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Island : Das abenteuerliche Leben der unerschrockenen Gudridur

Wo Vulkane weibliche Namen tragen und gewöhnliche Berge männliche: Aus Abenteuern entstehen in Island Geschichten und daraus wiederum Literatur. Bild: BLOOMBERG NEWS

Wer reist, muss davon erzählen – und so erfanden die Wikinger ganz nebenbei Weltliteratur. Unterwegs im Westen Islands, in dem die besten Geschichten spielen und die mutigsten Frauen zu Hause sind.

          9 Min.

          Das Gras, das in Island wächst, ist so grün, dass es im Vorbeifahren in den Augen schmerzt. Alarmgrün träfe es ganz gut. Es ist kaum vorstellbar, Gras könnte irgendwo anders auf der Welt grüner sein. Es ist allerdings ziemlich wenig davon da, dafür sehr viel Lava und nicht ganz so viel Gletschereis. Erik der Rote wusste daher, was zu tun war, als er vor mehr als tausend Jahren seine Landsleute davon zu überzeugen suchte, ihm in jenes unbekannte Land im Westen zu folgen, das er erkundet hatte, weil er wegen eines Mordes in die Verbannung gehen musste. Er nannte es verheißungsvoll Grünland. Der Werbeslogan verfehlte seine Wirkung nicht, im Jahr 985 brachen etliche Schiffe auf unter Führung von Erik, der seinen Beinamen wegen seiner Haarfarbe trug und wegen des Blutes, das er vergossen hatte. Nicht alle kamen mit ihm in Grönland an, aber es waren Zeiten, da mussten Reisende ohnehin damit rechnen, am Rand des Ozeans in den großen Abgrund zu stürzen.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          Die Geschichte von Erik wird im Vinlandzentrum erzählt. Das Museum steht in Búdardalur, einer unscheinbaren Ortschaft an der isländischen Westküste, etwa hundertfünfzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Reykjavík. Von hier aus könnten Erik und seine Gefolgschaft damals nach Grönland aufgebrochen sein, ganz genau weiß man das nicht. Ein paar hundert Einwohner zählt der Flecken heute, die schlichten Häuser mit den enggeschnittenen Satteldächern stehen etwas verloren in der kargen Landschaft, als wüssten ihre Bewohner nicht recht, ob sie nun Nähe zueinander suchen oder Abstand wahren sollen. Als das Vinlandzentrum im Frühjahr 2020 eröffnet wurde, kamen alle ins Gemeindehaus zum Feiern, darauf verstehen sie sich in Island, selbst die Ministerpräsidentin gab sich die Ehre.

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