten mehren sich Forderungen nach härteren Maßnahmen. Gesundheitsminister Jens Spahn spricht angesichts der neuen Virus-Varianten von „besorgniserregenden Meldungen“.
          Trumps Amtszeit endet am Mittwoch, das Bild zeigt ihn im Juni 2020 während er die Air Force One betritt.

          Vor der Amtsübergabe : Wer auf Trumps Begnadigung hofft

          Der amerikanische Präsident plant zum Abschied eine Reihe von ungewöhnlichen Gnadenakten. Die „New York Times“ berichtet nun von Versuchen interessierter Kreise, sich eine Begnadigung von Donald Trump zu kaufen.
          Armin Laschet im September 2018 ungefähr 1200 Meter unter Tage in der Steinkohlenzeche Prosper Haniel in Bottrop.

          Neuer CDU-Vorsitzender : Der Wirtschaftspolitiker Armin Laschet

          Weniger Bürokratie, nicht „halb grün“, europäische Champions: Wofür der neue CDU-Chef wirtschaftspolitisch steht, hat er als Ministerpräsident schon in wichtigen Einzelfällen gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.